Kammermusik hautnah

Ab Mittwoch klingt es am Thunersee wieder an allen Ecken: Unter dem Thema «Sehnsucht» findet die elfte Ausgabe des Gaia-Musikfestivals Oberhofen statt. Leiterin Gwendolyn Masin sucht damit Nähe zum Publikum.

Gibt Frauen eine Plattform: Leiterin Gwendolyn Masin.

Gibt Frauen eine Plattform: Leiterin Gwendolyn Masin.

(Bild: PD)

Schwellen abbauen, das kann sie gut, die holländische Geigerin Gwendolyn Masin. Das beweist sie auch am vergangenen Freitag mitten in der Stadt Bern: Es ist 19 Uhr, und die viel frequentierte Adrianos Café-Bar wird kurzerhand zum Kammermusiksaal umfunktioniert. Nicht mehr als zwölf Sitzplätze sind dicht gedrängt entlang der Bar aufgereiht, dahinter bleibt nur wenig Raum zum Stehen.

Wer drinnen keinen Platz gefunden hat – oder spontan vorbeigeht –, wird mit kabellosen Kopfhörern ausgestattet, um das Konzert im Live­stream mitzuverfolgen. Mit dem Rücken zu den grossen Glasfenstern geben vier Musikerinnen und Musiker des Gaia-Ensembles 2019 ein kurzes Stelldichein mit Werken von Bartók und Schubert.

Für Spontane

Gwendolyn Masin fasst dieses spontane «Preview Concert», das sie ihrem langjährigen Sponsor Adrianos im Vorfeld des Gaia-Musikfestivals geschenkt hat, treffend zusammen: «Für Musikerinnen und Musiker mit Berührungsängsten ist das nichts.» Ebendies sei die Quintessenz des Gaia, wo sich Musizierende während zehn Tagen am Thunersee zum Proben und anschliessenden Konzertieren treffen. «Wir wollen Menschen zueinanderbringen. Erfreulicherweise ist die Idee beim Publikum mittlerweile angekommen. Unsere Konzerte werden besucht von Jung und Alt, von affinen ebenso wie von klassikfernen Menschen.»

Für die elfte Ausgabe des Festivals wählte die künstlerische Leiterin Masin das Thema «Sehnsucht». In der Epoche der Romantik war die Sehnsucht eine treibende Schöpfungskraft. Eigentlich habe sie aber insbesondere den Wunsch gehegt, den Frauen in der klassischen Musik eine Plattform zu geben, sagt Masin.

Clara Schumann

Die Idee der Sehnsucht sei ihr schliesslich im Zusammenhang mit Clara Schumann gekommen, einer der wenigen Frauen, die sich bereits im 19. Jahrhundert einen Namen als Musikerin machten. Masin führt aus: «Und dann hatte Clara noch diese Dreiecksgeschichte mit ihrem Mann und Johannes Brahms. Ich dachte mir: Eigentlich ist das wahnsinnig heisser Stoff!» Ein romantisches Liebesdrama also, in dessen Zentrum eine starke Frau steht.

Werke von Mozart, Strawinsky und Brahms sind im Konzertprogramm ebenso vertreten wie solche von Clara Schumann, Ethel Smyth und nicht zuletzt der zeitgenössischen Komponistin Dobrinka Tabakova. Masin betont, dass ihr wichtig war, ein möglichst vielfältiges Programm zusammenzustellen.

Unter dem Deckmantel der «Sehnsucht» geht es Masin im Programm also auch noch um etwas anderes: um die Frauen. Umso schöner, wie sie dies mit dramaturgischer Feinfühligkeit im Festivalprogramm mit einem Bogen von ungestillten Sehnsüchten bis hin zur Erfüllung umspannt.

11.Gaia-Musikfestival: Mittwoch ab 18.30 Uhr. Opening-Night im Klösterli, Schloss und Haus der Musik, Oberhofen. Weitere Klassikkonzerte bis Sonntag, 5.5., an diversen Orten. www.gaia-festival.com

Berner Zeitung

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