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«Altstadtlüt» ist Berner Kinoerfolg

BernObwohl nur vier Vorführungen geplant waren, läuft der Film «Altstadtlüt» bereits seit einem Jahr im Kellerkino in Bern.

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Die Erzählerinnen und Erzähler sind alle über 80 Jahre alt. Und alle wohnen in der Altstadt von Bern. Sie erzählen – vor laufender Kamera – auf natürliche Weise und im urchigen Berndeutsch Anekdoten aus ihrem Leben. «Wir haben die Menschen auf der Strasse angesprochen und sie gefragt, ob sie bereit wären für dieses Filmexperiment», erzählt Alberto Veronese. Der Filmemacher führte Regie bei dem Dokumentarfilm «Altstadtlüt».

Gezeigt wird dieser einmal pro Woche im Kellerkino in Bern – und das bereits seit 52 Wochen. An diesem Sonntag feiert der Film sein einjähriges Kinojubiläum. «Das ist sehr selten. Kommt ein Film gut an, läuft er maximal zehn bis zwölf Wochen», sagt Simon Schwendimann, Betreiber des Kellerkinos. Knapp 1'200 Besucher haben den Film nun schon gesehen. Und die Vorstellung geht weiter: «Ich möchte ‹Altstadtlüt› mindestens noch durch den Winter hindurch laufen lassen», sagt Schwendimann.

Vier Vorführungen geplant

«Wir haben nicht mit diesem Erfolg gerechnet», sagt Regisseur Veronese. Der Film stiess auf grosses Interesse und so dauern die anfangs vier geplanten Vorführungen im Kellerkino bis heute an. Beim Projekt unterstützten ihn Antonio Caporali und Indra Spuler. Das dreiköpfige Filmteam teilte sich die Arbeit auf: Veronese hielt als Regisseur die Fäden zusammen und war auch der Kameramann. Caporali unterstützte ihn dabei und fungierte als sein Assistent. Spuler übernahm als Redaktorin die Aufgabe, den Film «in Worte zu fassen», wie es Veronese ausdrückt. Sie ist es auch, die mittlerweile eine Zeitung mit dem Namen «Altstadtlüt» herausgibt.

Das Projekt war ein Experiment. «Unsere Methoden sind sehr unkonventionell. Es war nicht klar, wie lange das die Zuschauer aushalten werden», sagt Veronese. Offensichtlich aber gefällt dem Publikum, was sie sehen. Im Film fokussiert die Kamera auf die Gesichter der Erzählerinnen und Erzähler. Durch deren Rückblicke in die Vergangenheit werden viele Menschen an ihr eigenes Leben erinnert. «Unser Film soll Brücken bauen zwischen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft», erklärt Indra Spuler.

Der Film bewegt und regt die Menschen zum Nachdenken an. Durch das natürliche Erzählen aus dem Alltag der Menschen entstehe ein Zugehörigkeitsgefühl. Einige Besucher hätten nach dem Film das Bedürfnis, mit ihrer Grossmutter zu sprechen, erzählt Antonio Caporali. «Genau das ist es, was wir möchten: Dass die Menschen nach dem Abspann des Films wieder mehr miteinander sprechen.»

Beim Filmpreis abgeblitzt

Die drei Freunde bewarben sich um den Berner Filmpreis. Mit der Begründung, der Film erfülle gewisse Richtlinien nicht, wurden sie aber abgewiesen. Die unkonventionelle Machart und das ungewöhnliche Resultat lassen sich in keine Schublade stecken und entsprechen nicht den Normen anderer Filme.

Da der Film nicht von Vermarktungsfirmen bei der Verbreitung unterstützt wird, hat er es schwer, in andere Kinos zu kommen. «Wir planen Untertitel in verschiedenen Sprachen, um den Film auch in anderen Landesteilen zugänglich zu machen», sagt Spuler. Ende Jahr soll ein Bildband erscheinen, zu dem auch eine DVD mit dem Film gehört. Alberto Veronese hat bereits wieder Ideen für neue Projekte. Er will aber noch nicht sagen, um was es geht. «Es wird aber etwas ganz anderes als der jetzige Film», verrät Veronese.

«‹Altstadtlüt› ist ein Film, den ich nicht in wenigen Sätzen beschreiben kann. Jeder fasst den Film anders auf», sagt Veronese. Die nächste Gelegenheit dazu ist am Sonntag, um 10.30 im Kellerkino. Das Jubiläum werde nach der Vorführung mit Kaffee und Kuchen gefeiert.

Video: Trailer "Altstadtlüt"

Altstadtlüt (Bern 2013) from Alberto Veronese on Vimeo.

Quelle: vimeo.com/albertoveronese (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.11.2014, 15:51 Uhr

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