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Die hippe Frau von nebenan

Ellen DeGeneres ist eine begnadete Showmasterin, lesbisch – und glücklich verheiratet.

Trautes Paar: Ellen DeGeneres (rechts) mit ihrer Frau Portia de Rossi.
Trautes Paar: Ellen DeGeneres (rechts) mit ihrer Frau Portia de Rossi.
Keystone

Ellen Lee DeGeneres kann alles. Sie tanzt mit Pop-Sängerin Britney Spears und dem südkoreanischen Rapper Psy den «Gangnam Style». Sie schmettert mit dem amerikanischen Bariton Josh Groban den Bonnie-Tyler-Hit ­«Total Eclipse of The Heart» im Duett. Sie erklärt dem Publikum ihrer «Ellen»-­Show das Weltall und bringt ihm bei, dass die Milchstrasse, der «Milky Way», keineswegs nur aus Karamellmasse bestehe.

Sie überrascht die gerade 15 Jahre alt werdende Paige, einen Justin-Bieber-Fan der eingefleischtesten Art, mit einem tollen Geburtstagsgeschenk – dem unvermuteten Besuch von Teenie-Idol Bieber in Paiges Jungmädchen- Zimmer, vor laufender Kamera. Da war vielleicht was los! Oder sie befragt, wie am Donnerstagabend geschehen, den amerikanischen Präsidenten darüber, ob er heute schon die Betten gemacht habe, weil Michelle mit den Töchtern doch gerade auf Reisen in China sei; der Präsident und Strohwitwer verneinte lächelnd.

Die Ausnahmekönnerin

Aber sie kann noch mehr. Auf der Bühne ist Ellen DeGeneres eine begnadete Stand-up-Komödiantin. Sie kann in eine gedachte Glasscheibe fallen und sich die schmerzende, ja blutbe­sudelte Stirn halten als ob und ihr ­Unglück verzweifelt belachen. Sie kann ihrer Freundin Nancy zuwinken und auf groteske Gegenmassnahmen umschwenken, weil sie plötzlich merkt, dass es gar nicht Nancy ist, der sie zugewinkt hat. Sie kann aktuelle Nachrichten vom Teleprompter ablesen und jede, ob Meteoriteneinschlag oder Promi-Hochzeit, mit einer eigenen emotionalen Tonlage versehen. Sie mampft laut und grunzend imaginäres Popcorn, weil sie das im Kino so stört. Grausam komisch. All dies vollbringt die Ausnahmekönnerin Ellen DeGeneres und noch vieles mehr vor einem Millionenpublikum ihrer «Ellen»-Show; nur hierzulande weiss es kaum jemand.

Hierzulande ist Ellen DeGeneres erst so richtig bekannt, seit sie die letzte Oscar-Nacht moderierte (nach 2007 zum zweiten Mal). Man erlebte eine 56 Jahre junge Frau, die so gut und ­locker drauf war, dass die schweren Parfumnoten von Selbstbeweihräucherung, die sich bei solchen Anlässen unter dem Dach des Dolby Theaters von Los Angeles zu stauen pflegen, wie weggeblasen wirkten. Ellen machte sich über Hollywoods Jugendwahn lustig, Ellen führte ein wunderhübsch pinkfarbenes Feenkleid mit Zauberstab und Krönchen vor, Ellen orderte und verteilte Big-Mama-­Pizza unter den Promis, Ellen schickte jenes berühmte und millionenfache re­tweetete Selfie via Twitter in die Welt, auf dem ein Dutzend fröhlicher Hollywood-Stars (und die DeGeneres inmitten) in die Video-Kamera lächelt.

Ein launiger Abend. Man verzieh ihr sogar, dass sie über den gealterten, erkennbar unter die Messer der Schönheitschirurgen geratenen (und in einen unvorteilhaften azurblauen Satinanzug gehüllten) «Cabaret»-Star Liza Minnelli (67) kräftig ablästerte: «Da im Publikum sitzt die beste Liza-Minnelli-Imitatorin, die ich je gesehen habe – gute Arbeit, mein Herr!» Nur die Transgender-Community stöhnte kurz auf.

