You’re fired! – mitten in den Dreharbeiten

Die Regisseure von «Solo: A Star Wars Story» wurden am Filmset entlassen – aber sie sind bei weitem nicht die einzigen, denen das passierte.

Da sassen sie noch am Steuerknüppel: Chris Miller (links unten) und Phil Lord (Zweiter von rechts) mit den Stars des «Solo»-Films:  Woody Harrelson, Phoebe Waller-Bridge, Alden Ehrenreich, Emilia Clark, Chewbacca und Donald Glover.

Da sassen sie noch am Steuerknüppel: Chris Miller (links unten) und Phil Lord (Zweiter von rechts) mit den Stars des «Solo»-Films: Woody Harrelson, Phoebe Waller-Bridge, Alden Ehrenreich, Emilia Clark, Chewbacca und Donald Glover.

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Eines Tages waren sie einfach nicht mehr da. Drei Viertel des Films «Solo: A Star Wars Story» war abgedreht, als die Regisseure Phil Lord und Christopher Miller nicht mehr zur Arbeit erschienen. «Künstlerische Differenzen» wurden von der Produktionsfirma Lucasfilm als Begründung angegeben, die Zeitschrift «Entertainment Weekly» schrieb, die beiden hätten sich nicht ans Drehbuch gehalten, improvisiert und versucht, eine Komödie aus dem jetzt in den Schweizer Kinos laufenden Film zu machen. Routinier Ron Howard übernahm. Ein Einzelfall? Bei weitem nicht, wie diese Übersicht zeigt.

George Cukor, gefeuert bei «Gone With the Wind» (1939)
Zwei Jahre lang hatte George Cukor an der Vorbereitung des Riesenfilms gearbeitet, er war ein guter Freund des Produzenten David O. Selznick. Dieser entliess ihn trotzdem nach nur drei Drehwochen. Die beiden hatten wegen des Drehbuchs gestritten, und Hauptdarsteller Clark Gable kam mit dem Regisseur auch nicht zugange. Victor Fleming übernahm den Film und machte ihn zum Welterfolg. Aber auch Cukors Karriere hat dies nicht geschadet. Er drehte später Klassiker wie «The Philadelphia Story» und «My Fair Lady».

Anthony Mann, gefeuert bei «Spartacus» (1960)
Anthony Mann war ein routinierter Western-Regisseur, fünf davon drehte er mit James Stewart in der Hauptrolle. Mit den monumentalen Vorgaben des Römerfilms «Spartacus» kam er allerdings nicht klar, Hauptdarsteller (und Produzent) Kirk Douglas entliess ihn bereits nach drei Tagen. Es war ein Wendepunkt in Manns Karriere, der 54-Jährige drehte zwar mit «El Cid» und «The Fall oft the Roman Empire» doch noch zwei Monumentalfilme, hatte aber nur mässigen Erfolg. Ach ja, und bei «Spartacus» wurde er von einem damals noch nicht sehr bekannten Regisseur ersetzt: Stanley Kubrick.

Richard Donner, gefeuert bei «Superman II» (1980)
Selbst ein Erfolg schützt nicht vor der Entlassung: Richard Donner drehte 1978 «Superman» mit Christopher Reeve in der Hauptrolle. Gleichzeitig arbeitete er bereits an der Fortsetzung «Superman II», verliess aber nach drei Vierteln das Filmset, um den ersten Teil fertigzustellen. Eine Rückkehr war geplant, wurde aber nicht zugelassen, weil er sich mit den Produzenten verkracht hatte. Diese setzten Richard Lester ein, der mehr als die Hälfte des Films neu drehte, um als alleiniger Regisseur dazustehen. Lex-Luthor-Darsteller Gene Hackman weigerte sich allerdings, für Neuaufnahmen zurückzukehren, weshalb klar ist, dass alle Aufnahmen mit ihm eigentlich von Regisseur Donner stammen, der im Nachspann nicht genannt wird.

Richard Stanley, gefeuert bei «The Island of Dr. Moreau» (1996)
Der südafrikanische Regisseur Richard Stanley wollte unbedingt den Buchklassiker von H. G. Wells neu auf die Leinwand bringen. Vier Jahre lang hausierte er mit dem Projekt bei verschiedenen Produktionsfirmen, bevor New Line Cinema endlich zusagte. Aber bereits am ersten Tag verkrachte er sich mit Hauptdarsteller Val Kilmer, den er kurzerhand mit David Thewlis ersetzen wollte, der dessen Assistenten spielte. Dazu kam es aber nicht, am dritten Tag wurde Stanley gefeuert und durch John Frankenheimer ersetzt. Genützt hat es nicht viel, der Film fand später nur noch Beachtung, als es in Hollywood um die Verleihung der Goldenen Himbeeren für die schlechtesten Filme ging.

Steven Soderbergh, gefeuert bei «Moneyball» (2011)
Soderbergh hatte als 26-Jähriger einen fulminanten Regie-Einstand mit «Sex, Lies and Videotape», mit dem er gleich die Goldene Palme von Cannes gewann. Danach verfolgte er eine wechselhafte Karriere mit Hits wie «Erin Brockovich» und eher experimentellen Werken. Er war als Regisseur des Baseballfilms «Moneyball» vorgesehen, mit Brad Pitt in der Hauptrolle. Dabei wollte er allerdings die Geschichte durch Interviews mit richtigen Stars dieser Sportart unterbrechen, worauf die Produzenten ein paar Tage vor Drehbeginn den Stecker zogen. Bennett Miller übernahm und inszenierte klassisch. Soderbergh gab wenig später seinen Rücktritt als Kinofilmregisseur – und kürzlich dann wieder den Rücktritt vom Rücktritt mit «Logan Lucky».

Bryan Singer, gefeuert bei «Bohemian Rhapsody» (Startdatum offen)
Der Regisseur wurde hauptsächlich durch die «X-Men»-Filmreihe bekannte. Im November 2016 begann er mit den Vorbereitungen für das Queen-Spektakel «Bohemian Rhapsody». Ein gutes Jahr später wurde er entlassen, angeblich wegen «mehrfacher Abwesenheit vom Filmset». Vorläufig ist unklar, was genau geschah. Es habe zwar künstlerische Differenzen mit Freddie-Mercury-Darsteller Rami Malek gegeben, aber das sei nicht der Grund gewesen, sagt Singer. Wie auch immer, die Dreharbeiten wurden von Dexter Fletcher beendet, der Film soll im Herbst ins Kino kommen. Und Singer will wieder ins «X-Men»-Universum zurückkehren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.05.2018, 16:45 Uhr

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