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Die Frau, die für, vom, durchs Fernsehen lebt

Anke Engelke, Comedy-Star, will mit der bewährten Sketch-Show «Ladykracher» den alten Erfolg zurück.

Wer Anke Engelke nicht kennt, kennt sie eventuell doch. «Deutschlands Comedy Queen», wie die Presse sie nennt, hat so mancher Kinderkinofigur für die deutsche Fassung ihre Stimme gegeben: der Fischdame Dorie in «Findet Nemo», der Eisbärenmutter im «Kleinen Eisbär», dem Känguru in «Horton hört ein Hu!». So lebt die 42-Jährige ihre Innerlichkeit. Berühmt ist sie für das Gegenteil, die brachiale Sketch-Show «Ladykracher», die in der ersten Hälfte des Jahrzehnts lief und sich von Bürointrige über Schönheitswahn bis Sextrieb um den Erwachsenenalltag drehte. Engelke war brillant und eine Rarität dazu: deutscher Humor in weiblicher Inkarnation.

Heute Abend kommen frische «Ladykracher». Nach langer Pause startet in Engelkes angestammtem Sender Sat 1 eine neue Staffel. Man darf sich freuen auf das Spektakel dieser Frau, die bei ihren Stand-up-Einlagen die eigene Schönheit mit zähnefletschendem Grinsen konterkariert. In der Beauty haust die Bosheit. Man darf sich auch freuen auf eine Frau, die es schafft, immer neue Frauentypen zu verkörpern. Dieses permeable Gemüt hat bereits beeindruckend viele Seinsformen moderner Weiblichkeit verkörpert: Bonzen-Johanna, Blondchen Ulla, Proll-Britta, Öko-Ruth, Flo-die-frustrierte-Single. Nun pflanzt sie sich weiter fort: Als geschäftstüchtige Tattooshop-Besitzerin, kinderliebe Sondereinsatzkommando-Beamtin, kuriose Millionärsgattin werde man Engelke sehen, kündigt Sat 1 an.

Klingt spassig, doch die Lage ist ernst. Engelke steht am entscheidenden Punkt ihrer Karriere, die nicht nur zu knicken, sondern abzubrechen droht. Dass sie ihr stärkstes Format reanimiert, hat wohl mit einem schlimmen Misserfolg zu tun. 2004 trat sie bei Sat 1 die Nachfolge von Spätnacht-Gastgeber Harald Schmidt an, mit gut 40 Millionen Euro war ihr Dreijahresvertrag für «Anke Late Night» dotiert. Sie scheiterte binnen Monaten an den schlechten Quoten. Die Presse kommentierte das Debakel auffallend misogyn. «Wer will sich abends von einer Frau die Welt erklären lassen», fragte die «Süddeutsche Zeitung». Danach konnte Engelke mit der Show «Ladyland» nicht mehr ganz an die frühere Überfliegerinnenzeit anknüpfen. Hart für sie, die schon mit 14 fürs ZDF Kindersendungen moderierte. Sie lebt für, vom und durch das Fernsehen.

Immerhin, möglicherweise hätte sie einmal aus dem TV-Universum fliehen können, Richtung Journalismus. Alice Schwarzer, Deutschlands Feministin Nummer eins, schätzt sie. Ihr Interview mit Engelke vor fünf Jahren bleibt eines der wenigen Gespräche, bei denen diese nicht schnoddrig wirkte, sondern warm und nachdenklich. Und besorgt angesichts der Berufsperspektiven für alternde Comedy-Queens. Auf Schwarzers Bemerkung, komisch könne man bis 100 sein, antwortete Engelke: «Im deutschen Fernsehen nicht. Da sehen ja sogar die Journalistinnen aus wie die Models.» Witterte Schwarzer, Chefin der Emanzipationszeitschrift «Emma», hier eine stille Verzweiflung? Vor zwei Jahren brachte sie an einer Pressekonferenz Engelke als ihre Nachfolgerin ins Spiel. Alle Welt rätselte, ob es ernst gemeint sei oder ein Scherz. Vermutlich ironisierte Schwarzer ihr eigenes Problem: dass innerhalb der Pressezunft keine Nachfolgerin in Sicht war. Engelke blieb dann beim Fernsehen. Auf Gedeih und Verderb ist sie eine Komödiantin. Heute Abend lachen wir wieder dank ihr.

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