«Ich entlasse nicht, sondern rette»

Interview

Roger Schawinski will das konkursite Radio 105 übernehmen. Im Interview sagt er, weshalb und wie.

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Linus Schöpfer@L_Schoepfer

Herr Schawinski, warum der Rettungsversuch? Eine Stadt wie Zürich braucht ein Jugendradio. Das sah ja selbst der Bundesrat so. Zweitens überzeugt mich das Programm von 105, von der Musik bis zur Ansprache. Und ich bin überzeugt, dass eine Zusammenarbeit mit meinem Radio den Sender auf eine solide finanzielle Basis stellen wird. So funktionieren heute fast alle Medien, fast alle Zeitungen und selbst die SRG. Allein schafft es kaum jemand. Dieses Konzept wird funktionieren – immerhin klinken sich jeden Tag mehr als 100'000 Hörer bei 105 ein. Und Radio 1 hat über 140'000 Hörer.

Was ist schiefgelaufen bei 105? Offensichtlich einiges. Nachdem die jährlichen Zuflüsse von Ringier in der Höhe von 2,5 Millionen aufgehört hatten, kippte der Sender sofort massiv ins Defizit.

In welcher Grössenordnung sind Sie nun bereit zu investieren? So viel wie nötig, um die heutige Qualität zu halten. Dank Synergieeffekten ist das mit überschaubaren Kosten zu schaffen. Wir sind bereit, unser Studio ist bereit: Wir können jederzeit loslegen.

Sie wollen zwei Sender in einem Studio produzieren – Entlassungen erscheinen naheliegend. Ich entlasse nicht, sondern ich rette einen Sender und Arbeitsplätze. Wenn bei 105 der Stecker gezogen wird, verlieren alle Mitarbeiter sofort ihren Job. Und es scheint nicht so, dass sie den geschuldeten Lohn für den Januar erhalten werden. Da will ich zusätzlich einspringen, damit wenigstens dieser Schaden eingegrenzt wird.

Wie lässt sich heute mit Radio überhaupt noch Geld verdienen? Sender wie SRF 1, SRF 3 oder Radio 24, die die Schweizer schon jahrzehntelang im Auto hören, können auf Gewohnheit setzen. Sie sind die Platzhirsche, die nicht mehr gross durch Qualität auffallen müssen. Für neue Sender ist es in einem verkrusteten Markt daher schwierig, schnell zu wachsen. Deshalb wäre es sinnvoll, wenn junge Sender wie Radio 1 und Radio 105 gemeinsam auftreten könnten.

Der rein digitale Weg ist keine Option? Zum heutigen Zeitpunkt ganz sicher noch nicht. UKW wird uns noch länger beschäftigen, als viele denken.

Wie geht es nun weiter mit Ihren Übernahmeplänen? Die Angelegenheit ist nun beim Richter. Ich hoffe sehr, dass 105 nicht wegen juristischer Formalitäten verschwinden wird, sondern dass man den Betrieb nahtlos weiterführen kann. Deshalb hoffe ich auch auf die Kooperation des Bakom. Ein Sendeunterbruch würde die Marke schwer beschädigen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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