Vincent und Vincent können alles

Das ist die beste TV-Nachricht seit langer Zeit: Die kongenialen Macher der Westschweizer Satirekultshow «26 Minutes» produzieren eine Sondersendung für die Deutschschweiz.

In diesem Clip spielt Kucholl den Oberstleutnant Karl-Heinz Inäbnit – in bestem «français fédéral» – auch für alle «ennet dem Röstigraben» lustig.


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Wehrpflicht für Frauen? Hätte Vorteile, findet der Mann im Kampfanzug. Frauen in der Armee könnten zum Beispiel beim Auftragen der Kriegsbemalung nützlich sein, weil sie ja im Schminken besser sind als Männer, sagt er. Und dann sei da die Sache mit den Beingummis, den Elastiques des Jambes. Die Tat­sache, dass Frauen tendenziell dünnere Unterschenkel haben als Männer, könnte zu etwa 20 Prozent Einsparungen bei den Materialkosten führen.

Der Mann, der diesen Stumpfsinn in bemerkenswert holprigem Französisch verzapft, heisst Karl-Heinz Inäbnit. Er ist Oberstleutnant. Und Stellvertreter des Kommandanten auf dem Waffenplatz Bure. Inäbnit gibt es natürlich nicht wirklich. Er ist die bekannteste Figur des Waadtländer Komikers Vincent Kucholl (41).

Zur besten Sendezeit

In der Romandie sind Kucholl und sein kongenialer Namensvetter Vincent Veillon (31) Stars. Woche für Woche sind um die 40 Prozent der welschen TV-Zuschauer dabei, wenn ihre Satireshow «26 Minutes» auf RTS 1 läuft, zur besten Sendezeit, am Samstagabend nach 20 Uhr. Auf Youtube wurden manche Episoden mit Inäbnit und Co. 300'000-mal angeklickt.

Das erstaunt niemanden, der die Sendung schon mal gesehen hat. «26 Minutes» ist das lustigste TV-Format der Schweiz – selbst für Zuschauer, die des Französischen eher schlecht als recht mächtig sind. Veillon führt als Gastgeber durch die Sendung, eloquent, witzig.

Er kann als Moderator alles; vor allem cool bleiben, wenn sein Gegenüber Irrwitziges erzählt oder mitten im Gespräch Blut zu husten beginnt. Kucholl ist Veillons perfekte Ergänzung. Er tritt als Alkoholiker, Kampfraucher, Prostituierte, Bergbauer, Rapper, Anwalt, als Experte für irgendwas auf. Oder eben als Oberleutnant. Er kann als Imitator alles; und auch er bleibt immer cool.

In jeder Sendung interviewt Veillon die Figuren Kucholls – und gemeinsam interviewen sie einen prominenten Gast. Alt-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey zum Beispiel, die auf Nachfrage von Kucholl über die Nachteile ihrer früheren Aufgabe plaudert. «Bundesrat ist kein schöner Job», sagt sie. Er bestehe aus ­«Dodo et travail», aus schlafen und arbeiten. «Sexuell, kulturell, emotional kommt man zu kurz.» Zum Schreien komisch sind auch die Strassenumfragen, die die ­«26 Minutes»-Leute Woche für ­Woche realisieren. «Entschuldigung, welche Drogen bestellen Sie im Internet?», fragen sie zum Beispiel ein älteres Ehepaar.

Der Humor von «26 Minutes» ist manchmal subtil, manchmal schwarz. Und manchmal prügeln ihn Veillon und Kucholl dem Publikum auch mit dem Vorschlaghammer in den Kopf. Sie scheren sich keinen Deut um Konventionen. Aber immer spürt man, dass die Herren Menschen lieben – gerade jene, die sie persiflieren oder blossstellen. Das ist es wohl, was Vincent und Vincent so beliebt macht. Mittlerweile, sagt Veillon, müsse er in der Romandie auch mit 70-jährigen Damen für Selfies posieren.

Ennet dem Röstigraben

In der Deutschschweiz sind die «26 Minutes»-Stars bisher unbekannt. Feedback von ennet dem Röstigraben sei selten, sagt Veillon. Das könnte sich jetzt ändern. SRF hat für die letzte Märzwoche den «Comedy-Frühling» (siehe Kasten) ausgerufen, auf allen Kanälen gibt es viel Raum für Lustiges. Das Beste daran: «26 Minutes» darf eine Sondersendung über die Deutschschweiz beisteuern, in der auch Deutsch gesprochen wird.

Gut möglich, dass Karl-Heinz Inäbnit einen Auftritt haben wird. Über die Vorzüge der Wehrpflicht für Frauen könnte er auf Deutsch womöglich noch detaillierter Auskunft geben.

Auch in einer Frauenrolle kann Kucholl ohne weiteres überzeugen. Quelle: youtube.com/RTS (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.03.2017, 12:05 Uhr

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Details: www.srf.ch

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