Der freundlichste Riese der Filmgeschichte

Die bekannteste Rolle von Peter Mayhew war eine, in der er gar nicht selbst zu sehen war – die des Chewbacca in «Star Wars». Mit seinem Tod geht ein Grosser – auch im Wortsinn.

Chewbacca-Darsteller Peter Mayhew ist tot: Der 2,21 Meter grosse Brite ist im Alter von 74 Jahren verstorben. (Video: AFP/Youtube)

Die Nachteile eines Menschen, der 2,21 Meter gross ist: «Im Restaurant bekomme ich nie meine Füsse unter den Tisch, im Flugzeug stosse ich mir den Kopf an und Leute die im Theater hinter mir sitzen, hassen mich. Aber ich hab's aufgegeben, mich ständig bei der Welt zu entschuldigen.»

So erzählte es der britische Schauspieler Peter Mayhew, der als zotteliger Wookiee Chewbacca in den «Star Wars»-Filmen weltberühmt wurde, immer wieder in Interviews und bei öffentlichen Auftritten. Zum Beispiel bei der «Star Wars Celebration», einer Fanmesse, die 2013 im deutschen Essen Station machte. Dort konnte man Mayhew das ganze Wochenende über bestens im Blick behalten, weil er mit seiner Körpergrösse sowohl seine Kostars als auch die Fanmassen bei weitem überragte. Auf der Bühne sass er damals unter anderem neben Mark Hamill (Luke Skywalker) und Carrie Fisher (Prinzessin Leia), und erzählte Anekdoten aus der «Star Wars»-Urzeit, als sie 1977 gemeinsam den ersten Film «Krieg der Sterne» drehten.

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Hinterher sassen alle «Star Wars»-Alumni in der Messehalle an Ständen und gaben Autogramme im Akkord, weil so eine Hollywood-Veranstaltung natürlich kein Benefizkonzert ist. Dabei zeigte sich deutlich das Kastensystem innerhalb des Sternenkriegeruniversums. Eine Widmung plus Unterschrift von Mark Hamill kostete 120 Euro, die Signatur von Carrie Fisher 70 – und Chewbacca gab es schon für 35 Euro. Da sass also Mayhew, der damals schon am Stock ging, aber auch im Sitzen alle anstehenden Fans überragte, und unterschrieb nimmermüde eine Autogrammkarte nach der anderen. Es müssen im Verlauf des Nachmittags hunderte gewesen sein, die Schlange hörte gar nicht mehr auf. Hat ihn das genervt, diese Dauerausschlachtung, immer die alten Geschichten, dieselben Fragen, das ewige Fangeheul? Nein, nie, sagte er immer wieder, in Essen und auch anderswo: «Star Wars ist das Beste, was mir jemals passiert ist.»

Chewie betrachtete seine Grösse als Geschenk

Peter Mayhew wurde 1944 in London geboren und hatte zunächst überhaupt keine Karriere in der Unterhaltungsindustrie im Sinn. Als junger Mann arbeitete er als Krankenpfleger im Londoner King's College Hospital. Dann aber wurde der Filmproduzent Charles H. Schneer auf ihn aufmerksam, der den Hünen auf einem Foto entdeckte und für seinen Abenteuerfilm «Sindbad und das Auge des Tigers» (1977) rekrutierte – Mayhew spielte den Minotaurus.

Noch im selben Jahr wechselte er von der alten griechischen in die moderne Blockbuster-Mythologie, als ein obsessiver junger Mann namens George Lucas in England ein Spektakel drehte, von dem damals kaum einer glaubte, dass es später jemanden interessieren werde. Jedis? Wookiees? Die britische Crew rümpfte kollektiv die Nase. Aber Mayhew verliebte sich sofort in seine Rolle, denn dieser Chewbacca, Kopilot und bester Freund des Weltraumgauners Han Solo, war ja ein Riese wie er. Aber er litt nicht unter seine Grösse, ganz im Gegenteil, er betrachtete sie als Geschenk. Chewbacca war ein selbstbewusster, selbstironischer Kerl, der seine Launen mit einem lauten Röhren in die Welt blies, das sich kaum transkribieren lässt, eine Art «RRWWWGG!».

Die Rolle führte dazu, dass Mayhew, der Chewbacca in fünf «Star Wars»-Filmen spielte und zuletzt, als er die Strapazen eines Blockbuster-Drehs nicht mehr schaffte, seinen Chewbacca-Nachfolger Joonas Suotamo liebevoll als Berater betreute, sich auch privat mit seiner Statur aussöhnte: «Ich mag meine Vogelperspektive. Ich denke sie ist genau das, was Chewie seinen Stolz verleiht, seine Grösse, die Grösse seines Herzens.»

Wie seine Familie mitteilte, ist Peter Mayhew, der freundlichste Riese der Filmgeschichte, am Dienstag im Alter von 74 Jahren auf seinem Anwesen in Texas gestorben.

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