Altmodisch, darum gut

Der Tatort vom vergangenen Sonntag war ein klassischer Krimi. Jürg Mosimann, dem Ex-Mediensprecher der Kantonspolizei Bern hat er genau darum gefallen.

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Das war wieder einmal ein Krimi ganz nach meinem Gusto. Kein filmischer Abklatsch von Terroranschlägen und kein aktueller Bezug auf Flüchtlingsdramen. Niemand zweifelte an seinem Job. Es gab auch keine unüberhörbare Sozialkritik. So gesehen war die gestrige Folge «Söhne und Väter» fast ein bisschen ein altmodischer «Tatort». Aber ich wage zu behaupten, dass er gerade deswegen so herrlich unterhaltsam war.

Die Geschichte ­pendelte abwechslungsreich zwischen realitätsnah und unkonventionell, zwischen menschlicher Tragik und amüsanten Begebenheiten hin und her. Dank Drehbuchautor Michael Ver­shinin und Regisseur Zoltan Spirandelli durfte der talentierte Schauspieler Devid Striesow in der Rolle des Vespa fahrenden Hauptkommissars Jens Stellbrink so auftreten und handeln, wie es Krimifans von einem Ermittler erwarten: menschlich und kompetent.

Diese Eigenschaften spielte er aus, als er den Mord an einem verhassten Lehrer und prominenten Radsportler aufklären musste. In nicht weniger als drei Familien lieferte eine verkorkste Vater-Sohn-Beziehung ein Tatmotiv. Für den quirligen Kommissar, der gerne auf sein Bauchgefühl hört, wahrlich keine leichte Aufgabe. Aber selbst die vielen falschen Fährten brachten ihn nicht aus dem Konzept. Einem Verdächtigen, der ein falsches Geständnis ablegte, machte er kurz und bündig klar: «Ich bin für die Wahrheit zuständig, nicht für die Gerechtigkeit.»

Stellbrink wäre aber nicht Stellbrink, wenn er nicht auch einige seiner seltsamen, aber wirkungsvollen Ermittlungsmethoden ausgepackt hätte. So beispielsweise, als ihm eine verdächtige Person die Haustür nicht öffnen wollte. Da schrie er vor dem Haus seine Fragen durch die Gegend – für die Nachbarn natürlich zur freien Interpretation. Das wirkte.

Typen à la Kommissar Stellbrink gibt es auch im realen Polizei­alltag. Fantasievolle Typen, welche nebst ihrer Kombinations­gabe auch über die nötige Portion Menschlichkeit und Schlitzohrigkeit verfügen. Eigenschaften, aus welchen erfolgreiche Fahnder geschnitzt sind.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 30.01.2017, 09:28 Uhr

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