«Top Gun 2»: Tom Cruise darf kein Sesselfurzer sein

Was plant der Filmstar mit «Top Gun 2», mehr als drei Jahrzehnte nach dem Original? Der Trailer gibt Hinweise.

Angeblich alles echte Flüge: Tom Cruise mit verzerrten Backen im Trailer für «Top Gun Maverick». (Video: Paramount/Youtube)

Seit das Projekt bekannt ist, rast vor allem eine Frage mit Überschallgeschwindigkeit auf uns zu: Wie zum Teufel passt ein neuer «Top Gun»-Film, 33 Jahre nach dem kriegslüsternen Original und ungezählte Wendungen der Weltpolitik später, in die Gegenwart?

Jetzt ist der erste Trailer draussen. Auf der Comic-Con in San Diego wurde er vorgestellt, und die Antwort wird klarer: Tom Cruise und seine Mitstreiter wie der Regisseur Joseph Kosinski vertrauen einfach darauf, dass der Waffenfetischismus noch genauso virulent ist wie eh und je.

Die meisten Bilder zeigen Technik. Jets vom Typ «Superhornisse» (ja, die heissen wirklich so) im Tiefflug über der Wüste, in Formation am Himmel, startend vom Flugzeugträger, der ehrfürchtig mit der Kamera umkreist wird, und in einer Art «Star Wars»-Grabenflug zwischen Schneebergen. Das wirkt genauso abstossend und ja, auch bizarr faszinierend wie damals. Und so wie man einst eine direkte Verbindung zu Ronald Reagan ins Weisse Haus spürte, scheint dies jetzt der Film zu Donald Trumps neuen Militärparaden zu werden.

Warum nur drei Ränge befördert?

Zu den Flugbildern knarzt die Stimme von Ed Harris, der dann auch, sehr verwittert, als hohes Tier der Navy – nein, «Top Gun» spielt, obwohl es ums Fliegen geht, nicht in der Air Force – ins Bild kommt. Fragend versucht er, ein weiteres Rätsel zu lösen. Warum zum Teufel sitzt Tom Cruise alias «Maverick» nach all den Jahren immer noch selbst am Steuerknüppel? Und warum ist er trotz seiner Superleistungen nur drei Ränge befördert wurden, von Leutnant zum Hauptmann?

«Eines der grossen Rätsel des Lebens», sagt Tom Cruise darauf und versucht, wie eine Sphinx zu schauen. Glatt gelogen, denn die Antwort ist klar: Kein Mensch, mit oder ohne Maga-Kappe, würde Eintritt für einen Film bezahlen, in dem Tom Cruise nicht fliegt, in dem er nur noch den Admiral und Sesselfurzer spielt, der er eigentlich längst sein müsste.

Das Gefühl des älteren weissen Mannes

Also sieht man ihn wirklich mehrmals im Cockpit, wo seine Backen ein bisschen von Gravitationskräften verzerrt werden (angeblich alles echte Flugaufnahmen). Am Boden aber holt Cruise dann seine alte Lederjacke aus dem Spind, setzt die alte Ray Ban auf und befreit das Motorrad von seiner Staubhülle. Wie jung er da aussieht, und wie er dann in der Abendsonne mit einem startenden Jet um die Wette fährt – ein exaktes Bildzitat aus der Original –, das hat dann wieder eine andere Botschaft: Nein, es ist nicht supermies gelaufen mit den Beförderungen. Es war anders. Die Zeit ist einfach stehen geblieben.

Ist sie aber nicht, und das weiss der Trailer schon auch. Nicht unbedingt, weil jüngere Stars wie Jon Hamm und Miles Teller kurz zu sehen sind und einmal auch, ultrakurz, hurra: eine Kampfpilotin. Sondern weil die letzte Szene das weltweit grassierende Gefühl des älteren weissen Mannes, dass seine grosse Zeit wohl abgelaufen ist, er die Arena aber nicht kampflos verlassen wird, fast diabolisch aufgreift.

«Das Ende kommt unausweichlich, Maverick», raunt der verwitterte Ed Harris und schaut Tom Cruise in die Augen, «Ihre Art wird aussterben». Und der immer noch erschreckend frische Tom Cruise antwortet: «Mag sein, Sir. Aber nicht heute.» Wenn das mal nicht das Motto von Trumps Wiederwahl-Kampagne wird.

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