Eine Frau kämpft sich zurück ins Leben

Am Sonntagabend zeigt SRF den Schweizer Film «Weglaufen geht nicht». Trotz einiger vermeidbarer Klischees berührt das Werk über eine querschnittgelähmte Frau, die nicht aufgibt. 

Die Schauspielerin Annina Eugling die schafft es, dass man ihr als Elodie sowohl den Schmerz und die Angst abnimmt als gleichzeitig aber auch von ihrem Lebenshunger und Optimismus angesteckt wird.

Die Schauspielerin Annina Eugling die schafft es, dass man ihr als Elodie sowohl den Schmerz und die Angst abnimmt als gleichzeitig aber auch von ihrem Lebenshunger und Optimismus angesteckt wird.

(Bild: srfAnnina)

Um es geradeheraus zu sagen: Das ist alles ein bisschen seicht. Und die Geschichte ist jetzt auch nicht eine, die noch nie gezeigt worden wäre, gerade an Sonntagabenden in einem Fernsehfilm. Und doch. 

Ein Autounfall fesselt die aufgeweckte, lebenshungrige 21-jährige Elodie (Annina Euling) an den Rollstuhl. Neuen Lebensmut findet sie sehr bald im Rollstuhlsport. Unterstützt wird sie bei ihren Ambitionen von der etwas gehässigen, launischen und dem Alkohol nicht ganz abgeneigten Trainerin Isabelle (Susanne-Marie Wrage).

Der vom Schweizer Fernsehen SRF produzierte Film unter der Regie von Markus Welter wurde mit der Unterstützung des Paraplegiker-Zentrums in Nottwil realisiert. Im Film sind denn auch einige renommierte Rollstuhlsportler wie Marcel Hug zu sehen. Mit Schauspieler Kay Kysela («Wilder») gehört sogar ein Berner mit zum Ensemble.

Zu viele Klischees

Etwas flach wird der Film dann, wenn er zeigen will, wie die Angehörigen versuchen, mit dem Schicksalsschlag umzugehen. Elodies Mutter, gespielt von Sarah Spale («Wilder»), und ihr Vater (Martin Rapold, «Plötzlich Deutsch») sind überfordert. Die Szenen innerhalb dieser gutbürgerlichen und ebenso gutbetuchten Familie irgendwo im Züribiet kommen schrecklich oft wie ein Werbespot eines Grossverteilers daher. Die Dialoge wirken aufgesetzt, wie so oft bei Mundartfilmen. Auch die sich entwickelnde Liebesbeziehung von Elodie zum kapitalismusfeindlichen jungen Secondhandwaren-Bastler Alek (Kay Kysela) lässt nicht allzu viele Klischees aus.

Klar ist: Eine tragische Geschichte kann nicht ohne Humor auskommen. Die feine Komik in «Weglaufen geht nicht» vermag oft zu amüsieren, ab und an mal treibt sie einem aber auch ein bisschen die Fremdschamesröte ins Gesicht.

Angenehme Zurückhaltung

Alles richtig macht der Film am anderen Ende des Spektrums: der Tragik. Es gibt keine oder kaum Tränendrüsendrückerei. Die Geschichte lässt keinen Platz für Sentimentalitäten, sondern lebt vom ungeheuren Kampfgeist der Protagonistin. Dass dies so zum Ausdruck kommt, liegt vor allem an der schauspielerischen Leistung der Solothurnerin Annina Euling, die aus «Der Läufer» bekannt ist. Sie schafft es, dass man ihr sowohl den Schmerz und die Angst abnimmt als gleichzeitig aber auch von ihrem Lebenshunger und Optimismus angesteckt wird.

Die Geschichte lebt vom ungeheurenKampfgeist derProtagonistin.

Diese zupackende und loslegende Art passt auch ihrer Trainerin Isabelle gut, die, anfangs etwas gar unsensibel, klarmacht, dass sie nicht viel hält von aufgesetztem Mitleid. Unerbittlich ist sie, wohl aus eigenen Erfahrungen im Leistungssport. Aber auch, und das zeigt der Film deutlich, Opfer sein ist keine Option. Hilfe wird dann und wann zwar noch geboten. Aber ein Rollstuhl löst in der Gesellschaft kaum Anteilnahme, kaum Mitgefühl aus.

Insgesamt unterhaltend

Leider folgt dann wieder etwas beiläufig ein bisschen Elternkonflikt, Entfremdung, Gesellschaftskritik, eine ungesunde, unsympathische Verbissenheit und ein zwar überraschendes, aber auch nicht gerade atemberaubendes Finale.

Für einen Sonntagabend, den vielleicht noch einzigen Moment, wo vor dem Fernsehgerät diese nostalgische Familien-Lagerfeuer-Stimmung aufkommt, kann dieser Film durchaus unterhaltsame 90 Minuten bieten. In einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag» hat Annina Euling vor kurzem gesagt, dass die Mitwirkung bei diesem Thema für sie ein Herzensanliegen gewesen sei.

So ist dieser Film. Ein bisschen seicht, ja. Aber er macht auch Mut. 

«Weglaufen geht nicht»: Sonntag, 11. November, 20.05, SRF 1

Berner Zeitung

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