Die Angst des SRF vor linken Themen

Der Sender hält einen weiteren Politfilm zurück. Er handelt von der Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Badran.

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Linus Schöpfer@L_Schoepfer

Die Posse um den SRF-Film über den österreichischen EU-Turbo Robert Menasse und den Schweizer Literaturkritiker Stefan Zweifel ist seit gestern um ein Kapitel reicher. Kurzfristig wurde die Sendung aus dem attraktiven Sonntagabendprogramm gekippt, dann als Podcast wegen seines angeblich eminent politischen Charakters näher an die Wahlen herangerückt. Jetzt die nächste Kehrtwende: Auch der Podcast wird erst nach den Wahlen aufgeschaltet, in der Nacht des Wahltags. «Sie wählten eine Variante des Ground Zero», sagt Zweifel gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz.

Man habe erst jüngst davon erfahren, dass Zweifel für den Nationalrat kandidiere, verteidigt sich SRF gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz. Falsch, kontert der Literaturkritiker, der für die Liste «Kunst + Politik» antritt. Er habe den Sender im Juli, also weit vor dem Dreh, über sein politisches Engagement informiert. Diese Information sei leider bis vor kurzem nicht zur Redaktionsleitung gelangt, sagt SRF dazu.

So oder so mutet die Argumentation des Senders merkwürdig an, berichteten die Medien doch schon im Sommer breit über die prominenten Kandidaten von «Kunst + Politik» (so auch Bernerzeitung.ch/Newsnetzam 15. Juli).

«Die Leute haben Paranoia»

Kurz nach der Causa Menasse wurde die Verschiebung eines Dokfilms des linken Filmemachers Yusuf Yesilöz bekannt; die Zeitung WOZ machte in ihrer heutigen Ausgabe eine dritte politisch motivierte Programmänderung publik. Bereits im Herbst letzten Jahres habe SRF ein Porträt der Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Badran gedreht, doch noch immer lagere der Film im Leutschenbach-Vorrat. Erst sei er wegen der RTVG-Abstimmung verschoben worden, nun wolle SRF lieber bis nach den Wahlen warten. «Die Leute haben Paranoia», sagt Badran gegenüber der WOZ. Es herrsche eine riesige Angst, dass SRF als linkes Staatsfernsehen verschrien werden könnte. SRF betont seinerseits, die Programmentscheidung sei autonom und ohne äusseren Einfluss gefällt worden.

Nächste Woche dürfen die SRF-Programmverantwortlichen aufatmen. Spätestens ab Donnerstag wird ihnen kein weiterer Fauxpas mehr unterlaufen, denn dann dürfen laut den publizistischen Richtlinien überhaupt keine Sendungen mehr stattfinden, die mit der Wahl in Verbindung gebracht werden könnten. Sogar die «Arena» fällt aus. Oder, mit Literaturkritiker Zweifel gesagt: Es herrscht «Ground Zero».

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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