TV-Kritik: Unkompliziertes Paarungsverhalten

TV-Kritik

Wieder schmeissen sich bei «The Bachelor» Frauen mit allen Mitteln an einen Kerl. Doch das dümmliche Konzept ist ein «Guilty Pleasure».

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Gabriela Braun@tagesanzeiger

Sie heissen Carmen, Lorena oder Vanessa, und sie wünschen sich nur eines: den Bachelor für sich allein zu haben. Seit gestern buhlen wiederum 20 Frauen jeden Montagabend um den Rosenkavalier. Sie wollen die anderen 19 Frauen ausstechen im Kampf um den Mann, der ihnen von den Machern des Senders 3+ vorgesetzt wird. Dafür ist ihnen fast jedes Mittel recht. Klar, muss er gut aussehen und ein Lieber sein, sagen die Frauen – die in der Sendung konsequent Ladys genannt werden – in die Kamera. Doch das ist der Bachelor, der derzeit «als der begehrteste Junggeselle» angepriesen wird, ja ziemlich sicher.

Als sie ihn dann endlich das erste Mal sehen, in dunklem Anzug, weissem Hemd und dem Haar, dessen Strähnen ihm immer wieder neckisch ins Gesicht fallen, halten sie alle den Atem an. «Ein megaschöner Mann», haucht die eine Lady mit ernstem Blick. «Ein Mann, heiss wie Wodka», säuselt die andere. Die Rothaarige findet, er habe was von Brad Pitt. Und eine weitere ruft triumphierend: «Hey, er hat einen Knackarsch!»

Die äusseren Werte scheinen zu stimmen, der Kampf um den einzigen Mann in der Mietvilla auf der thailändischen Insel Ko Samui ist lanciert. Die Frauen geben alles in der zweiten Staffel der erfolgreichen TV-Show «Der Bachelor». Sie sind bereit für das «Abenteuer ihres Lebens», wie eine tiefe Männerstimme aus dem Off dramatisch sagt.

«Eine Mischung aus Partygirl und chillen daheim»

Die 20 Ladys wollen den Bachelor überzeugen. «Und da wird die Stylingfrage überlebenswichtig» – (wieder die Offstimme). Sie stylen sich deshalb alle ausgiebig und mit Hingabe. Sie zeigen den Rivalinnen ihre Roben, Röcke und High Heels, die sie auf die Ferieninsel mitgeschleppt haben – und tunken ihre Gesichter immer tiefer in die Schminktöpfe. Die eine Blondine sagt, sie plane beim ersten Aufeinandertreffen mit dem Bachelor, die Haare offen zu lassen – «so mit Löckli und Heidi-Klum-mässig», weil sie ja auch blond sei. Die hübsche Blondine Carmen, aus dem zugerischen Allenwinden, träumt bereits von einem gemeinsamen Leben zu zweit, obschon sie den Bachelor noch gar nicht getroffen hat. Sie wünsche sich ein Leben zwischen Familie und Jetset, denn sie sehe sich als «eine Mischung aus Partygirl und chillen daheim». Die 28-jährige Lorena dagegen wünscht sich als Erstes ein Action-Date. Die brünette Polizistin aus dem Aargau gibt sich natürlich und bodenständig – und will damit überzeugen.

Als Zuschauer fragt man sich währenddessen, weshalb sich all die Frauen für diese doch sehr einfach gestrickte Kuppelshow hergeben. Weshalb sie bei einer Sendung mitmachen, die vom Frauenbild her derart altbacken ist, dass es einen schaudert. Und warum dieses TV-Format noch immer derart häufig – wenn auch häufig heimlich – geschaut wird. Die erste Staffel von «Der Bachelor» des Senders 3+ galt als Erfolg. Vielleicht deswegen, weil die Rollenverteilung so schön klar ist und das Paarungsverhalten von Mann und Frau deswegen unkomplizierter erscheint? Im Sinne von: Früher war noch alles so einfach. Der Mann schenkt seiner Angebeteten eine Rose, und sie kriegt weiche Knie.

Kandidatinnen bezeichnen sich gegenseitig als billig

Der Erfolg ist wohl eine Mischung aus allem: den traditionellen Geschlechterrollen, dem Beobachten des Paarungsverhaltens attraktiver Menschen, zahlreichen Zickenkriegen und Zungenküssen. Denn dass der Bachelor Vujo nicht bloss eine Lady näher kennen lernen wird, zeigen die zahlreichen Einspielungen, die dem Zuschauer immer wieder gezeigt werden. Vujo beim Küssen, Knutschen, Fummeln, gegenseitigen Einseifen – immer schön mit wechselnden Gespielinnen. Die Beteiligten scheinen dabei konzentriert bei der Sache zu sein – für die TV-Aufnahmen. Die Kandidatinnen küssen den Bachelor kameragerecht und halten ihre Décolletés gut sichtbar in des Zuschauers Wohnzimmer. Es wird deshalb richtig komisch, wenn in diesem Setting die Kandidatinnen damit beginnen, übereinander herzuziehen, und in süsslich-gemeinem Ton urteilen, die andere sei «schon unterste Schublade, billig oder ein bisschen eine Schlampe». Entschuldigung, sind das nicht alle Kandidatinnen? Geht es in dieser TV-Sendung nicht genau darum?

Ach ja, zum Bachelor gibts so viel zu sagen: Er sieht gut aus, keine Frage. Vujo Gavric ist blond, blauäugig und hat einen sportlichen Körper. Seinen Waschbrettbauch lernt man dabei besonders gut kennen. Wir sehen ihn von unten, von oben und schräg von der Seite, nass unter der Dusche, am Pool, auf der Wiese liegend. Der 27-Jährige wohnt in Zürich, spielt in der 1. Liga Fussball, fährt in Thailand ein BMW-Cabrio und sucht die grosse Liebe. Er sei romantisch, doch man könne auch mit ihm feiern und «mit mir über den Putz hauen». Schade eigentlich, dass der Typ auch seinen Mund aufmacht.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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