Berner Filmemacher Res Balzli verstorben

Der Berner Filmproduzent und Regisseur Res Balzli ist gestorben. Im September wäre er 67 Jahre alt geworden.

Res Balzli vor drei Jahren in der Brasserie Lorraine.

Res Balzli vor drei Jahren in der Brasserie Lorraine.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Matthias Lerf@MatthiasLerf

Gegen Ende seines Lebens ist Res Balzli noch Jungfilmer geworden. Als Regisseur drehte er den Dokumentarfilm «Bouton» über eine krebskranke Schauspielerin. Und den Spielfilm «Tinou», ein typisches Erstlingswerk voller überschäumender Ideen: Es geht darin genauso um enge Berner Beizen wie um die Weiten Afrikas, um die Eigernordwand wie um ein Frachtschiff auf dem Meer. Der Film ist schwarzweiss und farbig und voller Musik.

Als Res Balzli selber Regisseur wurde, kannte er das Geschäft bereits bestens. Seit 1985 war er als Filmproduzent und Förderer unterwegs, eine markante Figur der Schweizer Szene. Unter anderem arbeitete er mit dem Berner Felix Tissi («Noah und der Cowboy») und dem St. Galler ­Peter Liechti («Grimsel – ein Augenschein»). In München entdeckte er das Regieduo Nicolas Humbert und Werner Penzel, mit dem er einen seiner schönsten Filme produzierte: «Step Across the Border» über den Musiker Fred Frith.

Balzli war allerdings alles andere als ein klassischer Produzent mit Computer und Excel-Tabellen. Am liebsten war er selber auf dem Drehplatz, packte an, wo er konnte, war Chef und Handlanger gleichzeitig. Als das Produzieren Ende der 1990er-Jahre immer bürokratischer wurde, übergab er seine Firma dem Filmemacher Dieter Fahrer und zog sich aus dem operativen Geschäft zurück. Dafür widmete er sich wieder seiner anderen Leidenschaft: der Gastronomie.

Vermittler und Vernetzer

Der Sohn des Mundartdichters Ernst Balzli war vielseitig interessiert: Er arbeitete zu Beginn als Sozialarbeiter in der Drogenrehabilitation. Er war Gründungsmitglied der Genossenschaftsbeiz Kreuz in Nidau und damit ein Pionier dieser Bewegung. Nach dem Rückzug vom Film wirtete er in der Auberge aux 4 Vents bei Freiburg – und hielt sich beim Film nicht so stark an den eigenen Rückzug, wie er das einst vorhatte. Sondern war ­vielerorts präsent.

Balzli war ein grosser Vermittler und Vernetzer, immer auf Draht, immer voller Pläne. Vor anderthalb Jahren wurde er aber jäh gebremst, er erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, mit einem Rückfall im März dieses Jahres. Er, der so vieles möglich gemacht hatte, musste erkennen, dass ihm selber nicht mehr viel blieb. Am letzten Sonntag hat er seinem Leben im Alter von 66 Jahren ein Ende gesetzt. Sein Weggefährte und Freund Felix Tissi formuliert es so: «Er, der ein Leben lang um Selbstbestimmungen rang, hat sich diese wiedergeholt.»

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