«Ich analysiere mich selbst nicht»

Die Tessinerin Carla Juri ist einer der Shooting Stars an der Berlinale und darf dank «Feuchtgebiete» auf den grossen Durchbruch hoffen. Warum sie die polarisierende Rolle angenommen hat, sagt sie im Interview.

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Denise Jeitziner@tagesanzeiger

Carla Juri, was bedeutet Ihnen die Nomination zum Shooting Star an der Berlinale? Ist das für Sie wie eine Filmauszeichnung, ein Sprungbrett mit mehr oder weniger garantierten Rollen oder eine Kontaktbörse? Ich fühle mich sehr geehrt. Es ist eine Auszeichnung und ich bin stolz, die Schweiz in diesem Kreis vertreten zu dürfen. Ich erhoffe mir, mich mit den anderen Shooting Stars austauschen zu können.

Die Jury beschreibt Sie so: «Sie hat ausserordentliches Talent dafür, Menschen mit Geheimnissen zu porträtieren.» Woher kommt das? Sind Sie privat auch so oder das Gegenteil davon? Ich weiss es ehrlich gesagt nicht. Ich analysiere mich selbst nicht. Die Figuren, die ich gespielt habe, sind alle sehr unterschiedlich. Jede Figur sollte wie jeder Mensch seine Geheimnisse haben.

In welcher Rolle sehen Sie sich am liebsten? Ich suche mir Rollen, die mich herausfordern, wobei ich bei der Rollenwahl intuitiv entscheide.

Warum sind Sie Schauspielerin geworden? Statt mich bewusst für die Schauspielerei zu entscheiden, habe ich eher mit verschiedenen Kunstformen experimentiert und habe bemerkt, dass Film und Schauspiel jene Kommunikationsform ist, die viele Kunstformen verbindet, die mich interessieren.

Das nächste grosse Projekt mit grosser Aufmerksamkeit wird «Feuchtgebiete». Haben Sie gezögert, die Rolle anzunehmen? Es geht ja explizit und provokant um Sexualität und Ekel. Literatur und Film sind zwei verschiedene Künste, Buch und Drehbuch sind ganz unterschiedlich. Die Figur Helen polarisiert sicherlich, doch wir waren bei diesem Film auf der Suche nach dem Menschen Helen. Die Themen und Geschichten, die zwischen den Zeilen ablaufen, sind stark. Das hat Helen für mich zur interessanten Figur gemacht.

Wie konnten Sie, eine Schweizerin, sich gegen deutsche Schauspielerinnen durchsetzen? Ich wurde im Sommer 2012 zu einem Vorsprechen eingeladen. Wieso ich dann die Rolle bekommen habe, kann Ihnen der Produzent Peter Rommel beziehungsweise der Regisseur David Wnendt besser beantworten.

Sehen Sie Ihre Zukunft in Deutschland, der Schweiz, Italien oder in den USA? Durch meine Mehrsprachigkeit habe ich das Glück, in verschiedenen Ländern zu arbeiten. Das würde ich weiterhin gerne tun.

Welche Rolle wäre ein Traum? Es ist schwierig, eine Traumrolle zu definieren. Wir sind als Menschen so vielfältig. Wir sind nicht nur eine Rolle, wir sind viele davon.

Was glauben Sie, welche Rolle war/wird Ihr grosser Durchbruch? Die Zukunft wird das zeigen.

Dieses Interview wurde schriftlich geführt.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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