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Der Russe ist nicht böse

Die «Tatort»-Folge «Väterchen Frost» aus Münster war amüsant, aber das Stockholm-Syndrom erledigte die Spannung.

Auf dem Weihnachtsmarkt war alles noch friedlich: Thiel und Boerne im Gespräch mit Staatsanwältin Wilhelmine Klemm. Foto: NDR
Auf dem Weihnachtsmarkt war alles noch friedlich: Thiel und Boerne im Gespräch mit Staatsanwältin Wilhelmine Klemm. Foto: NDR

Es beginnt besser, als es aufhört – und das in jeder Hinsicht: Weihnachtsmarkt in der Innenstadt von Münster, ausgelassene Stimmung, Glühwein trinkende Kommissare, die sich auf ein paar freie Tage freuen – alles Friede, Freude, Eierkuchen! Wären da bloss nicht die aufmerksam beobachtenden Blicke von Weihnachtsmännern, die sich hinter ihren weissen Rauschebärten verbergen. Auch die unheimliche Musik von Fabian Römer zu den coolen Filmschnitten lässt nichts Gutes erahnen im neuen «Tatort» «Väterchen Frost».

Der Mordfall schien abgeschlossen, der böse Russe gefunden – aber der Vater des verdächtigen, jedoch unschuldig dreinblickenden Kirill Gromow hat etwas gegen das wegen Hustenattacken im Gerichtssaal aufgeschobene Urteil. Er entführt die Polizei-Assistentin Nadeshda Krusenstern und setzt Druck auf: Der Fall soll noch einmal aufgerollt werden.

Dagegen wiederum hat ein düsterer Mann mit einer richtig fiesen Fistelstimme was. David Bennent spielt diese Rolle grossartig (Sie wissen schon: Der Junge aus der «Blechtrommel»). Die an sich interessante Anlage der Story wird dann mangels raffinierter Dramaturgie aufgeladen, ja überladen mit allen möglichen und unmöglichen Geschichten und Nebengeschichten: Juwelenschmuggel, Rockermafia, Abenteurerurlaub und eine Entführung mit dem voraussehbaren Stockholm-Syndrom, das der Spannung abträglich ist. Es ist zu viel Material bei zu wenig Gestaltung!

Happy End mit Champagner

Wieso hat sich dieser «Tatort» dennoch gelohnt? Es waren einmal mehr die witzigen, manchmal auch traurigen, aber immer schlagfertigen Dialoge zwischen Frank Thiel (Axel Prahl) und Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers). Unabhängig von dem Fall, an dem man das Interesse zunehmend verliert, entwickeln sie eine kommunikative Eigendynamik, welche die überstrapazierte und überdrehte Story in den Schatten stellt.

Thiel, der bodenständige Biertrinker mit dem St.-Pauli-Shirt, steht dem filigranen Bildungsbürger Boerne gegenüber, der Wein bevorzugt und sich in klassischer Musik bestens auskennt. Aufs Maul gefallen sind beide nicht, und die Gespräche garantieren stets Witz und Tempo – genau das, was dem Fall in «Väterchen Frost» ansonsten abgeht. Am Schluss ist der Fall wirklich gelöst, und die beiden Männer werden Heiligabend schliesslich nicht allein verbringen müssen – zu einer Flasche Champagner nämlich lässt sich Thiel bei besonderen Anlässen schon überreden.

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