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Angestrengtes Lustigsein

Weder die Songs von Abba noch die guten Schauspieler können «Mamma Mia 2» retten. Und Cher gibt einem den Rest.

Amanda Seyfried und ihre Film-Mama Meryl Streep tanzen durch geradezu beliebige Choreografien. Foto: Universal Pictures
Amanda Seyfried und ihre Film-Mama Meryl Streep tanzen durch geradezu beliebige Choreografien. Foto: Universal Pictures

Am Anfang sieht man Björn ­Ulvaeus, den Texter und Mit­komponisten von Abba. Er spielt einen missbilligenden Lehrer, und es fällt schwer, seinen Blick nicht als Reaktion auf den Film zu sehen, in dem er mitspielt. ­Etwas später sitzt sein Kollege Benny Andersson an einem Klavier, gibt sich fröhlich und sieht aus, als habe er Bauchweh.

Natürlich haben die beiden Männer freiwillig mitgemacht, ohne ihre Unterstützung geht nichts bei einer Band wie Abba, die ihre Karriere kontrollierte von der Musik über die Kostüme und Videos bis zu den Auftritten. Aber noch nie ist ein Projekt so missglückt, an dem sie musikalisch beteiligt waren.

Dekorativ herumstehende griechische Eingeborene

Die besten Lieder des schwedischen Quartetts bleiben unwiderstehlich mit ihren Melodien, Arrangements und den Stimmen von Agnetha Fältskog und Anni-Frid Lyngstad. Auch «Mamma Mia!», das Theatermusical von 1999, begeistert bis heute. Der dazugehörige Film, der vor zehn Jahren ins Kino kam und mit einem Ensemble um Meryl Streep, Colin Firth oder Julie ­Walters aufwartete, litt an Übertreibungen, ­profitierte aber von einem schlagfertigen Drehbuch.

Natürlich sind alle wieder da: die Tanzeinlagen und die ­dazugehörenden Songs, die Schauspielerinnen und Schauspieler, die dekorativ herum­stehenden griechischen Ein­geborenen, die Sonne, das Meer und die Felsen.

Die Geschichte geht so: Die junge Sophie (Amanda ­Seyfried) möchte die Pension restaurieren, die ihre Mutter vor Jahren auf einer kleinen Insel übernommen hatte. Zur Eröffnung plant sie ein Fest, zu dem sie alle ihre Freunde und Freundinnen sowie ihre drei mutmasslichen Väter einlädt. Denn als ­Sophies Mutter jung war, hatte sie mit jedem der drei je eine Nacht verbracht und war schwanger geworden. Nur wusste sie nicht, von wem.

Die Erlebnisse der jungen ­Mutter (Lily James) erzählt der Film von Ol Parker in ausführlichen Rückblenden. Der Kontrast zwischen damals und heute könnte reizvoll sein, wenn es denn einen Kontrast gäbe. Oder so etwas wie eine Handlung. Stattdessen ­zerfällt der Film in eine lose ­Abfolge von Dialogzeilen und Tanzszenen, die sogar Überhits wie ­«Waterloo» oder «Dancing Queen» geradezu ruinieren. Einen Abba-Song schlecht­zumachen, ist eine Leistung, in «Mamma Mia! Here We Go Again» gelingt es mehrere Male. Die Choreografien wirken auf­gesetzt, geradezu ­beliebig.

Anders als bei der ersten ­Folge liefert der neue Film nur Kitsch, Sentimentalität und angestrengtes Lustigsein. Man muss ein paarmal lachen in ­diesem Film, etwa über Colin Firth, aber die meiste Zeit über bleibt man freudlos sitzen.

Das Schlimmste passiert einem gegen Ende des Films, als Sängerin Cher zu ­«Fernando» ansetzt mit ihrer dunklen Stimme, ausgerechnet jenem Stück, das man immer gehasst hat. Es läuft einem den ganzen Tag nach.

Ab heute in den Kinos.

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