Blutiger Bruderzwist

Jürg Mosimann, ehemaliger Sprecher der Kantonspolizei Bern, meldet sich in unregelmässigen Abständen zum «Tatort» zu Wort.

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Wenn ich gefragt würde, mit welchen «Tatort»-Kommissaren ich am liebsten ein Bier trinken würde, dann fiele meine Wahl auf das Duo Lessing (Christian Ulmen) und Kira Dorn (Nora Tschirner). Warum? Weil die beiden als Team harmonieren. Weil sie sich in ihrer Ermittlungsarbeit prächtig ergänzen. Lessing ist ein Schnelldenker. Sein analy­tischer Verstand ist Gold wert. Im Gegensatz zu ihm setzt seine Kollegin und Lebenspartnerin Kira Dorn auf ihr Bauchgefühl. Sie ist äusserst schlagfertig und verfügt über eine gehörige Portion Sarkasmus.

Es waren diese mannigfachen Fähigkeiten und Eigenheiten, die ihnen in der gestrigen Folge «Der kalte Fritte» die Ermittlungsarbeit erleichterte. Neben aller Brisanz und Dramatik war der Plot aber auch mit zahlreichen Gags gespickt. Kein Wunder: Stammte das Drehbuch doch aus der Feder des bekannten deutschen Comedyautors Murmel Clausen. Er und Regisseur Titus Selge gaben den beiden Kommissaren Gelegenheit für Witz und gute Wortspiele. Sie liessen sie allerdings auch in die Abgründe menschlicher Seelen blicken.

Doch selbst zwei Leichen im Schlafzimmer eines Milliardärs vermochten Dorn und Lessing nicht aus dem Konzept zu bringen – dafür auf die Spur zweier ungleicher Brüder. Einer war Bordellbesitzer mit ziemlich viel Dreck am Stecken. Der andere betrieb einen maroden Steinbruch und kämpfte gegen die drohende Insolvenz. Zwischen ihnen schwelte seit Jahren ein Konflikt. Als sich Existenzängste, Intrigen und aufgestauter Zorn entluden, eskalierte die Stimmung, und der Witz im Film wurde endgültig aus der Handlung gesprengt.

Mit der Kaffeemaschine im Haus des Milliardärs gab es jedoch noch ein weiteres Opfer. Nach dem Mord an ihrem Mann demonstrierte die schöne, aber etwas unterbelichtete Witwe den Kommissaren, wie man auf die Schnelle guten Milch­kaffee macht. Sie schüttete die Milch ins Wasserfach, schaltete das Gerät ein und – päng! (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.02.2018, 09:22 Uhr

Jürg Mosimann

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