Männer finden sie «noch hübsch»

Meinung

Kaum eine Schauspielerin polarisiert so stark wie Keira Knightley. Die meisten Frauen können sie nicht ausstehen. Mit ihrem neuen Film «Anna Karenina» wird sich das noch verstärken.

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Denise Jeitziner@tagesanzeiger

Es gibt Frauen, mit denen haben wir Frauen überhaupt kein Problem. Jennifer Aniston zum Beispiel. Die finden wir hübsch und sympathisch, genau wie Julia Roberts. Nicht einmal die Sexbombe Eva Mendes vermag uns unnötig in Rage zu bringen, trotz ihrer Superkurven. Daneben gibt es jedoch Frauen, auf die andere Frauen sofort allergisch reagieren. Auf Platz 1 dieser Liste steht: Keira Knightley. Das Pendant bei den Männern heisst Leonardo di Caprio oder Robert Pattinson.

«Keira zu hassen ist wie die Menstruation, alle Frauen haben das gemeinsam», bemerkte auch der Journalist Shane Watson in der «London's Sunday Times» (Artikel online nicht verfügbar). Wenn man mit einer anderen Frau freundschaftliche Bande knüpfen wolle, müsse man bloss die Frage «Wie findest du Keira Knightley?» ins Gespräch einstreuen und schon habe man einen gemeinsamen Nenner gefunden, versichert der Kolumnist. In einem Interview mit dem «Guardian» darauf angesprochen, antwortete die Schauspielerin: «Dann tue ich ja etwas Gutes für alle Frauen in diesem Land. Ich finde, das ist eine sehr positive Sache.» In unsereiner Ohren klingt das wie die reinste Provokation. Typisch Keira Knightley.

Das Kinn und der dünne Körper

Warum Frauen Keira Knightley nicht ausstehen können? Da finden wir unzählige Gründe. Allem voran stört ihr hochnäsiger Gesichtsausdruck. Trotzende Kinder sehen ähnlich aus. Sie schieben ihren Unterkiefer nach vorne, kräuseln ihre Lippen und stampfen mit dem Bein. Das tut auch Keira Knightley, einfach ohne das mit dem Bein. Sie schmollt. Das ist unsympathisch. Und Frauen mögen keine unsympathischen Frauen. Siehe Victoria Beckham. Sogar als David Beckham sie vor Jahren mit einer anderen betrog, war am Ende nicht er der Sündenbock, sondern sie. Selber schuld, wenn sie immer so eine Schnute zieht, die arrogante, dünne Ziege.

Auch Keira Knightley ist den Frauen zu dünn. Ihre Schlüsselbeine sind spitz, die Wangen sind eingefallen, die Ärmchen zerbrechlich. Aber wehe, wenn Journalisten die Schauspielerin magersüchtig nennen. Dann schaltet sie sofort ihre Anwälte ein. Wenn das kein Beweis ist, denken Frauen. Zudem ist Keira Knightley viel zu ehrgeizig. Als Dreijährige soll sie ihren eigenen Schauspielagenten gewollt haben, mit sechs bekam sie einen. Als 17-Jährige schaffte sie dank ihrer Nebenrolle in «Bend it like Beckham» den Durchbruch. Warum ausgerechnet sie und nicht die indischstämmige Hauptdarstellerin Parminder Nagra? Sie hätte es doch mehr verdient.

Schauspielern kann sie ebenfalls nicht, viel zu hölzern, schlüpft immer in dieselbe Rolle mit den zwei Gesichtern: schmollend mit geschlossenem Mund und schmollend mit leicht geöffneten Mund. Und warum immer diese Kostümfilme, bei denen sie sich in ein Korsett schnürt und eine Frau aus einer anderen Zeit spielt, mit der wir uns sowieso nicht identifizieren können? In «Stolz und Vorurteil» spielte sie eine widerspenstige Tochter, in «Abbitte» hat sie einfach so Sex in einer Bibliothek, in «Love Actually» küsst sie mitten auf der Strasse den besten Freund ihres frisch angetrauten Ehemannes und macht ihm unnötig Hoffnungen, in «Last Night» geht sie fremd.

Männer finden sie «noch hübsch»

Uns Frauen würden noch viel mehr plausible Gründe einfallen, weshalb Keira Knightley nervt. Nein, mit Eifersucht hat das nichts zu tun, immerhin ist die 27-Jährige nicht einmal hübsch! Ganz im Gegensatz zu einer Julia Roberts oder einer Jennifer Aniston. Das können wir neidlos einsehen. Auch mit ihrem neuen Film, «Anna Karenina» wird die Britin es wieder schaffen, den Zorn der Zuschauerinnen auf sich zu ziehen. Denn schon wieder ist Keira Knightley in ein Kostüm geschlüpft, schon wieder spricht sie in diesem hochnäsigen Akzent. Dass sie die zwiespältige Anna Karenina spielt, macht sie keineswegs sympathischer. Sie betrügt ihren Ehemann mit einem anderen, sie gibt sich ungezügelt ihrer Leidenschaft hin, zeigt einmal mehr ihre entblössten Brüste, und dann zieht sie auch noch ständig ihre Schnute.

Dem kanadischen Magazin «Flare» hat Keira Knightley es selber gesagt: Auch sie sei heuchlerisch und manipulativ, genau wie Karenina. «Die geht ja gar nicht!», werden wir Frauen also nach dem Film wettern, aber die Männer werden sagen: «Also ich finde sie noch hübsch.» Vielleicht ist genau das das Problem, denn das können wir überhaupt nicht nachvollziehen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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