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«Solche Wetten wird es nicht mehr geben»

Nach dem schweren Unfall in Wetten, dass...? geht das ZDF über die Bücher, Moderator Thomas Gottschalk macht sich Vorwürfe. Und Medienexperten äussern sich zur Zukunft der TV-Show.

vin
Der 23-Jährige erlitt eine schwere Verletzung am Halswirbel. Gemäss den Ärzten wurde auch das Rückenmark beschädigt.
Der 23-Jährige erlitt eine schwere Verletzung am Halswirbel. Gemäss den Ärzten wurde auch das Rückenmark beschädigt.
Keystone
Der schwer verletzte Wettkandidat Samuel Koch bei einem Turner-Wettkampf im Mai 2009. Koch wird aus dem künstlichen Koma geholt.
Der schwer verletzte Wettkandidat Samuel Koch bei einem Turner-Wettkampf im Mai 2009. Koch wird aus dem künstlichen Koma geholt.
Reuters
Der «Wetten, dass...?»-Kandidat wurde an der Uni-Klinik Düsseldorf einer zweieinhalbstündigen Notoperation unterzogen.
Der «Wetten, dass...?»-Kandidat wurde an der Uni-Klinik Düsseldorf einer zweieinhalbstündigen Notoperation unterzogen.
Keystone
...überspringt mit einem Überschlag...
...überspringt mit einem Überschlag...
Keystone
...das entgegenkommende Auto...
...das entgegenkommende Auto...
Reuters
...gerät dabei in der Luft in Schieflage...
...gerät dabei in der Luft in Schieflage...
Reuters
...und schlägt schliesslich mit dem Gesicht hart auf dem Boden auf. Im Auto sass sein Vater am Steuer.
...und schlägt schliesslich mit dem Gesicht hart auf dem Boden auf. Im Auto sass sein Vater am Steuer.
Keystone
Die Mutter von Koch war ebenfalls sofort zur Stelle.
Die Mutter von Koch war ebenfalls sofort zur Stelle.
Reuters
Gleich nach dem Sturz wurde Koch notärztlich versorgt.
Gleich nach dem Sturz wurde Koch notärztlich versorgt.
Keystone
Während der verunfallte Wettkandidat betreut wird, besprechen sich Gottschalk und Hunziker.
Während der verunfallte Wettkandidat betreut wird, besprechen sich Gottschalk und Hunziker.
Keystone
Schnell wurde der Verletzte mit einem Tuch abgeschirmt.
Schnell wurde der Verletzte mit einem Tuch abgeschirmt.
Keystone
Moderator Thomas Gottschalk brach die Sendung nach dem Unfall ab.
Moderator Thomas Gottschalk brach die Sendung nach dem Unfall ab.
Keystone
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Der Unfall in der «Wetten, dass...?»-Show am Samstagabend wird auf jeden Fall Konsequenzen haben. Das hat Thomas Gottschalk nach Angaben von «Spiegel-Online» in einem internen Briefing für die gut 200 Mitarbeiter der Show rund zwei Stunden nach dem Abbruch angedeutet. «Es ist ein Unfall passiert», sagte Gottschalk den ZDF-Mitarbeitern, sichtlich um Fassung bemüht. «Es ist deswegen so furchtbar, weil wir in einer Konkurrenzsituation sind.» Dabei habe er gedacht, er habe für die Sendung «genau das Paket, um gut auszusehen». Dann haderte der Moderator dem Bericht zufolge mit sich selbst. «Wir haben ihn auch bei den Proben hinfallen sehen.» Dennoch waren die ZDF-Verantwortlichen zum Schluss gekommen, die gefährliche Wette zuzulassen.

Gemäss Angaben des ZDF werden alle Wetten von Redaktion, Produktion und einem Sicherheitsingenieur des TV-Senders erst nach intensiver Begutachtung freigegeben. Der Sender werde den Ablauf und die Ursachen des Unfalls gleichwohl in allen Details noch einmal überprüfen und aus dem Ergebnis Konsequenzen bei der Auswahl von künftigen Wetten ziehen.

