Zum Hauptinhalt springen

Das unerotische Sexsymbol

Colin Firth polarisiert. Während die Britinnen verklärt schwärmen, wenn sein Name fällt, schütteln die Frauen ausserhalb der Insel unverständlich den Kopf. Mit einem Oscar in der Tasche könnte sich dies ändern.

Die Frauenwelt weiss nicht so recht, was sie von Colin Firth halten soll.
Die Frauenwelt weiss nicht so recht, was sie von Colin Firth halten soll.
Reuters
Während ihn die Britinnen als Sexsymbol verehren, seit er 1996 in...
Während ihn die Britinnen als Sexsymbol verehren, seit er 1996 in...
Keystone
Im richtigen Leben ist in Sachen Liebe alles rosig: Mit Livia Giuggioli hat Colin Firth zwei Söhne. Die Italienerin bezeichnet er als Liebe seines Lebens.
Im richtigen Leben ist in Sachen Liebe alles rosig: Mit Livia Giuggioli hat Colin Firth zwei Söhne. Die Italienerin bezeichnet er als Liebe seines Lebens.
Keystone
1 / 18

Da war mal eine Frau. Die lag wegen Bluthochdrucks im Spital. Ihr wurde verboten, «Stolz und Vorurteil» zu schauen. Schuld daran war der Hauptdarsteller Colin Firth, der die Dame so sehr in Wallung brachte, dass er sie beinahe auf dem Gewissen gehabt hätte. Vor seinen Kumpels dürfte Colin Firth jedoch kaum mit seinem weiblichen Fan geprahlt haben: Die Frau war 103.

Hugh Grant, der Lästerer

Frauen jenseits des Pensionsalters scheinen geradezu scharf auf den 187-Zentimeter-Hühnen aus Hampshire zu sein. Nicht nur die. Seit seinem Durchbruch als Unterhosen faltender Anwalt Mr. Darcy in «Stolz und Vorurteil» gilt er in Grossbritannien als Sexsymbol, trotz, oder gerade wegen seines hölzernen Charmes, dem irgendwann nach vielen Filmminuten auch Bridget Jones verfallen ist. «Du sollst Darcy spielen? Soll der nicht eigentlich sexy sein?» Selbst Colin Firths Bruder hatte grosse Zweifel an dessen Attraktivität.

Genau wie sein Schauspielkollege Hugh Grant, der Firth jahrelang vor der Sonne stand. Im Audiokommentar zum Film «Love Actually», in dem beide mitspielen, lästert Grant ständig über das Aussehen von Firth ab. Der nimmt die Sache sportlich und mit einer Portion Ironie: «Ich besitze ein ziemlich neutrales Äusseres, das hat mir geholfen: Mein Gesicht kann man erheblich besser aussehen lassen – oder auch viel schlechter.»

Durchbruch mit 49

Was hat der Typ bloss? Frauen ausserhalb Grossbritanniens konnten sich bislang jedenfalls nicht richtig für den Durchschnittstypen erwärmen. Colin Firth ist so schrecklich skandalfrei. Er entstammt einer Professorenfamilie, ist glücklich verheiratet mit der italienischen Dokumentarfilmerin Livia Giuggioli, hat drei Söhne, einen davon aus einer früheren Beziehung mit der amerikanischen Schauspielerin Meg Tilly, er engagiert sich für die Dritte Welt und kauft fair gehandelten Kaffee.

Dass er die ersten fünf Jahre seines Lebens in Nigeria verbrachte, reicht nicht aus, um ihn als exotisch zu bezeichnen. Und dass er richtig gut schauspielern kann, weiss alle Welt eigentlich auch erst, seit er vergangenes Jahr in Tom Fords Schwulendrama «A Single Man» beinahe den Oscar gewonnen hätte – mit beinahe 50 Jahren. Weil der Designer Ford ihn endlich in stylische Klamotten steckte, sah Firth denn auch richtig gut aus, oder «erheblich besser», wie er selber sagen würde. Endlich mal kein steifes Kostüm wie in «Valmont» oder «Shakespeare in Love» und keine dämliche Perücke wie in «Das Mädchen mit dem Perlenohrring». Vom schrecklichen Wollpullover in «Bridget Jones» ganz zu schweigen.

Nun ist Colin Firth erneut für den Oscar nominiert. Nicht nur das. Weil der karrieremässige Spätzünder den stotternden König Georg VI. in «The King’s Speech» so eindrücklich spielt, können seine Konkurrenten in der Kategorie «Bester Schauspieler» eigentlich genauso gut zu Hause bleiben, statt an der Verleihung teilzunehmen; so sonnenklar ist es, dass Firth gewinnt. Den Golden Globe und unzählige weitere Filmpreise hat er für seine Glanzleistung bereits eingeheimst. Und da Erfolg bekanntlich sexy macht, dürften bald auch die Frauen ausserhalb der britischen Insel ein Auge auf den steifen Briten mit der Selbstironie werfen. Auch diejenigen unter hundert Jahren.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch