Extreme Banking

Der lang ­erwartete und viel diskutierte Zweiteiler «Private Banking» der Berner Regisseurin Bettina Oberli läuft endlich im TV. Das Warten hat sich gelohnt. Auch wenn sich der Stoff als Serie besser gemacht hätte.

Schöne, falsche Welt: Caroline Pfister (Stephanie Japp, Mitte) übernimmt in «Private Banking» als Laiin die Leitung einer Zürcher Privatbank.<p class='credit'>(Bild: SRF/Oscar Alessio)</p>

Schöne, falsche Welt: Caroline Pfister (Stephanie Japp, Mitte) übernimmt in «Private Banking» als Laiin die Leitung einer Zürcher Privatbank.

(Bild: SRF/Oscar Alessio)

Leopold Weyer (Christian Kohlund) ist nach einer Rede plötzlich unwohl. Der Chef der Privatbank Weyer flüchtet ins Freie, schnauft, reisst sich die Kleider vom Leib, steigt in den Zürichsee. Der alte Mann erleidet einen Herzinfarkt. Er überlebt, immerhin. Aber er liegt jetzt im Koma.

Für Caroline Pfister (Stephanie Japp), die uneheliche Tochter Weyers, ist die Nachricht ein doppelter Schock: Ihr Vater liegt regungslos im Spital. Und er hat verfügt, dass sie seine Anteile an der Bank übernehmen soll, falls ihm etwas zustösst. Für Ex-Junkie Caroline, die nie etwas mit Bankgeschäften am Hut hatte, beginnt eine abenteuerliche Reise durch die oft dunkle Welt des Geldes.

Willkommen zu «Private Banking», diesem in der Schweizer Filmszene lang erwarteten, im Vorfeld viel diskutierten Zweiteiler von Bettina Oberli. Die Berner Regisseurin wollte aus dem Stoff ursprünglich eine sechsteilige Serie machen, musste dann aber umbauen, weil die welschen Kollegen bereits an einer Serie zum Thema arbeiteten (siehe Zweittext).

Überraschende Wendungen

«Modern, emotional und konfliktreich erzählt», sei «Private Banking», findet SRF. Und, man kann sagen: Das stimmt. Der Film ist spannend, voller überraschender Wendungen, visuell brillant umgesetzt – und hervorragend besetzt. Dietrich Siegl etwa, der Carolines scheinbar gutmütigen Götti Edi Luchsinger gibt, ist grossartig. Aber man muss auch sagen: Die Geschichte, inklusive offenem Schluss mit Cliffhanger, liesse sich besser in sechsmal 45 Minuten erzählen, als Serie. Im total dreistündigen Zweiteiler passiert so viel, dass man das Gefühl nicht loswird, dass die Macher zu viel Handlung in die Zeit packen mussten.

Caroline verhindert, dass ihr geldgeiler Stiefbruder Alex die Bank verkauft. Sie erlebt, wie verheerend sich der Fall des Bankgeheimnisses auf die Geschäftslage des Unternehmens ausgewirkt hat. Sie findet heraus, wie viele unsaubere Geschäfte die Bank tätigt. Sie erfährt, dass ihr Vater Gründer eines Geldwäschereikonstrukts ist. Sie betrügt ihren Lebensgefährten mit einem jungen Bankberater.

Sie muss erfahren, dass es so gut wie unmöglich ist, als Privatbank nur saubere Gelder zu verwalten. Sie beschliesst, die Machenschaften der Bank öffentlich zu machen. Just, als sie SRF-Journalistin Patrizia Laeri, die sich selber spielt, die Informationen übergeben will, wacht ihr Vater auf. Und dann ist da noch die Geburt eines Babys, der Einbruch in ein geheimes Archiv. Und die alleinerziehende Juristin der Bank, die ihren Sohn mit ins Büro nehmen muss.

Schnelle Verwandlung

Ja: Die Handlungssprünge in «Private Banking» sind extrem. Die Verwandlung, die Caroline durchmacht, geht zu schnell und wirkt oft unglaubwürdig. Und die Auftritte von Prominenten (neben SRF-Laeri sind etwa Dominique Rinderknecht und Tamy Glauser als DJs zu sehen) wirken wie eine Konzession an die SRF-Zuschauer, die die Produktion mit ihren Gebührengeldern finanziert haben.

Und so ist man als Zuschauer nach diesem dreistündigem Extreme Banking regelrecht erledigt. Ein bisschen unwohl ist es einem auch. Fast möchte man ins Freie flüchten und sich die Kleider vom Leib reissen.

«Private Banking»: So, 17., und Mo, 18. Dezember, 20.05 Uhr, SRF 1

Berner Zeitung

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