«Homer, ich werde deine Theorie klauen»

Der verstorbene Astrophysiker Stephen Hawking war mehr als nur Wissenschaftler – er war längst eine Ikone der Popkultur.

Hawkings berühmtester Auftritt in einer TV-Serie: Die «Simpsons»-Folge «They Saved Lisa’s Brain».


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Könnte Stephen Hawking ein schwarzes Loch erschaffen, liesse er eine Nervensäge darin verschwinden. Zumindest jener Stephen Hawking täte das, der für einen britischen Online-Vergleichsdienst warb. Im TV-Spot verkündet der Astrophysiker einem aufgeregten Publikum, er habe die Formel zur Erschaffung eines schwarzen Loches gefunden. Auf die Frage, was er denn damit anstellen wolle, beginnt Hawking zu tagträumen: Sein schwarzes Loch verschlingt mitten auf der Strasse kurzerhand seinen Vorgänger aus früheren Werbungen des Vergleichsdienstes – einen aufdringlichen Opernsänger, der während Jahren halb Grossbritannien nervte. Ein trockenes «Ha, ha» entweicht Hawkings Sprachcomputer danach. Was Stephen Hawking mit einem schwarzen Loch anstellen würde: Werbung von Go Compare.
Diese selbstironische Seite von Stephen Hawking dürfte der Öffentlichkeit am vertrautesten sein. Denn Hawking, der Wissenschaftler, war über fast drei Jahrzehnte auch zu Hawking, der Ikone der Popkultur, geworden. Das hat auch mit seiner einmaligen Lebensgeschichte zu tun. Zweimal wurde sie verfilmt – 2004 von der BBC mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle, 2014 mit Eddie Redmayne, der für seinen Hawking einen Oscar erhielt.

Pink Floyd samplen Stephen Hawking

Aber auch Stephen Hawking spielte Stephen Hawking. Der Wissenschaftler hatte sich schon lange vor diesen Verfilmungen in TV-Serien, Radio und Werbung weltbekannt gemacht. In einem seiner ersten Auftritte referierte der Astrophysiker 1993 für einen British-Telecom-Spot über die Bedeutung der Kommunikation. Er, der sich nur dank technischer Hilfe ausdrücken kann, mahnte: «Ihre grössten Errungenschaften verdankt die Menschheit dem Sprechen – ihre grössten Niederlagen dem Nichtsprechen.» Das berührte Dave Gilmour von Pink Floyd dermassen, dass er Hawkings BT-Monolog im Stück «Keep Talking» einbaute. «Keep Talking» von Pink Floyd.

Hawking spielte auch gerne mit dem Nimbus des «grössten Wissenschaftlers aller Zeiten». In «Star Trek – The Next Generation» mimte er sein eigenes Hologramm, welches mit Albert Einstein und Isaac Newton beim ordinären Pokerspiel sitzt. Hawkings Auftritt bei «Star Trek».

Homers Donut-Universum

Unvergessen ist auch der erste von zahlreichen Auftritten in der Zeichentrickserie «The Simpsons». In «They Saved Lisa’s Brain» bremst er Springfields Hochbegabte aus, welche meinen, fähiger als der Durchschnittsbürger über die Geschicke der Stadt entscheiden zu können. Dabei ist er hochnäsig, streitlustig und dreist. «Deine Theorie eines Universums in Donut-Form ist faszinierend, Homer – ich werde sie wohl klauen.»

Dem «Guardian» verriet Hawking einmal, er schätze den verantwortungsbewussten Umgang der «Simpsons»-Macher mit seiner Behinderung. Wohl weil er so gute Erfahrungen machte, ist Hawking immer wieder als sich selber aufgetreten: In «The Big Bang Theory», wo er seinen Fan Sheldon trocken für einen Rechenfehler in einer Forschungsarbeit rügt. In der BBC-Spendengala «Comic Relief», wo er als Kampfroboter nach Manier der «Transformers» seine Zweifler wegräumt. Oder im Clip für Monty Pythons Liveshow von 2014, in dem er den populären TV-Physiker Brian Cox mit dem Rollstuhl über den Haufen fährt. Danach düst er seelenruhig davon, der Stephen Hawking, seine Computerstimme singt Monty Pythons «Galaxy Song». Überfährt den Konkurrenten: Stephen Hawking bei Monty Python. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.03.2018, 18:05 Uhr

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