Berner Film beim Filmfestival Locarno

Was für ein Wurf: Der Episodenfilm «Heimatland» von der Berner Filmproduktion Contrast Film läuft als einziger Schweizer Beitrag im Wettbewerb des Filmfestival Locarno.

Berner Episodenfilm «Heimatland»: Eine gigantische Wolke sorgt für Verunsicherung unter der Schweizer Bevölkerung.

Berner Episodenfilm «Heimatland»: Eine gigantische Wolke sorgt für Verunsicherung unter der Schweizer Bevölkerung.

(Bild: zvg)

Hans Jürg Zinsli@zasbros

Ja, es war ein Coup mit Ansage: «Für die Weltpremiere von ‹Heimatland› zielen wir auf das Filmfestival Locarno», sagte der Berner Produzent Stefan Eichenberger im Herbst 2014. Das klang vollmundig. Wann hatte ein Berner Spielfilm zuletzt Premiere in Locarno gefeiert? Muss ewig her sein (vermutlich wars «Grosse Gefühle» von Christof Schertenleib 1999).

Ein Film mit Potenzial Im Herbst 2014 drehten zehn Schweizer Nachwuchsregisseurinnen und -regisseure zwischen Genf und St. Gallen, zwischen Muotathal und Yverdon je eine Episode des knapp zwei Millionen Franken teuren Projekts; auch der Berner Regisseur Gregor Frei inszenierte in der Stockhorn Arena in Thun eine Episode mit echten Fussballfans. Schon damals ahnte man: Das hat Potenzial.

Dass «Heimatland» jetzt als einziger Schweizer Beitrag im Wettbewerb des Filmfestivals Locarno läuft, ist kein Zufall: Was immer die Berner Filmproduktionsfirma Contrast Film anpackt, sorgt für Aufsehen. Gäbe es einen Preis für das aufstrebendste Schweizer Produktionshaus der Gegenwart, die Contrast Film wäre alleiniger Anwärter.

Nicht der erste Erfolg Deren Erfolgsgeschichte begann im Februar 2014, als man mit dem ersten Spielfilm gleich zur Berlinale fuhr: «Der Kreis», eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund einer Zürcher Schwulenorganisation, testete den Mix von Spiel- und Dokumentarfilm. Mit Erfolg. Beim Schweizer Filmpreis 2015 räumte «Der Kreis» vier Trophäen ab und wurde als offizieller Schweizer Beitrag ins Oscarrennen um den besten ausländischen Film geschickt.

Was dem «Kreis» verwehrt blieb – ein Platz unter den fünf Oscarnominierten –, das schaffte der von Stefan Eichenberger produzierte Kurzfilm «Parvaneh». Die Geschichte um Träume und Albträume einer jungen Migrantin liess die Schweiz im Februar 2015 um einen Oscar mitfiebern. Auch wenn es nicht reichte: Eichenberger und Regisseurin Talkhon Hamzavi zeigten, dass mit ihnen in Zukunft zu rechnen ist.

Früchte werden sichtbar Und jetzt also «Heimatland», ein Film, in dem eine gigantische Wolke über der Schweiz auftaucht und für Unruhe unter der Bevölkerung sorgt: Soll man sich verbarrikadieren? Durchdrehen? Das Ding ignorieren? Wie dieses halb fiktionale, halb dokumentarische Werk aussieht, wird man an der Filmpremiere am 10. August in Locarno sehen. Bereits jetzt steht fest: Das neue Selbstvertrauen steht Berner Filmern wie Stefan Eichenberger ausgezeichnet.

Noch vor wenigen Jahren wäre das undenkbar gewesen: 2006 wurden im Kanton Bern bescheidene 500'000 Franken für den Film ausgegeben, die Berner Filmszene drohte auszusterben. Inzwischen sind es 3,2 Millionen, und die Früchte werden sichtbar.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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