So haben Sie Bienen noch nie gehört

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Eine neue Ausstellung der Uni Zürich zeigt: Summen ist nicht gleich Summen.

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Ja, dieser Film habe eine gewaltige Wirkung gehabt, sagt die Imkerin Angelina Birchler. Sie redet vom Dokumentarstreifen «More than Honey» von Markus Imhoof, dem erfolgreichsten Schweizer Film 2012. Das Interesse an den Bienen sei auf unvergleichliche Art gestiegen, viel häufiger werde sie nun von Laien angesprochen. «Alle fragen mich nach diesem Film», sagte auch der Musiker Beat Hofmann. Er hat mit dem Toningenieur Andrew Phillips, mit Birchler und anderen Imkerinnen die ab heute geöffnete Kunstinstallation «Be a Bee» im Zoologischen Museum der Uni Zürich aufgebaut.

Kernstück der Installation ist ein begehbarer Bienenstock, der mit unterschiedlichen Bienen-Sounds beschallt wird: So klingt der Schwarm vor dem Ausflug der Königin, so rascheln Pollenwaben, so tönen die Drohnen. Vor dem Stock bilden Lautsprecher einen engen Gang, in das Gesumm der Bienen mischt sich der wehklagende Gesang einer Frau. Hier soll der Übergang vom Natur- zum Kulturklang vollzogen werden, sagt Hofmann. Sie Besucher sollten in warmen Schwarmklang eintauchen, vielleicht sogar mitsingen – ein wenig selbst zur Biene werden.

Mikrofone an und in den Waben

«Es summt nicht nur, es ist auch warm darin», sagt Hofmann über seinen Bienenstock, dessen akustisches und bauliches Vorbild die Waben eines Bienenvolks sind, das von den Imkerinnen für das Kunstprojekt eigens ausgewählt und gepflegt wurde. Mikrofone an und in den Waben zeichneten die Geräusche auf, Verkehrslärm wurde durch ein aufwendiges Isolationsverfahren ferngehalten.

Der grosse technische Aufwand, mit dem Hofmann und Phillips ihr akustisches Bienenidyll konstruiert haben, kann auch als Ausdruck einer Sehnsucht gedeutet werden: Der Sehnsucht nach der ungetrübten Freude am vorbildhaft emsigen Bienchen, das mit Fleiss, Solidarität und Bescheidenheit reüssiert und sich und den Seinen ein goldiges Heim baut. Doch wer heute an Bienen denkt, dem verdunkelt sich das Gemüt, und der denkt auch ans eigene Schicksal: Das Bienensterben trifft bekanntlich das ganze Ökosystem, und zwar auf fatale Weise.

Selig lächelnde Imkerinnen

Davon ist in Hofmanns Installation nichts zu spüren. Sie will die Hörer allein mit Wohlklang für die Sache der Biene gewinnen. Ob das gelingt, ist allerdings fraglich, denn es braucht ein geschultes Gehör, um im grossen Gesumm die Nuancen der Sounds tatsächlich erkennen und einordnen zu können. Die Imkerinnen lächelten bei der Vorführung denn auch wissend und selig, während sich die Durchschnittshörer etwas ratlos durch die Wabe schoben.

Ein Besuch der Ausstellung lohnt sich dennoch. Dies, weil die Installation durch ein kleines kluges Rahmenprogramm ergänzt wird. Ein gut gefüllter Ausstellungskasten gibt Einblicke in die konkreten Herausforderungen der heutigen Bienenzucht, die Imkerinnen bieten Führungen an, und jeden Mittwoch und Samstag wird im Museumskino «More than Honey» gezeigt – jener Film also, der die abstrakte Problematik des Bienensterbens so vielen vor Augen geführt hat und der wohl zum Erfolg von «Be a Bee» erheblich beitragen wird.

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