«Game of Thrones»: Die bisher grösste Überraschung

Die letzte Staffel von «Game of Thrones» ist gestartet. Wir besprechen den Serienhit jede Woche. Heute: Episode 3.

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Philippe Zweifel@delabass

SEIEN SIE GEWARNT: DIESE BESPRECHUNG ENTHÄLT SPOILER.

Was in der neusten Folge passiert ist

Hä? Hat HBO aus Versehen die allerletzte Folge ausgestrahlt? Der Night King kann doch nicht wirklich tot sein. Doch genau das ist er, in Tausende Eisstücke zersplittert, nachdem Arya ihm ihren Dolch aus valyrischem Stahl zwischen die Rippen gerammt hat. Mit ihm zerborsten sind seine Co-White-Walkers und die Untoten-Armee. Winter is coming? Winter is over! Und dies bereits in der dritten Episode der letzten Staffel.

Mehr zum Tod des Night Kings und zur weiteren möglichen Handlung unten. Formal war die Folge «The Long Night» das Highlight, das uns versprochen wurde. 55 Nächte lang wurde offenbar dafür gefilmt. Und tatsächlich war es sehr dunkel am Bildschirm. Der eigentliche Feind, lästern einige Fans, sei nicht der Night King gewesen, sondern die Ausleuchtung. Doch das war sicher eine bewusste Entscheidung der Serienmacher; eine nächtliche Schlacht gegen Untote ist nun mal chaotisch und unübersichtlich. Wer schön ausgeleuchtete Schlachtszenen will, soll beim «Herr der Ringe» bleiben.

Daenerys und Jon in Feldherren-Manier.

Letzterer stand übrigens Pate für die Folge – aber im negativen Sinn. Regisseur Miguel Sapochnik wollte just die inflationären Schlachtszenen des «Herrn der Ringe» vermeiden, und das ist ihm hervorragend gelungen. Natürlich fielen auch hier die Heerreihen ineinander, aber die Massen-Action wurde immer wieder durch Einzelaktionen fernab des Schlachtfelds durchbrochen: Arya in den Korridoren Winterfells auf der Flucht vor einem einzelnen Zombie oder Tyrion und Sansa in der Krypta, wo der Schlachtlärm und das unheimliche Kreischen der Untoten gedämpft vernehmbar waren. Spannung traf auf Entspannung, Grandiosität auf Intimität.

Was nach «Hardhome» und «The Battle of the Bastards» auch diese Schlacht auszeichnete, ist der Fokus auf das Menschliche statt auf das Epische. Sams Feigheit, Lyannas Mut, Theons Absolution. Weil man mit dem 200-Millionen-CGI-Budget eines «Avenger»-Films nicht mithalten kann, mussten die «Thrones»-Leute auf der visuellen Ebene mit Originalität punkten: Wie die Dothraki-Reiter mit flammenden Schwertern in die Dunkelheit zogen und es dort zum grossen Lichterlöschen kam, war so dramatisch wie gespenstisch.

Schlachtszenen sind bei «Game of Thrones» auch stets da, um den Plot voranzutreiben (nicht nur um einen Sieger zu eruieren), in diesem Fall war die entscheidende Wende natürlich der Tod des Night King. Was für ein Twist! Die Fans sind darüber entzweit. Die einen fühlen sich verraten, andere jubeln, dass diese Antiklimax «Thrones» von anderen Actionproduktionen unterscheide. Persönlich hätte ich mir auch noch mehr Szenen mit dem Night King gewünscht. Als Figur war er grossartig – nur schon, wie er über das Schlachtfeld zu Bran schritt, war ein Gänsehautmoment.

Das Ende des Night King.

Der frühe Tod des Night King lässt wieder alle Augen nach King’s Landing blicken, wo Cersei und Jack Sparrow mit ihren unversehrten Streitkräften lauern und wo das Spiel um den Eisernen Thron weitergeht – was ja durchaus konsequent ist, wenn man den Serientitel «Game of Thrones» wörtlich nimmt (interessanterweise heisst die nicht fertiggestellte Buchvorlage «Lied von Eis und Feuer». Gut möglich, dass dort der grosse Showdown zwischen den White Walkern und den Drachen stattgefunden hätte).

Noch drei Episoden stehen an. Ob die Autoren die Schlacht zwischen den Lebenden und den Toten noch toppen können, ist zweifelhaft. Statt Fantasy wird die Serie wohl wieder mehr Mittelalter-Action sein. Auch okay. Aber «Game of Thrones» hat mich schon zu oft positiv überrascht, als dass ich bereits ein Urteil fällen wollte.

Weitere Gedanken

  • Wie zum Teufel schlich sich Arya aus dem Zombie-überlaufenen Winterfell übers Schlachtfeld und an den Bodyguards des Night Kings vorbei…?
  • Ist Arya die sagenhafte Lichtgestalt Azor Ahai? Dass sie es war, der den Night King tötete und zuvor einen vielsagenden Blick von Melisandre bekam, spricht dafür.
  • Wohin hat sich Bran gewagt? Und lebt der Night King in ihm weiter? (Bitte ja!)
  • Der Humor war dünn gesät, klar, es ging um das Fortbestehen der Menschheit. Aber Aryas Rat an Sansa, als diese sagte, sie habe noch nie einen Dolch benutzt, war cool: «Mit dem spitzigen Ende zustechen.»
  • Der Night King ging nicht in Flammen auf als Daenerys und Drogon ihn rösteten. Was hat das zu bedeuten? Dass er einmal ein Targaryen war? Na ja, spielt jetzt wohl keine Rolle mehr.
  • Apropos Targaryans: Ganz miese Leistung war das. Daenerys und Jon irrten planlos mit ihren Drachen über dem Schlachtfeld herum – und fielen gar noch von den Viechern runter. Da muss in King’s Landing mehr gehen.
  • Für alle, die sich fragen, ob Jons Drache noch lebt: Ja, tut er. Rhaegal ist im Trailer zur vierten Episode zu sehen:

Promi-Tote:
–Jorah
–Melisandre
–Theon
–Beric
–Lyanna
–Edd
–Drache Viserion (okay, er war ein Zombie-Drache, aber jetzt ist er richtig tot).

Ekligste Gewalteskalation:
Nicht nennbar. Zehntausende Zombies fielen über Zehntausende Menschen her.

Unflätigster Unzuchtsmoment:
Gabs natürlich nicht. Halt, doch: Tyrion küsste Sansas Hand.

Der Winter ist offiziell hier. Aber wurden auch White Walkers gesichtet?
Ja. Leider zum letzten Mal. Summer is coming.

Frage der Woche:


Wie gefiel Ihnen die Folge? Was wird in der nächsten Episode passieren? Wer gewinnt das Spiel um den Eisernen Thron? Unten können Sie mitdiskutieren.

Bisherige Recaps von Staffel acht:

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