Die Witzige

Ellen DeGeneres, 1958 in der Nähe von New Orleans geboren, brachte ihr Studium der Kommunikationswissenschaften gar nicht erst über das erste Semester hinaus, sondern warf sich mit Verve auf ihre Entertainer-Karriere als Bühnenstar. Schon 1982 wurde sie zur «witzigsten Person Amerikas» gewählt und war 1986 die erste Frau, die von Johnny Carson in seiner beliebten «Tonight Show» aufs Sofa gebeten wurde. Die Unterhaltungsserie «Open House» machte sie ab 1989 auch als Schauspielerin bekannt, ihre eigene Sitcom «Ellen» wurde von 1994 an bei ABC ausgestrahlt. Dass sie sich 1997 in der Folge «The Puppy Episode» als Lesbe outete, brachte allerdings das konservative Lager gegen sie und ihre Show auf; als auch noch Sponsoren absprangen, war Schluss mit lustig. Da half es nichts, dass sie in jungen Jahren Mitglied der Religionsgemeinschaft «Christian Science» gewesen war, ebenso­wenig, dass sie für «The Puppy Episode» sogar den begehrten Fernsehpreis Emmy gewann. «Ellen» wurde 1998 abgesetzt. Die Liaison von Ellen DeGeneres mit der Schauspielerin Anne Heche, die mit dem Coming-out bekannt wurde, hielt noch bis ins Jahr 2000.

2001 moderierte Ellen DeGeneres dann selber die Preisverleihung der Emmy Awards und formulierte frech: «Was kann die Taliban mehr ärgern, als eine lesbische Frau im Anzug in einem Raum voller Juden?» Das war kurz nach den Anschlägen vom 11. September. Inzwischen war DeGeneres mit der Sitcom «The Ellen Show» ins Fernsehen zurückgekehrt und schaltete 2003 auf ihre ei­gene Talkshow «The Ellen De­Generes Show» um, bei NBC. Das war fortan fünfmal die Woche der Sendeplatz, auf dem sie ihr überbordendes komisches Talent ausleben konnte: ihre ausgelassene, sehr direkte Fröhlichkeit ebenso wie ein in­szeniertes Um-den-heissen-Brei-­Herum­reden, das die Spassbremse gaaanz langsam löst. Das hat der Frau mit dem blonden Pagenkopf und den Funken sprühenden Augen über die Jahre sechs weitere Emmys und 2012 den insgesamt 2477. Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood eingebracht – sowie ein ­Vermögen von geschätzt 65 Millionen Dollar.

Die Kämpferin

Nach dem Wirbelsturm Katrina, der Ende August 2005 ihre Heimat New Orleans heimsuchte, engagierte sie sich stark für die Opfer; ihr Spendenaufruf erbrachte zehn Millionen Dollar. Immer schon setzt sie sich in der Organisation Pflag (Parents, Families and Friends of Lesbians and Gays) für die Rechte der Homosexuellen ein und ist Sprecherin des «Coming Out Project», das jungen Menschen bei der sexuellen Selbstfindung hilft. Sie gilt damit als einflussreichste Persönlichkeit unter den Lesben und Schwulen in den USA – und ist verheiratet, seitdem man das in Kalifornien ganz offiziell darf: nämlich mit der Schauspielerkollegin Portia de Rossi, der Nelle Porter aus der amerikanischen Anwaltserie «Ally McBeal». Die Trauung fand 2008 in Beverly Hills statt, ein schönes Paar. «Ich war noch nie glücklicher», sagte DeGeneres ein Jahr später. «Ich habe herausgefunden, wer ich bin. Und ich versuche jeden Tag ein besserer Mensch zu werden. Sie (Portia de Rossi) macht mich dazu.»

«Hip, attraktiv und gesund», so hat das Magazin «Shape» Ellen DeGeneres vor drei Jahren bezeichnet, «die moderne Version der Frau von nebenan». Am Donnerstagabend scherzte die hippe Ellen mit einem gut aufgelegten Barack Obama, der aus dem Weissen Haus zugeschaltet war. Es wurde eine Dampfplauderei vor allem über die Obama-­Familie. DeGeneres rang dem Präsidenten das Versprechen ab, alle Tattoos, die sich seine beiden Töchter dereinst beibrächten, an gleicher Stelle (!) bei sich selbst stechen zu lassen; und dass er das Ergebnis im Internet posten werde. Man darf gespannt sein. Der Präsident wiederum nannte das Oscar-Selfie von DeGeneres fröhlich einen «billigen Trick»; sie habe den «Haufen» Hollywood-Prominenz wohl nur deshalb vor die Kamera bekommen, weil sie die Stars mit der Big-Mama-Pizza gelockt habe.

Die Wahrheit sieht, nun wieder ganz im Ernst, etwas anders aus: Das «Wall Street Journal» hat vermeldet, dass die Zusammenrottung von Hollywood-Grössen für das Selfie-Shooting keineswegs eine von DeGeneres initierte Spontan-Aktion gewesen sei. Dahinter stecke der Telekommunikationsriese Samsung, der dem Sender ABC für die werbeträchtige Tat (das Foto wurde bis heute zum weitestverbreiteten Twitterfoto ever) mehrere Millionen Dollar zugesteckt habe. Allerdings nutze DeGeneres im Privatleben ein iPhone. Alles nur geschauspielert also, eine kleine Flunkerei. Auch das ist Hollywood.

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