«Ich bin der böse Mann»

Adam Quadroni war bei Roger Schawinski. So wirkte der Bündner Whistleblower bei seinem ersten öffentlichen Auftritt.

Ging seine Firma pleite, weil er aus dem Unterengadiner Baukartell ausgestiegen ist? Whistleblower Adam Quadroni mit Roger Schawinski.

Ging seine Firma pleite, weil er aus dem Unterengadiner Baukartell ausgestiegen ist? Whistleblower Adam Quadroni mit Roger Schawinski.

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Adam Quadroni, der als Whistleblower das grosse Baukartell im Engadin auffliegen liess, hat alles verloren: die Firma, die Frau, die Kinder. Gross war die Bestürzung, als das Onlinemagazin «Republik» die Geschichte publik machte. So gross, dass über ein Crowdfunding gar eine Viertelmillion Franken für Quadroni zusammenkam. Inzwischen steht der Bündner selber unter Beschuss. Sein ehemaliger Treuhänder hat 2014 gegen ihn Strafanzeige wegen betrügerischen Konkurses und weiterer Delikte eingereicht.

Adam Quadroni: Opfer, Held und nun auch Täter? Gestern war der Mann in Roger Schawinskis Talksendung zu Gast, zusammen mit Alt-Bundesrichter Giusep Nay, der dem Whistleblower als Freund und Helfer zur Seite steht. Es war der erste öffentliche Auftritt Quadronis.

Man sprach zuerst über das Baukartell bzw. darüber, wann sich Quadroni gegen dieses gestellt hatte. Der Knackpunkt: Ab welchem Zeitpunkt lief es Quadroni geschäftlich nicht mehr gut? Vor oder nach seinem Entscheid, das Kartell anzuprangern? In den wenigen Minuten, in denen das Gespräch sich darum drehte, wurde wenig geklärt. Die Timeline im Fall Quadroni bleibt nebulös.

Man mag sich dazu fragen: Wie relevant ist Quadronis persönliche Geschichte angesichts der Ausmasse des Baukartellskandals? Anders gesagt: Ist Quadroni im Visier jener Medien, die der «Republik» den Baukartell-Scoop nicht gönnen mögen? Für die «Weltwoche» jedenfalls steht fest: Im «Rührstück» der «Republik» gehe unter, dass Quadroni «das halbe Tal» über den Tisch gezogen und sogar seine Geschwister um ihr Erbe geprellt habe.

Giusep Nay konterte die Anschuldigungen gegen Quadroni: «Er weiss bis heute noch nicht, ob eine Untersuchung eröffnet worden ist. Es handelt sich bloss um Vorabklärungen – und dies seit vier Jahren.» Die Unschuldsvermutung gelte ausserdem auch für Whistleblower. Falls Herr Quadroni sich etwas zuschulden hat kommen lassen, müsse das bewiesen werden. Bis dahin habe er seine Unterstützung.

Vor diesem Hintergrund war es spannend, zu sehen, wie sich Roger Schawinski positionieren würde. Nun: Der Talkmaster gab sich freundlich und wohlwollend. Im Zentrum stand das vermeintliche Unrecht, das Quadroni angetan wurde – vor allem die Polizeigewalt, die er während seiner Verhaftung erleiden musste, kam ausführlich zur Sprache.

Interessant wurde es, als Schawinski fragte, ob es einen Zusammenhang zwischen der übertriebenen Polizeigewalt und dem Whistleblowing gebe? Will heissen: Steckte auch die Polizei mit drin? Nay: «Es gibt dafür keinen Beweis, aber Plausibilitäten.» Von einem Komplott gegen Quadroni wollte er aber nichts wissen, es sei einfach «eines zum anderen» gekommen. «Das Problem ist, ich bin der Verräter, ich bin der böse Mann», sagte Quadroni.

Dank der Livesituation konnte man sich zum ersten Mal einen persönlichen Eindruck von Quadroni machen, der niedergeschlagen wirkte. Letztlich wurde man aber nicht schlau aus dem Mann, was vor allem am Format lag: Während der Text in der «Republik» sehr lang war, war diese Sendung zu kurz, um den aussergewöhnlichen Fall auf der juristischen, moralischen und menschlichen Ebene erhellend abzuhandeln.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.06.2018, 11:09 Uhr

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