Tatort: Lebenslüge führte ins Verderben

Jürg Mosimann, ehemaliger Sprecher der Kantonspolizei Bern, meldet sich in unregelmässigen Abständen zum «Tatort» zu Wort.

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Wenn die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) ermitteln, haben Mörder keine Chance. Gehören die beiden Urgesteine doch zu den absoluten Routiniers in der Reihe «Tatort». Aufklärungsquote hundert Prozent!

In der jüngsten Folge «Familien» lösten sie ihren 73. Fall. Und der hatte es in sich. Regisseurin Christine Hartmann bearbeitete das Drehbuch von Christoph Wortberg derart subtil, dass die beiden Kommissare einmal mehr die Erfahrung machen mussten, dass im Rahmen von Ermittlungen gewisse Dinge nicht so sind, wie sie auf Anhieb scheinen.

Das ging mir vor dem Verfassen dieser Kolumne ähnlich: In einzelnen Medien wurde der Film als eher banal und ohne Spannung bezeichnet. Im Gegensatz dazu habe ich in einer TV-Zeitschrift gelesen, dass mich ein «intensives Rätselraten mit reichlich Gefühl» erwartet. Stimmt. Ich sah zwar keinen Thriller, über den man noch lange sprechen wird. Aber ich sah einen klassischen Krimi ohne gesellschaftspolitischen Mahnfinger und ohne Spuk- und Wahnwelten.

Die Kommissare bekamen es mit einem Fall zu tun, wie es ihn im wirklichen Leben auch geben könnte. Der Versuch, aus reiner Liebe mit einer Lebenslüge ein Familiengeheimnis zu bewahren, endete für zwei Familien in einer Katastrophe. Für die Kommissare Ballauf und Schenk wurde dieser Fall so etwas wie ein Balanceakt zwischen rationaler Ermittlungsarbeit und Seelsorge. Grosses Einfühlungsvermögen war gefragt, als sie einer jungen Mutter vom gewaltsamen Tod ihres zukünftigen Ehemannes berichten mussten.

Gut, dass es auch noch amüsante Nebenschauplätze gab. Dafür sorgten die Geplänkel zwischen den Kommissaren und dem ständig essenden, aber äusserst wertvollen Kripoassistenten Jütte (Roland Riebeling). Zu guter Letzt komme ich aber nicht um eine Rüge an die Adresse der Kommissare herum. Sie haben den Eltern verschwiegen, dass ihr entführtes Kind nicht mehr lebt, um bei der Lösegeldüber­gabe den Täter fassen zu können. Zwar nachvollziehbar, aber nicht korrekt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.05.2018, 07:55 Uhr

Jürg Mosimann

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