Trau mir nie, Schatz!

In «Duplicity» planen Clive Owen und Julia Roberts ihre Gaunerzukunft. Und bekommen Probleme mit ihrer Vergangenheit.

Romanze mit Hindernissen: Clive Owen und Julia Roberts als Spionagepärchen.

zvg

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Prost und wohl bekomms! Nach zweistündigem Katz-und-Maus-Spiel auf der Leinwand knallen in der Lobby eines Schweizer Luxushotels die Champagnerkorken. Aber was gibt es zu feiern? Gibts überhaupt was zu feiern?

US-Regisseur Tony Gilroy, ein Hochspannungsspezialist mit Spezialgebiet Undercover-Operationen, hat zuletzt mit den Drehbüchern zur «Bourne»-Trilogie sowie dem siebenfach oscarnominierten Anwaltsthriller «Michael Clayton» geglänzt. In «Duplicity» (Doppelmoral) verlagert er nun sein Augenmerk auf die halbprivate Ebene: Die verliebten Exagenten Claire Stenwick (Julia Roberts) und Ray Koval (Clive Owen) sollen für zwei verfeindete Pharmaunternehmen die Geheimformel für ein bahnbrechendes neues Produkt sicherstellen. Heimlich wollen sie bei der Jagd auf diesen klassischen «MacGuffin» (siehe Box) auch ihre Auftraggeber austricksen.

Betriebsspionage mit doppeltem Boden? Schön und gut. Doch es kommt noch besser: Wenn sich im Vorspann die verfeindeten Pharma-CEOs (Tom Wilkinson, Paul Giamatt) zwischen ihren Privatjets in Zeitlupe prügeln, hebt der schelmische Tonfall ab. Seinen Reiz zieht «Duplicity» indes aus einem andern Konflikt: Liebespaare sollten sich bekanntlich vertrauen. Doch Claire und Ray sind beruflich so sehr aufs Gegenteil geeicht, dass ihrer notorischen Argwöhnerei jede Menge Komik entspringt.

Spionieren nach dem Sex

Schon beim ersten Treffen in Dubai macht Claire ihrem Nachnamen Stenwick (als Anlehnung an die grosse Femme fatale Barbara Stanwyck) alle Ehre. Sie betäubt Ray nach dem Sex, um in Ruhe spionieren zu können. Es folgen Eifersüchteleien noch und nöcher. Das gipfelt zwischenzeitlich darin, dass eine von Ray benutzte «Türöffnerin» (Carrie Preston) der verdutzten Claire gesteht, wie sehr sie seine Verführungskünste genossen habe.

Halbgefroren statt heiss

Schade nur, dass sich die schönen Versatzstücke aus Screwball-Comedy, Romanze und Thriller in «Duplicity» gegenseitig leicht behindern. Zeitsprünge erschweren zudem die Übersicht, und die Liebelei wird halbgefroren statt heiss serviert. Tolle Einzeiler wie «Ich denke an dich, sogar wenn du bei mir bist» bestätigen als Ausnahme die Regel, dass die einzelnen Szenen besser sind als das Gesamtwerk. Trotzdem (und auch wenn «Duplicity» nicht an «Michael Clayton» herankommt): Selten hat ein filmischer Blindflug so viel Spass gemacht. Zum Wohl! (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.04.2009, 10:38 Uhr

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