«Die Brasilianer sind nicht generell gegen die WM»

TeleBielingue-Moderator und Ex-Mister-Bern Sandro Sabatini (34) hat Menschen in Brasilien Porträts von Fifa-Boss Sepp Blatter vorgelegt. Entstanden ist der Kurzfilm «Joseph Blatter: Heil oder Unheil für Brasilien?».

Heute feiert das gelungene Werk online Premiere.Freuen Sie sich auf die Fussball-WM, Herr Sabatini?
Sandro Sabatini: Ich bin ein Fussballkind, ein FC-Goldstern-Junge aus Bremgarten. Ich freue mich extrem. Brasilien - Argentinien wäre mein Traumfinal. Mit Brasilien als Sieger...

In Brasilien ist die Vorfreude bei den Leuten weniger gross. Die meisten, denen Sie in Ihrem Film ein Bild von Sepp Blatter vorlegen, nennen ihn «Dieb» oder «Gauner».
Es ist nicht so, dass die Menschen in Brasilien generell gegen die WM sind. Sie nutzen den Anlass, um die Welt auf ihre Probleme aufmerksam zu machen. Sie verstehen nicht, wie man Milliarden für einen vierwöchigen Event ausgeben kann, wenn es im Land kein funktionierendes Bildungs- und Gesundheitswesen gibt und die Infrastruktur vielerorts zerfällt.

Glaubt niemand daran, dass die Menschen in Brasilien von der WM auch profitieren können?
Doch. Viele Einheimische hoffen, dass die WM den Tourismus nachhaltig ankurbeln wird. Man muss eins sehen: 2012 machten etwa 5 Millionen Menschen in Brasilien Ferien, nach Thailand zum Beispiel kamen rund 22 Millionen. Brasilien ist riesig und unglaublich faszinierend – und der Tourismus steckt in den Kinderschuhen.

Touristen liegen in Brasilien in der Regel am Strand. Sie sind drei Monate lang für einen Dokumentarfilm rumgereist. Weshalb?
Ich wollte nicht nur mit schönen Erinnerungen, sondern mit etwas Verwertbarem nach Hause kommen. Und ich merkte schnell, dass mein roter Faden – Bilder von Sepp Blatter, die ich allen möglichen Menschen vorlegte – eine Story ergeben, die für Aufmerksamkeit sorgt. Primär aber ist der Film aus Liebe entstanden. Aus Liebe zum Reisen, zu fremden Kulturen, zum Fussball.

Sie haben Dutzende von Menschen befragt. Wer hat Sie am meisten beeindruckt?
Der Poet Ricardo «Kcal» Gomes aus Recife. Er ist in den Favelas aufgewachsen und hat dort 15 Freunde verloren, alle durch Morde oder Drogen. 1997 hat er die erste Favela-Bücherei Brasiliens eröffnet. Als er das Bild von Sepp Blatter betrachtete, setzte er innert Sekunden zu einer klaren Analyse an. Die WM, sagte er, sei ein rein finanzielles Abkommen zwischen der Fifa und der brasilianischen Regierung.

Und wie kam es zum Treffen mit FC-Bayern-Star Dante am Strand von Salvador?
Das war reiner Zufall. Wir waren zur selben Zeit am selben Ort. Ich wollte ihn natürlich unbedingt für den Film befragen. Der FC Bayern aber will vorgängig jedes Interview mit seinen Spielern absegnen. Mit Dante sprechen konnte ich trotzdem. Er kennt die Probleme der Bevölkerung genau. Und er weiss, was er und seine Jungs in Brasilien auslösen könnten, wenn sie den Pokal holen würden.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt