Burgdorfer macht spektakulären Fund

Der Burgdorfer Film-Fan Raff Fluri hat im Nachlass des Gotthelf-Regisseurs Franz Schnyder einen spektakulären Fund gemacht.

Der Gotthelf-Regisseur Franz Schnyder (im Bild) hatte im Nachlass einen Film, in dem er selbst zu sehen ist.

Der Gotthelf-Regisseur Franz Schnyder (im Bild) hatte im Nachlass einen Film, in dem er selbst zu sehen ist.

(Bild: Walter Pfäffli)

Einen spektakulären Fund hat der Burgdorfer Film-Fan Raff Fluri gemacht: Im Nachlass des Gotthelf-Regisseurs Franz Schnyder stiess er auf den einzigen Film, in dem Schnyder als Schauspieler zu sehen ist.

Es ist ein Stummfilm, der 1932/33 von jungen Theater- und Musikschaffenden in Berlin gedreht wurde, wie die Zeitung Der Bund am Dienstag berichtete. Erzählt wird das Märchen «Das Kalte Herz» nach Wilhelm Hauff.

Regie führte der bekannte Pianist Karl Ulrich Schnabel. Der Film wurde vermutlich nur ein einziges Mal aufgeführt, im Mai 1933 - aus Zensurgründen stark gekürzt. Der Halbjude Schnabel flüchtete ein Jahr später aus Berlin. Ein befreundeter Pianist versteckte die Kurzfassung des Films.

Teile davon wurden später auf Video kopiert. Sie landeten auf der Kassette, die Fluri 2009 im Nachlass des Burgdorfer Filmemachers Franz Schnyder fand. Fluri recherchierte damals anlässlich des 100. Geburtstags des Regisseurs, der 1993 in Münsingen verstorben war.

Den ganzen, bis heute ungesehenen Film «Das kalte Herz» trieb Fluri schliesslich im Nachlass von Schnabel in Deutschland auf. Nun sammelt er mit einer Crowdfunding-Kampagne Geld, damit das «Herz» möglichst originalgetreu fertiggestellt und restauriert werden kann.

«Experimentelle Ästhetik»

«Der Film soll endlich auf die grosse Leinwand gelangen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden», schreibt Fluri auf der Website zum Projekt. Laut Der Bund zeichnet den Film eine experimentelle Ästhetik aus - manche Szenen seien romantisch-volkstümlich, andere äusserst experimentell.

Das Märchen «Das kalte Herz» erzählt die Geschichte vom Kohlenmunk-Peter aus dem Schwarzwald. Er führt eine Köhlerei, ist aber mit der schlecht bezahlten, schmutzigen Arbeit unzufrieden und verkauft für Ansehen und Geld sein Herz dem Holländer-Michel.

Franz Schnyder ist einer breiten Öffentlichkeit durch die Verfilmung von Werken von Jeremias Gotthelf ein Begriff, darunter «Uli der Knecht» und «Uli der Pächter». Grossen Erfolg hatte bereits sein Filmdebüt von 1941, «Gilberte de Courgenay».

In den letzten Jahrzehnten seines Lebens blieb ihm der Erfolg hingegen versagt. Seine künstlerisch ambitionierteren Projekte fielen beim Publikum durch oder wurden von der Filmförderung abgelehnt. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Franz Schnyder im Psychiatriezentrum Münsingen.

cla/sda

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