«Das war ein Fehler»

Eine SRF-Reporterin umarmte Roger Federer beim Interview und strich ihm über die Brust. Was sie dazu sagt.

Groupie-Alarm: Denise Langenegger interviewt Roger Federer.
Philippe Zweifel@delabass

«Journalismus ist im Kern das Berichten über die Wirklichkeit an sich, aus einer Perspektive der nicht Partei ergreifenden, unvoreingenommenen, nur der Aufklärung verpflichteten Distanz»: Entschuldigung für diesen umständlichen Texteinstieg, aber er war nötig – wie jeder verstehen wird, der die obige Szene gesehen hat. SRF-Reporterin Denise Langenegger geht darin auf Tuchfühlung mit Roger Federer.

Nach dessen Grand-Slam-Sieg in Melbourne empfing sie ihn zum Interview und umarmt ihn nicht nur, sondern lässt ihre Hand über sein verschwitztes T-Shirt gleiten, um sich danach lässig durch die Haare zu fahren. «Wow, unglaublich», stammelt sie dazu.

Nun sind Live-Interviews mit Sportlern selten kritischer als Beiträge im nordkoreanischen Staatsfernsehen. Doch eine solche Hingabe an den Interviewpartner ist noch seltener – und dem Ruf der Sportjournalistinnen, die in ihrer Branche ohnehin gegen Gender-Klischees ankämpfen müssen, wohl auch nicht gerade dienlich.

«Die Zuschauer in der Arena und auch die Organisatoren, Techniker und TV-Produzenten im Backstage-Bereich, wo das Interview stattfand, waren voller Freude und Emotionen», erklärt Denise Langenegger die Streicheleinheit: «Ich habe mich so sehr für Roger Federer gefreut, dass ich in diesem aussergewöhnlichen Moment mehr als Mensch und weniger als Journalistin reagiert habe.»

Versuchen wir, es besser zu machen, und fragen hart nach:

Ihre Hand glitt während der Umarmung über Federers Brust nach unten. War das Absicht?
Es war eine Live-Interview-Situation, an einem Ort, wo es laut war und eine intensive Stimmung herrschte; ich versuchte, mich auf mein Interview zu konzentrieren.

Umarmten Sie auch schon andere Interviewpartner? Würden Sie?
Es war eine Ausnahmesituation, Tausende Leute voller Freude und Emotionen. Da verlor ich für einen kurzen Moment die journalistische Distanz. Das war ein Fehler.

Wären Sie ein Mann und Federer eine Frau, hiesse es nun: #MeToo, nicht?
Ich habe die journalistische Distanz für einen Moment verloren. Das hätte nicht passieren dürfen.

Wie gut kennen Sie Roger Federer persönlich?
Ich berichte seit fast 20 Jahren über Tennis. Ich kenne ihn durch die journalistische Arbeit.

Aha. Dann kann Mirka Federer ja beruhigt sein. Sorgen machte sich offenbar hingegen das Schweizer Fernsehen. Die Szene kommt im Interview nicht vor.

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