Aufgefallen: Arthur Cohn

Der Basler Filmproduzent Arthur Cohn hat mehr Oscars gewonnen als jeder andere Schweizer Oscarpreisträger. Heute wird er 90. Jahre alt - und führt bald seinen nächsten Spielfilm vor.

Arthur Cohn mit seinen sechs Oscars. Seinen bislang letzten bekam er 1999.

Arthur Cohn mit seinen sechs Oscars. Seinen bislang letzten bekam er 1999. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Er hat sechs Oscars gewonnen, also fünf mehr als jeder andere Schweizer Oscarpreisträger. Zu seinem 90. Geburtstag, den Arthur Cohn heute feiert (vermutlich heimlich, denn der Basler Filmproduzent spricht nicht über sein Alter), ist es Zeit, um...

...vorwärtszuschauen. Jawohl, der Maestro hat einen neuen Spielfilm namens «The Etruscan Smile» am Start, dessen Vorpremiere wie immer in seiner Heimatstadt Basel stattfindet (9. Fe­bruar). Wann und wo der Rest der Welt den Film zu sehen bekommt, steht noch nicht fest. Der Titel indes verspricht einiges: In der Romanadaption von José Luis Sampedro gehts um einen todkranken Miesepeter, der vom Lächeln eines toten Paares auf einem Sarkophag irritiert ist.

Lächeln angesichts des Todes ? Passt das zu Cohn? Höchstens insofern, als der Sohn eines Anwalts und einer Autorin ein Machertyp und Idealist ist, der für seine ambitionierten Projekte wie ein Löwe kämpft. Ein Idealist war Cohn schon, als er einst seinen Job als Sportmoderator beim Schweizer Radio aufgab, um zum Film zu wechseln. Mit Erfolg: Der französische Dokumentarfilm «Nur Himmel und Dreck» (1962) bescherte ihm auf Anhieb seinen ersten Oscar.

In der Folge arbeitete er oft mit seinem Mentor, dem italienischen Regisseur Vittorio De Sica zusammen («Il Giardino dei Finzi Contini», 1972, zweiter Oscar für Cohn), und das war ein Versprechen fürs Leben. Denn Cohn macht kein Popcornkino, es gibt bei ihm weder Sex noch Gewalt. Cohn macht Independent-Filme, wichtige Filme, Filme, die bleiben. Dieses Mantra hat Cohn an Oscarverleihungen oft wiederholt. Um als unabhängiger Produzent zu überleben, hat er deshalb über die Jahre ein immenses Kontaktnetz aufgebaut und sich selbst immer wieder in den Mittelpunkt gestellt. Erstens, um Herzensprojekte durchzubringen. Und zweitens, um Talente zu fördern. Cohn war es, der den ersten Spielfilm von Jean-Jacques Annaud aus der fi­nanziellen Bredouille rettete («Sehnsucht nach Afrika», 1977, dritter Oscar). Und Cohn war es, der für «The Yellow Handkerchief» (2008) die heutigen Topstars Eddie Redmayne und Kristen Stewart verpflichtete.

Die grösste Überraschung gelang dem Basler Produzenten indes, als er 1999 seinen bislang letzten Oscar für «One Day in September» gewann. (Das Bild oben entstand kurz danach.) Der Dokfilm über das Olympiamassaker von 1972 war kaum angelaufen, schlug aber den Favoriten und Kassenschlager «Buena Vista Social Club» von Wim Wenders. Cohn sagte: «Ich bin dankbar, dass die Academy über die Qualität eines Films entscheidet. Nicht darüber, wie erfolgreich einer ist.» Besser kann man Anspruch und Promotion in eigener Sache nicht zusammenbringen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.02.2017, 18:15 Uhr

Artikel zum Thema

Oscar-Nominationen: «Courgette» jubelt mit «TGV»

Ein historischer Moment für die Schweiz: Der Animationsfilm «Ma vie de Courgette» und der Kurzfilm «La femme et le TGV» holen je eine Oscarnomination. Hoher Favorit für die Verleihung ist das Musical «La La Land». Mehr...

Ein Oscar zwischen zwei Welten

Am Abend nach seinem zweiten Olympiasieg im Zeitfahren wird Fabian Cancellara im House of Switzerland gefeiert. Bundesrat Guy Parmelin bezeichnet den Berner als «Vorbild für alle Schweizer», der 35-Jährige lobt am Ufer der Lagoa Rodrigo de Freitas sein Team, spricht über Fechter und Fast Food, Glitzer und Favelas. Mehr...

Der Kälte und dem Druck standhalten

Alison Cerutti und Bruno Oscar Schmidt sind die Hoffnungsträger Brasiliens. An der Olympiade in Rio wird von den Weltmeistern Gold erwartet. In Gstaad ist das Duo auf Kurs, in der Heimat liegt einiges im Argen. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Blogs

Serienjunkie Introvertierter Bär

Casino historisch Die schwankende Brücke

Service

Auf die Lesezeichenleiste

Hier lesen Sie unsere Blogs.

Die Welt in Bildern

Hauslieferung: Der Weihnachtsbaum wird direkt zur First Lady Melania Trump und ihrem Sohn Barron Trump ins Weisse Haus geliefert. (20.November 2017)
(Bild: Carlos Barria) Mehr...