Rauchen und Rappen

Für Gabriel Noah Maurer ist es die wichtigste Rolle seiner jungen Karriere: Der Berner Schauspieler gibt in der spannenden neuen Webserie «Nr. 47» einen nachdenklichen Rapper.

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Dominic Pauli ist ein junger Mann aus Bern, der gerne raucht und gerne rappt. In der Hip-Hop-Szene fühlt er sich aufgehoben, weil er dort den «Hustle des Lebens» aussen vor lassen kann. Dominic ist ein verschlossener Typ, ja, aber auch ein guter Zu­hörer. «Er ist ein empathischer Mensch, der seine Empathie nur nicht sofort zeigen kann.»

So beschreibt Gabriel Noah Maurer die Figur, die er in «Nr. 47» spielt. Die fiktionale Reihe ist das bisher ambitionierteste Onlineprojekt der Abteilung «Junge Zielgruppen» von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF).

Der Trailer zur neuen SRF-Webserie «Nr. 47». Video: SRF

Alle Jobs sind mit Studenten, Studienabgängern oder jungen Quereinsteigern besetzt. Sogar die Musik kommt ausnahmslos von Schweizer Nachwuchskünstlern. Die 20 drei- bis siebenminütigen Folgen der ersten Staffel sind ab Montag auf der Website von SRF Virus und auf Youtube zu sehen.

Ort des Geschehens ist ein Wohnblock in Bern, in dem unterschiedliche junge Menschen dicht beieinander wohnen. Das Gebäude mit der Hausnummer 47 soll für die Generation seiner Bewohner stehen, mit deren Sorgen, Zukunftswünschen und der gemeinsamen Suche nach Identität.

Oder wie es Gabriel Noah Maurer ausdrückt: «Es geht um Leute, die viele wichtige Entscheidungen exakt in einer Phase ihres ­Lebens treffen müssen, in der sie eigentlich einfach mal ein paar Sachen ausprobieren oder ein bisschen vor sich hin leben ­möchten.»

Viele Zigaretten

Gabriel Noah Maurer ist im richtigen Leben auch mit der Hip-Hop-Szene verbandelt, er war Breakdancer, hat Platten aufgelegt, Raptexte geschrieben. Er raucht im richtigen Leben auch gerne. Und er ist auch ein empathischer Mensch. Im Gegensatz zu Dominic Pauli kann er seine Empathie allerdings rasch zeigen. Sobald er sich in einem Umfeld wohl fühle, gehe er auf, sagt er.

Und so sitzt Maurer, 24-jährig, geboren und aufgewachsen in Nidau bei Biel, wohnhaft im Berner Breitenrain, helle Jeansjacke, breites Strahlen auf dem Gesicht, da und raucht viele Zigaretten und sagt viele druckreife, aber eben auch ehrliche Sätze.

Über sein Leben, über seine so gut angelaufene Schauspielerkarriere, über Wünsche, Träume, Ziele, über Dinge, die er nicht tut als Schauspieler. «Ich würde nie in einer Produktion mitmachen, in der es nur ums Prestige geht», sagt er zum Beispiel. «Inhalt, Relevanz und Spass zählen.»

Wenn es um Traumrollen geht und um die Traumfabrik, muss Maurer lachen. «Wenn man mich fragt, ob ich an eine Karriere in Hollywood denke, ist das, wie wenn man einen Schweizer Kleinunternehmer fragt, ob er daran denke, dass die Anteile an seinem Betrieb irgendwann an der Wallstreet gehandelt werden», sagt er.

«Inhalt, Relevanz und Spass zählen.»Gabriel Noah Maurer

Eine solche Frage dürfe man sich in seiner Position gar nicht stellen. Aber ja, einen deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg würde er gerne einmal spielen, weil einem das enorm viel abverlange, weil er Schauspieler wie Daniel Brühl oder Christoph Waltz bewundere.

Und ja, ein Drehbuch würde er gerne einmal schreiben, Regie führen auch, sagt er. «Das kann aber gut erst in 25 Jahren passieren.» Bis dahin nehme er alles «step by step».

