Rumballern und Bier trinken

Viel Action im drittletzten Luzerner «Tatort»: Aber das Ermittlerduo Flückiger/Ritschard wirkte in «Friss oder stirb» so, als wäre es schon in Pension.

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Matthias Lerf@MatthiasLerf

Im Keller gehen sie aufeinander los, der böse Kapitalist und der arme Arbeiter. Der Reiche ballert mit einem Maschinengewehr herum, der Prolet versuchts mit einer Pistole. Es kracht heftig, aber bald sind die Magazine leer und die Schiesswütigen immer noch putzmunter. Wie erschöpfte Jungs sitzen sie da. Und trinken Bier zusammen.

Der Arbeiter (Misel Maticevic) war vom Norden Deutschlands ins Luzerner Hinterland gefahren, um vom Kapitalisten (Roland Koch) den Lohn einzufordern, der ihm wegen der Schliessung einer Fabrik ein Leben lang entgehen wird. In der Prachtsvilla des Widersachers nahm er dessen Frau und Tochter als Geiseln. Und weil die Kommissare Flückiger (Stefan Gubser) und Ritschard (Delia Mayer) in einer anderen Angelegenheit auch gerade vorbeischauten, landeten sie auch gefesselt auf dem Fussboden.

Das wirkt fast symbolisch: Das Luzerner Ermittlerduo hatte in «Friss oder stirb» so wenig zu tun, als ob es schon auf die 2019 anstehende Pensionierung vorbereitet werden sollte. In zwei Fällen werden die beiden jetzt noch ermitteln, dann übernimmt Zürich. Gelegenheit zum Brillieren gab es diesmal allerdings wenig, die Musik spielte anderswo. Es ging nämlich nicht nur um die Geiselnahme, sondern auch um eine mit einer Schere niedergemetzelte Hochschuldozentin, die auch mit dem Fabrikanten und dessen Firma Swisscoal verbandelt war. (Dass man bei diesem Namen immer Swisscom verstand, hatte wohl nichts mit versteckter Produktewerbung zu tun.)

Auch die Stones und Johnny Cash traten auf

Musik ist dabei auch wörtlich zu verstehen: Ziemlich unvermittelt tauchten im Soundtrack nämlich Hits von Johnny Cash, den Rolling Stones, von Leonard Cohen und anderen auf. Vielleicht sollten sie Löcher in der Handlung stopfen, denn ständig steht die Frage im Raum: Kann das wirklich sein? Würde dieser Mann, diese Frau wirklich so reagieren? Könnten sie nicht einfach… Klar sind das doofe Überlegungen in einem Krimi, der vor allem unterhalten soll. Aber die Inszenierung des sonst in Deutschland arbeitenden Schweizers Andreas Senn wirkte überkandidelt und deswegen äusserst distanziert.

Richtig stimmungsvoll war nur der Auftakt. Da sass der Geiselnehmer in spe in seinem Auto irgendwo auf der Autobahn: beschlagene Scheiben, Regen draussen, Unschärfe. Vielleicht hätte er einfach ein wenig Leonard Cohen hören sollen – und alle hätten sich beruhigt.

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