Filmtage setzen auf Thema Migration

Die Schweiz und die Flüchtlinge: Das grosse Thema der 49. Solothurner Filmtage dürfte im Vorfeld der SVP-Masseneinwanderungsinitiative für heisse Debatten sorgen.

Eröffnet die Filmtage: Szene aus dem Film «Akte Grüninger» mit Paul Grüninger (Stefan Kurt, links) und Sidney Dreifuss (Anatole Taubman).

Eröffnet die Filmtage: Szene aus dem Film «Akte Grüninger» mit Paul Grüninger (Stefan Kurt, links) und Sidney Dreifuss (Anatole Taubman).

(Bild: zvg/Daniel Ammann)

Hans Jürg Zinsli@zasbros

«Wie viele sinds denn jetzt?» – «Zu viele. Noch nicht genug.» Der kurze Dialog bringt das Dilemma des St.Galler Polizeihauptmanns Paul Grüninger (1891–1972) auf den Punkt. Grüninger schleuste Ende der Dreissigerjahre jüdische Flüchtlinge ins Land, nachdem die offizielle Schweiz ihre Grenzen bereits dicht gemacht hatte. Der Fall flog auf, Grüninger wurde suspendiert, verurteilt – und erst nach seinem Tod rehabilitiert.

Als Eröffnungsfilm der 49.Solothurner Filmtage ist «Akte Grüninger» eine perfekte Wahl. Nicht nur, weil das als Fernsehproduktion realisierte Werk von Alain Gsponer ein bewegendes Stück Schweizer Kino über ein unrühmliches Stück Schweizer Geschichte ist. Sondern auch, weil «Akte Grüninger» im Vorfeld der SVP-Masseneinwanderungsinitiative (Abstimmung am 9.Februar 2014) für Diskussionen sorgen dürfte.

Flüchtlinge im Fegefeuer

«Migration ist das prägende Thema dieser Filmtage», bestätigt Programmdirektorin Seraina Rohrer. Ein gutes Dutzend Spiel- und Dokumentarfilme beschäftigt sich mit Flüchtlingsschicksalen, stellt Fragen nach Identität und Integration, rollt historische Fälle auf oder beleuchtet die Aktualität wie etwa «L'escale». Dieser Dokumentarfilm von Kaveh Bakhtiari, der es bis ins Finale des Europäischen Filmpreises 2013 schaffte, führt mitten ins Fegefeuer von iranischen Flüchtlingen, die ohne Pässe und mit wenig Hoffnung bei einem Landsmann in Athen festsitzen und weder vorwärts noch rückwärts können.

Mit solchen Filmen unterstreicht Rohrer ihr Credo, das sie bei ihrem ersten Festival 2012 formulierte: «Solothurn soll ein Ort heisser Debatten sein.» Hitzige Diskussionen gabs zwar in Solothurn auch unter Rohrers Vorgänger Ivo Kummer, der heute Filmchef im Bundesamt für Kultur (BAK) ist. Doch entzündete sich die Streitlust in jenen Jahren hauptsächlich an der von Kummer kritisierten BAK-Filmpolitik, während einige der zusammengekratzten Premieren sang- und klanglos untergingen oder gar keine Kinoauswertung erfuhren.

Potenzielle Publikumslieblinge?

Weshalb sieht das unter Rohrers Führung anders aus? «Es ist sicher eine Portion Glück dabei», sagt die Direktorin. Aber nicht nur: «Ich sage es ganz offen, wenn mir ein Film am Herzen liegt, und für solche Werke kämpfe ich dann auch. Bei ‹Akte Grüninger› gefiel mir bereits das Drehbuch, deshalb habe ich mich früh um diesen Film bemüht.»

Potenzielle Publikumslieblinge wie «Der Goalie bin ig», die Verfilmung des gleichnamigen Mundartromans von Pedro Lenz, schliesst Rohrer nicht aus. Im Gegenteil: «Ich will Geschichten zeigen, die mit der Schweiz zu tun haben, die regional verankert sind und die ein Potenzial für die breite Masse besitzen.» Damit dürfte sich bereits jetzt der nächste Zuschauerrekord an den Solothurner Filmtagen abzeichnen.

Solothurner Filmtage: 23. bis 30.1. 2014. www.solothurnerfilmtage.ch. Vorverkauf ab sofort auf starticket.ch, Post, SBB und Manor.

Berner Zeitung

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