Gottschalk macht wohl weiter

Es stellt sich eine zentrale Frage: Wie geht es weiter mit der TV-Show? Deutsche Medienexperten glauben nicht, dass der schwere Unfall das Ende der Sendung «Wetten, dass...?» bedeuten könnte. «Bei derart artistischen Wetten kann man ein gewisses Risiko nie ausschliessen», sagt Uwe Kammann, Leiter des Grimme-Instituts. Dennoch sei «die Versuchsanlage» in diesem Fall schon «prekär» gewesen. »Hier hätte die Redaktion vielleicht im Vorfeld stärker bremsen müssen«, sagte Kammann. Vermutlich werde man in Zukunft «im Sinne einer Fürsorgepflicht die Risikogrenzen enger ziehen».

Der Medienexperte Jo Groebel geht davon aus, dass Gottschalk die Show weiter moderieren wird - vorausgesetzt, der Unfall finde ein glimpfliches Ende. Er sei nicht der Typ, der aussteige, wenn es Probleme gebe. »Es ist schwieriger, in so einer Situation weiterzumachen«, sagt Groebel. Und fügt hinzu: «Aussteigen ist einfach.»

Das ZDF werde jetzt vermutlich ganz intensiv darüber nachdenken, welche Wetten in Zukunft akzeptiert würden. Seine Prognose: «Solche Wetten wird es nicht mehr geben», sagt Groebel. Und er verwies darauf, dass Wettkönig ohnehin meist jemand geworden sei, der eine skurrile, lustige Wette angeboten habe und nicht eine actionreiche.

Keine Folge von Quotendruck

Nach Einschätzung Groebels war der Unfall, bei dem am Samstag der 23-jährige Wettkandidat Samuel Koch schwer verletzt wurde, keine Folge von Quotendruck. «Das Fernsehen braucht das Spektakuläre», sagte Groebel. Mit dem Vorwurf, das ZDF habe fahrlässig gehandelt, wäre er sehr vorsichtig. Es sei auch immer die Frage, wie viel Eigenverantwortung ein Kandidat trage und wie viel Verantwortung ihm abgenommen werden müsse.

Nach ZDF-Angaben wurden für die Wette bereits bei den Proben für die zurückliegenden beiden Sendungen in München und Hannover jeweils Vortests durchgeführt. «Das ist bei schwierigen Wetten üblich, um die Bedingungen vor Ort in der konkreten Wettsituation zu testen», sagte Sprecher Stock. Aus Sicherheitsgründen sei in Düsseldorf etwa die dünne Gummimatte gegen eine 1,2 Zentimeter dicke Anlaufbahn getauscht. Zudem sei das Bühnenlicht so eingerichtet worden, dass der Wettkandidat, der als freier Akrobat und Stuntman tätig sei, während des Sprunges nicht geblendet wurde. Die Auswahl der Autos sei vom Kandidaten getroffen worden.

«Man macht sich natürlich auch Vorwürfe»

Jenseits des persönlichen Schicksals des Wettkandidaten war es für das ZDF und Gottschalk das schlimmst mögliche Ereignis. «Da stellt sich irgendetwas auf den Kopf, was man nun überhaupt nicht möchte», sagte der 60-Jährige, als er den Abbruch der Show begründete. Gottschalk machte auch keinen Hehl daraus, dass ihm der Unfall an die Nieren ging. «Man macht sich natürlich auch Vorwürfe. Hätte man als Moderator dem Samuel abraten sollen?» Doch gleichzeitig verwies er auf das beim Kandidaten liegende Restrisiko: «Er war natürlich auch ganz sicher, dass er das, was er uns anbietet, kann.»

Doch entweder war Gottschalk falsch informiert oder aber er blendete die Unsicherheit des Studenten aus. Denn dieser war nicht «ganz sicher» - im Gegenteil: Der aus Efringen-Kirchen stammende Mann hatte der «Badischen Zeitung» vor der Show von seiner Skepsis berichtet. «Bei den Proben am Donnerstag bin ich zweimal schwer gestürzt. Der Wettteil klappt noch nicht.»

(dapd/sda/afp)

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