Viele Konkurrenten

Schauspieler werden. Das wollte Gabriel Noah Maurer schon als Kind. Als Fünftklässler spielte er zum ersten Mal eine Theaterrolle, ein Projekt der Steiner-Schule in Biel, die er absolviert hat. Dort merkte er, dass er sich auf der Bühne wohl fühlt.

Nach dem Schulabschluss trat er in verschiedenen Theaterstücken auf, dann zog er nach Berlin, ein Freund absolvierte in der deutschen Hauptstadt eine Artistenausbildung, Maurer rutschte in ein paar Projekte rein, Variété, Akrobatik vor allem.

Dazwischen ging er auf Vorstellungstour, sprach an diversen Schauspielschulen in Deutschland vor, manchmal waren 800 Konkurrenten für achtzehn Studienplätze vor Ort. Maurer schaffte es an die Hochschule für Musik und Theater in Leipzig, die er ein Jahr später wieder verliess.

Die falsche Schule für ihn sei es gewesen, sagt er heute, «zu technisch, zu elitär, zu viel Druck». In Bern, an der Hochschule der Künste, wo er übernächstes Jahr den Bachelor machen wird, fühle er sich wohler. Hier gehe er auf, sagt er wieder.

Viel Anerkennung

Soeben hat Maurer ein Stipendium der Basler Friedl-Wald-Stiftung gewonnen, 20'000 Franken, das Geld finanziere ihm das nächste Studienjahr, sagt er. Und es sei ein Zeichen dafür, dass er auf dem richtigen Weg sei.

In Marcel Gislers «Mario», dem Drama um schwule YB-Fussballer, gab er den Mannschaftskapitän, im «Verdingbuben» von Markus Imboden war er zu sehen, in der «Heimatland»-Episode von Gregor Frei, in mehreren Kurzfilmen und in einem Musikvideo.

Und jetzt also, «Nr. 47». Für ihn sei es das bisher «grösste Ding» seiner Karriere, sagt Maurer, weil seine Rolle so wichtig sei wie keine andere bisher. Dass er dabei sein dürfe, bei diesem «einzigartigen Projekt», sei ein «Riesenprivileg».

In der zweiten Staffel der Serie übrigens, das steht bereits fest, rückt Dominic Pauli noch stärker ins Zentrum des Geschehens von «Nr. 47». Möglicherweise hat das mit dem Darsteller zu tun. Einem jungen Mann aus Bern, der aufgeht, sobald er sich wohl fühlt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.05.2018, 09:08 Uhr

Die Serie: Junge Menschen auf der Suche nach sich selbst

Ein Wohnblock in Bern mit der Hausnummer 47 ist ihr erstes eigenes Zuhause. Nach der Ausbildung ist die 20-jährige Eve­line (Elsa Langnäse) bei ihren Eltern ausgezogen. Sie hat sich ­gefreut, ihr Leben endlich allein zu leben. Aber es kommt anders: Der Druck im Job nimmt zu, der Freund nervt. Eveline will es ­allen recht machen. Und droht, an der Situation zu zerbrechen.

Und dann sind da die Nachbarn in der Nummer 47: Kuzey (Ali Erkut) lädt Filmchen auf Youtube, in denen er nackt kocht. Dominic (Gabriel Noah Maurer) rappt. Bei einem Auftritt im ­Berner Club Bonsoir, der vor Ort gedreht worden ist, bringen ­seine nachdenklichen Texte Eveline ins Grübeln: «I wott nie wie dir wärde», rappt Dominic.

Die SRF-Webserie «Nr. 47» zeigt junge Menschen auf der Suche nach sich selbst. Die Bilder sind stimmungsvoll, die Dialoge angenehm unaufgeregt. Und die jungen Schau­spieler machen einen tollen Job. Bemerkenswert auch, dass der Soundtrack vollumfänglich aus dem Schaffen von Schweizer Nachwuchsmusikern zusammengestellt worden ist. Schon in den ersten Folgen sind zum Beispiel mehrmals die grandiosen Berner Rapper S.O.S. zu hören.

Die 20 kurzen «Nr. 47»-Episoden sind ab kommenden Montag während vier Wochen online zu sehen. Am 13. Juni um 20.10 Uhr laufen alle Folgen hinter­einander auf SRF 2. Die zweite Staffel folgt im Herbst.

«Nr. 47»: ab Montag, 14. Mai, srfvirus.ch.

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