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Das Weltall bekommt Angst vor ihm

Der 56-jährige Peter Capaldi spielt ab heute die Hauptrolle in «Doctor Who», der weltberühmten BBC-Serie.

Als sein Agent ihn in Prag mit der Nachricht überraschte, er könne die Hauptrolle der Serie haben, wenn er sie wolle, glitt der Schauspieler benommen durch die Stadt und summte die Erkennungsmelodie. Sagt er jedenfalls. Und man glaubt es ihm. Das Gleiten und das Summen. Denn die Serie geht vielen nach, die «Doctor Who» gesehen haben, diese ebenso grelle wie originelle Science-Fiction der BBC.

Mit Peter Capaldi, dem markanten Schotten aus Glasgow, bekommt sie ihren zwölften Hauptdarsteller. Dass das überhaupt geht, ist in der Geschichte selbst angelegt. Der Doktor ist ein Reisender durch Zeit und Raum, ein Alien in Menschengestalt, der einmal pro Episode die Welt rettet oder wenigstens seine Umgebung; und der alle paar Jahre zu einem neuen Körper mutiert. Das ist praktisch für eine Serie, die seit über fünfzig Jahren läuft, in über 200 Ländern gezeigt wird und es auf 800 Episoden gebracht hat. Heute Abend zeigt die BBC die erste Folge der 35. Staffel.

Obwohl der 56-Jährige dem «Guardian» sagte, er habe «Doctor Who» sein Leben lang geschaut und wisse mit einer Zeitmaschine umzugehen, obwohl er schon mit 15 einen obsessiven Fanbrief über die Serie versandte, musste er sich das Rollenangebot überlegen. Nicht um sich wichtig zu machen. Sondern weil er wusste, was ihm bevorstehen würde. Und so kam es auch: Paparazzi drängten in seinen Garten, Journalisten passten ihn vor dem Haus ab, er stand vor gierigen Kameras und Mikrofonen, es gab seitenlange Analysen, manisches Irresein im Internet, denn die Fans sind noch verrückter als die Serie, kurz: Peter Capaldi ist weltberühmt geworden.

Ein Oscar für Regie

Das hat ein wenig mit dem Schauspieler und eine Menge mit seiner Rolle zu tun. Capaldi hat in über vierzig Filmen und Fernsehstücken gespielt und als Regisseur einen Oscar gewonnen für einen Kurzfilm über Franz Kafka. Und er hat sich mit einer anderen Serie erfolgreich empfohlen, der politischen Satire «The Thick of It» über einen Spin Doctor im Auftrag des britischen Premierministers. Capaldi spielt und improvisiert darin den professionellen Intriganten Malcolm Tucker mit hohem Intellekt und tiefer Verachtung. Und einer Häufung von Flüchen, Beschimpfungen und Verhöhnungen auf einem rhetorischen Niveau, dass man sich das Fluchen als olympische Disziplin wünscht und ihn zum permanenten Sieger küren würde. «Du bist so nützlich wie ein Vibrator aus Marzipan» herrscht er einen Minister an. Malcom Tucker, wie Peter Capaldi ihn spielt, ist ein Sprach­füsilier.

Jetzt wird aus dem Spin Doctor der Doctor Who. Das Weltall wird vor ihm Angst bekommen. Ihn interessiere am meisten die Verdüsterung seiner Rolle, hat Capaldi angekündigt. Die Serie bezieht ihren Reiz aus der Skurrilität der Figuren und der grotesken Handlung, sie sieht aus wie ein überteuerter B-Movie, sie kombiniert demonstrativ schlechten Geschmack mit fantastischen Kulissen. Wobei, wenn man Capaldi fragt, hat er eine andere Erklärung für den Erfolg parat, sie ist einfach: «Alle lieben Monster.»

Wie man ihn kennt, will er das schlimmste sein von allen.

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