Wegzappen? Unmöglich!

Familienalarm im Berliner «Tatort»: Der Sohn von Kommissarin Nina Rubin wird angeschossen.

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Hans Jürg Zinsli@zasbros

«Du sollst nicht langweilen», so lautete das oberste Gebot des grossen Billy Wilder. Oder etwas präziser: «Man muss den Zuschauer gleich zu Beginn an der Gurgel packen.» Beides beherzigt die Berliner «Tatort»-Folge so, dass nach fünf Minuten kein Wegzappen mehr ist.

In «Der gute Weg» rücken drei Streifenpolizisten wegen Ruhestörung aus, aber dann wird die junge Sandra (Anna Herrmann) erschossen. Senior Harald Stracke (Peter Trabner), der den Befehl zur Wohnungsdurchsuchung gab, kommt mit einer Beinwunde davon. Tolja Rubin (Jonas Hämmerle), Praktikant und Sohn von Kommissarin Nina Rubin (Meret Becker), steht unter Schock.

Ein Fall für grosse Mutter-Sohn-Momente? Ja und nein. Die routinierten Krimihasen Christoph Darnstädt (Drehbuch) und Christian von Castelberg (Regie) lassen den Sohn erstmal gegenüber Rubins Kollege Karow (Mark Waschke) aussagen. Aber dann stimmen die Statements von Tolja und Stracke hinten und vorne nicht überein. Klar ist nur: Es ging um Drogen. Aber das ist Grossstadtalltag.

Der nackte Kommissar

Wichtiger sind die Fragen: Könnte der untadelige Harald Stracke gelogen haben, und wenn ja weshalb? Warum flieht der Schütze ausgerechnet in den Wohnwagen vor Strackes Haus? Und was ist eigentlich mit Kommissar Karow, wenn er mit der Rechtsmedizinerin (Maryam Zaree) ins Bett will und sich dann selbst am tollsten findet, wenn er nackt über den Dächern von Berlin steht?

Eine Frage kann man beantworten: Die Medizinerin ist gegen Schluss so entnervt von Karow («Sexist!», «Rassist!»), dass sie kündigt. Aber dann ist da noch Strackes Ehefrau (Nina Vorbrodt), die unter Depressionen leidet und von ihrem Mann mit der Formel «Wir sind auf einem guten Weg» beschwichtigt wird. Eine gute Idee? Als man aufs emotionale Finale hinsteuert, wird klar, was in diesem «Tatort» wirklich im Fokus steht: die Familie. Oder das, was in Zeiten der Desillusion davon übrig blieb.

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