«Ich will Schlagzeilen lesen, nicht machen»

Ein Berner wird das neue Gesicht der 18-Uhr-«Tagesschau»: Ab kommenden Frühling präsentiert Mario Grossniklaus (33) die Nachrichtensendung des Schweizer Fernsehens. Für ihn geht ein Kindheitstraum in Erfüllung.

Herr Grossniklaus, im kommenden Frühling moderieren Sie Ihre erste «Tagesschau». Welche Nachricht würden Sie zur Premiere am liebsten verkünden? Mario Grossniklaus: Selbstverständlich eine gute. Das dürfte aber schwierig werden, da Nachrichtensendung per se nicht von guten News geprägt sind. Aber die Schweiz als Fussballweltmeister, das wäre etwas. Nur dürfte das zeitlich und sportlich leider nicht ganz reichen.

Was macht einen guten Nachrichtenmoderator aus?Er muss kompetent sein, muss verstehen, was er präsentiert. Er muss ein Flair haben, Inhalte zu vermitteln. Er muss telegen sein. Wichtig sind auch gute Nerven. Es kann immer etwas passieren: Der Teleprompter steigt aus, eine technische Panne. Da muss man ruhig bleiben und gut reagieren.

Können Sie das? Ich gehe auf jeden Fall nicht blauäugig in meinen neuen Job. Ich habe 15 Jahre Radioerfahrung und manche Pannensituation gemeistert. Die Kompetenz habe ich mir als Produzent, Redaktor und Moderator beim Radio geholt. Dass ich telegen bin, haben andere entschieden. Das Schweizer Fernsehen hat nach dem Casting ganz offensichtlich befunden, dass der Junge das kann (lacht).

Geht für Sie mit dem Engagement bei der «Tagesschau» ein Traum in Erfüllung? Ja. Ich wusste früh, dass ich in die Medien will, und hatte schon als Jugendlicher Spass daran, Fernseh- und Radiostudios in der ganzen Schweiz zu besichtigen. Die Studios haben eine enorme Faszination auf mich ausgeübt. Dass ich nun nach 15 Jahren Radio zum Fernsehen wechseln kann, ist eine einmalige Chance, die ich packen will.

Wer ist der beste Nachrichtenmoderator aller Zeiten?Die «Tagesschau»-Moderatoren gehören seit meiner Kindheit zum Alltag, Menschen wie Léon Huber sind im Laufe der Jahre vertraute Persönlichkeiten geworden, die man vermisst, wenn sie plötzlich nicht mehr moderieren. Personenkult habe ich aber nie betrieben, Poster von Nachrichtenmoderatoren oder anderen Stars hingen nie an meinen Wänden.

Als Fernsehmoderator werden Sie nun selbst zur öffentlichen Figur. Haben Sie sich schon eine Strategie zurechtgelegt, wie Sie mit Enthüllungen aus Ihrem Privatleben umgehen wollen?

Die Öffentlichkeit ist Teil meines Jobs, das ist mir bewusst. Ich werde mich daran gewöhnen müssen und auch Rat von erfahrenen Kollegen einholen. Bei einem «Tagesschau»-Moderator sollten aber die Inhalte, die er präsentiert, im Vordergrund stehen. Mein Privatleben bleibt mein Privatleben. Homestorys wird es von mir nicht geben.

Gibt es trotzdem eine Schlagzeile, die Sie gerne mal über sich lesen würden?Ich bin da, um Schlagzeilen zu lesen, nicht um sie zu machen.

Mario Grossniklaus (33) stösst im Februar 2010 zur «Tagesschau»-Redaktion. Ab März wird er die Nachrichten am Mittag, um 18 Uhr und in der Nacht moderieren. Grossniklaus ist auf dem Beatenberg aufgewachsen und lebt heute in Bern. Er arbeitet derzeit als Produzent, Redaktor und Moderator bei Radio DRS.

Berner Zeitung

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