Das Stade de Suisse wird zur Filmkulisse

Bern

Homosexualität im Fussball? Diesem Tabuthema widmet sich Regisseur Marcel Gisler im Spielfilm «Mario», dessen Dreharbeiten im Stade de Suisse am Mittwoch begannen. Die Hauptrolle spielt der Berner Max Hubacher («Der Verdingbub»).

Wie «Mario»-Hauptdarsteller Max Hubacher die Herausforderung meistern will, einen homosexuellen Fussballer zu spielen.
Hans Jürg Zinsli@zasbros

Es ist kühl im Bauch des Stadions. Und dunkel. Mittwoch, 10.20 Uhr, und durch die Scheiben des offiziellen Young-Boys-Mannschaftsbusses erahnt man schemenhaft einige Schauspieler. Doch die Filmkamera versperrt den Platz bei der Türe, und wenn die Aufnahmeleiterin «Ruhe bitte, wir drehen!» ruft, kleben die Blicke der Anwesenden auf einem kleinen Monitor, der vor dem Bus aufgebaut ist. Regisseur Marcel Gisler sitzt davor, springt zwischen zwei Takes auf und ruft Anweisungen ins Wageninnere.

Es ist der sechste Drehtag zum Spielfilm «Mario», der von einer Lovestory unter Young-Boys-Fussballern erzählt. Die Hauptrolle spielt der Berner Max Hubacher («Der Verdingbub»), den man auf dem Monitor an seinen blauen Kopfhörern erkennt. Wieder und wieder setzt er sie auf. Dazwischen warten. Und weiter warten. Das ist typisch Film – und trifft besonders auf die Entstehungsgeschichte von «Mario» zu. «Mein Co-Autor Thomas Hess schlug mir das Thema Homosexualität im Fussball vor sieben Jahren vor», sagt Gisler.

Regisseur Marcel Gisler über seinen Film «Mario» und weshalb es solange gedauert hat, bis ein Film, der Fussball und Homosexualität vereinigt, realisiert wurde. Video: Christian Häderli

Dann kams jedoch nicht nur bei der Stoffentwicklung, sondern auch punkto Finanzierung zu Verzögerungen. Der Zürcher Produzent Rudolf Santschi blitzte beim Bundesamt für Kultur dreimal mit einer Förderanfrage des 3,5 Millionen Franken teuren Films ab, worauf er die Bernerin Theres Scherer-Kollbrunner ins Boot holte. Gemeinsam versuchte man das regionale Doppelfinanzierungsprinzip à la «Der Goalie bin ig» – mit Erfolg: Dank Beträgen der Zürcher Filmstiftung und der Berner Filmförderung konnten die Dreharbeiten endlich beginnen.

Nach elf Anläufen ist die Busszene im Kasten. Hubacher steigt aus und raucht auf dem Vorplatz eine Zigarette. Als er mit einem Ball einige Kunststückchen zum Besten gibt, ist er sofort von Komparsen umringt. Buben und Bälle – das geht immer. Bloss die Aufnahmeleiterin mahnt zur Vorsicht, da die Filmkamera direkt daneben steht. Wie gut muss man Fussball spielen, um im Film einen Fussballspieler zu spielen? «Es macht schon viel aus, ob man mal in einem Verein gespielt hat», sagt Hubacher, der acht Jahre Cluberfahrung hat. «Es gibt zwar Doubles für den Film, aber ich versuche, so viel wie möglich selbst zu machen.»

Impressionen vom Drehtag im Stade de Suisse:

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Mittagspause im Stade de Suisse. Durch einen engen Treppengang gehts in die Cateringlounge. Wie kommt es eigentlich, dass die Young Boys dem Filmteam ihr Stadion, ihren Bus und ihre Trikots zur Verfügung stellen? «Wir fanden das Projekt und das Drehbuch spannend», sagt YB-Kommunikationschef Albert Staudenmann. «Homosexualität ist im Sport leider immer noch ein Tabuthema – wir wollen angemessen damit umgehen. Die Young Boys sind ein Verein für alle. Wir haben auch einen homosexuellen Fanclub.»

Eine logistische Herausforderung sei es allerdings gewesen, die Trainingshoheit der ersten Mannschaft nicht anzutasten. Dass die Filmcrew an diesem Nachmittag auf den Kunstrasen darf, ist kein Zufall: «YB spielt kommenden Sonntag in Sion auf Naturrasen», sagt Staudenmann, «deshalb trainiert das Team heute nicht im Stade de Suisse, sondern im Turnerstadion auf Naturrasen.»

13.30 Uhr, die Mittagspause ist um. Hubacher und Co-Darsteller Aaron Altaras laufen sich zwecks Probe am Spielfeldrand warm. Neben ihnen fährt ein kleiner Geländewagen her, auf dem die Kamera montiert ist. Regisseur Gisler schaut vom Beifahrersitz auf den Monitor, während Regieassistent Marc Gerber hinterherjoggt und Hubacher zuruft: «Du bleibst beim Laufen exakt auf Höhe der Kamera.» Dann: Konzentration, Trainingshose ausziehen, der Chef-Maskenbildner richtet Hubacher ein letztes Mal die Haare – und: «Ruhe bitte, wir drehen!»

Berner Zeitung

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