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TV-Kritik: Die Polizei als Problem-Milieu

Im «Polizeiruf» traf Matthias Brandt auf Lars Eidinger. Und verliebt haben sie sich auch noch. Ein verzweifelter und hochemotionaler Krimi.

Kommen sich näher: Matthias Brandt als Kriminalhauptkommissar Hanns von Meuffels und Lars Eidinger als trauernde Transe Almandine Winter.
Kommen sich näher: Matthias Brandt als Kriminalhauptkommissar Hanns von Meuffels und Lars Eidinger als trauernde Transe Almandine Winter.
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Liebe und Tod: Almandine am Grab ihrer Lebensgefährtin Nicole.
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Schweigegeld: Die P25 zahlt, damit Almandine ihre Anklage zurückzieht.
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Es gibt zwei richtig gute Männer im deutschen Fernsehen: Matthias Brandt und Lars Eidinger. Matthias Brandt (52) ist der Sohn von Willy Brandt und TV-Kommissar Hanns von Meuffels im Münchner «Polizeiruf 110», er sieht da immer ein bisschen aus wie ein vornehmer, ziemlich attraktiver Frosch. Lars Eidinger (37) arbeitet normalerweise an der Berliner Schaubühne und hat einmal im Kieler «Tatort» die reizende Sibel Kekilli gequält, er war da der verrückte Zahnbürsten-Psychopath.

Einzeln sind die beiden Herren schon super, und Sonntagabend auf ARD gab es sie sogar zusammen, «Polizeiruf 110» sei Dank. Und auch das muss einmal gesagt werden: «Polizeiruf» ist der bessere «Tatort». Weil die vom «Tatort» ja langsam nicht mehr wissen, wohin mit den lustigen Ideen und den crazy Ermittlern, und hier gibts noch ein neues Team, und da ist die Lieblings-Kommissarin aber schon wieder abgetreten, und überhaupt herrscht eine Personalfluktuation, dass man einmal ermitteln sollte, wo denn eigentlich der Hauptbösewicht hockt.

Zu wenig Geld, zu viele Aggressionen

Item. Zum «Polizeiruf» mit dem wundervollen Titel «Der Tod macht Engel aus uns allen» also. Die Transsexuelle Nicole ist tot. Irgendwie gestorben, in der Ausnüchterungszelle der Münchner Polizei-Inspektion 25, viel zu schnell wird sie durch die Pathologie geschleust, keine Obduktion, nix. Almandine Winter (Lars Eidinger), Nicoles Lebensgefährtin und Co-Transe, klagt an, Hanns von Meuffels muss gegen die P25 ermitteln, es gibt den «Eier-Meier» (ein Polizist) und die «Ohne-Eier-Meier» (seine Kollegin), alle haben zu wenig Geld und zu viele Aggressionen, und irgendwann erschiesst sich der Eier-Meier an einem Weiher, davor war er aber noch bei einer Domina und dealte mit Drogen.

Ach, man kennt das ja gut aus dem «Tatort», es muss da ja alle paar Fälle polizeiintern ermittelt werden, offenbar ist die Polizei jetzt das neue Problemmilieu und Elendsviertel an sich, vielleicht ist es aber auch einfach billiger, weil man nicht so viele Drehorte braucht. Ich war an dem Erzählstrang nicht sonderlich interessiert, dafür an Matthias und Lars, die oft aufeinandertrafen und sich auf eine verzweifelte, weil aussichtslose Art ineinander verliebten.

Funkenschlag der Herzen

Zuerst war es irrsinnig traurig, aber auch sehr lebensnah, wie Almandine um ihre Nicole trauerte, ich sass jedenfalls mit Tränen in den Augen da, das hat kein «Tatort» je geschafft. Und dann war es fürchterlich ergreifend, wie die beiden Männer begannen, sich nacheinander zu sehnen, wie sie sich berührten und in die Arme nahmen, und beiden war klar, dass das keine Zukunft hat, dass das nur so ein flüchtiger Funkenschlag der Herzen ist. Mitten in den prächtig gefilmten Neonlichtern von München, das auf einmal ganz amerikanisch daherkam. Das Finale war Nicoles grauenhafte Tötung, als Film auf dem Handy vom Eier-Meier. Und die grosse, tonlose Kapitulation des Hanns von Meuffels vor dem Unrecht. Mir hats gefallen. Ich hoff, Sie waren auch dabei.

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