Visite auf den Trottoirs von Kalkutta

Mit «Doctor Jack» setzt der Schweizer Filmemacher Benoit Lange einem Arzt ein Denkmal, der sein Leben den Armen widmet.

Auf ärztlicher Mission in den Strassen von Kalkutta: Dr. Jack Preger.

Auf ärztlicher Mission in den Strassen von Kalkutta: Dr. Jack Preger.

(Bild: zvg)

Welch weite Landschaft! Was für saftige grüne Hügel! Was für eine Ruhe! Als Regisseur Benoit Lange mit Jack Preger alias Dr. Jack aus den lärmenden Slums von Kalkutta zu einem kurzen Besuch nach Wales zurückkehrt, ist es, als würden alle einmal kräftig durchatmen.

Zuvor hat der Schweizer Filmpreisträger Camille Cottagnoud («Hiver no­made») die Kamera noch versiert zwischen engen Hütten, vollen Strassen, Müll, Mauern und Menschenmassen hindurchgeführt. Nun darf sich das Bild ausstrecken, in die Breite dehnen.

Ein Arzt für die Vergessenen

Dieser Kontrast lässt den Kulturschock vermuten, den Preger erlitt, als es ihn 1972 nach seinem Medizinstudium in die über­vollen Flüchtlingslager Bangladeshs verschlug. Fünfzehn Jahre später erging es Benoit Lange ähnlich. Der Bauernsohn aus dem Unterwallis nahm sich nach einer Bäckerlehre eine Auszeit, reiste nach Indien, begegnete Mutter Teresa und wenig später Dr. Jack Preger.

Als Strassenmediziner half dieser in Kalkutta den Ärmsten, den Ausgeschlossenen, den Aidskranken. Zwei Jahre lang arbeitete Lange an der Seite Dr. Jacks. Mitte der 90er dokumentierte er dessen Einsatz für «die Vergessenen von Kalkutta». Zwanzig Jahre später geht Dr. Jack, inzwischen weit über 80, weiterhin mit seiner Arzttasche in die Slums.

Offizieller Trailer von «Doctor Jack». Video: Youtube/Arthouse Kinos

Mit «Doctor Jack», der an den diesjährigen Solothurner Film­tagen den Prix du Public gewann, will Lange ihm nun ein Denkmal setzen. Man hört Wegbegleiter Pregers Bescheidenheit loben. Seine Patienten scheinen ihn zu verehren. Der Mensch hinter dem charismatischen Philanthropen bleibt jedoch schemenhaft.

Man erfährt, dass er aus einer jüdisch-orthodoxen Familie stammt, zum Katholizismus konvertierte. Die Entscheidung, Arzt zu werden, schildert er als Erweckungser­lebnis. Jedoch ganz ohne missionarischen Gestus.

«Dr. Jack, ein guter Mensch»

«Ein Mann. Ein Leben. Ein Ziel» lautet der Untertitel von Langes Film. Die von Dr. Jack Preger ­initiierte NGO Calcutta Rescue betreibt heute vier Kliniken, zwei Schulen, unterstützt zahlreiche Projekte – ein Tropfen auf den heissen Stein.

Kein Mensch habe sich darum geschert, als er damals von Bangladesh vertrieben worden sei, erinnert sich Preger und findet das mit britischem Galgenhumor «sehr ermutigend». Aber etwas bleibt doch. Gegen Ende des Films begegnet der Strassen­doktor einem Mann, den er vor Jahren behandelt hat. Als Preger bereits weitergehen will, wendet sich dieser noch einmal an das Filmteam. «Dr. Jack», sagt er, «das ist ein guter Mensch.»

Vorpremiere: morgen, 11. 10., um 18.30 Uhr im Ciné Movie, Bern, in Anwesenheit des Regisseurs. Filmstart: Donnerstag, 12.10.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt