Selbstverständlich schwarz

Werden schwarze Schauspieler in TV, Film oder Theater verpflichtet, müssen sie oft in stereotype Rollen schlüpfen. Dass es auch anders geht, beweist unter anderem die Serie «Scandal».

Kerry Washington schreibt mit der Dramaserie «Scandal» US-Fernsehgeschichte.

Kerry Washington schreibt mit der Dramaserie «Scandal» US-Fernsehgeschichte.

(Bild: zvg/ABC)

Stefanie Christ@steffiinthesky

«Warum hast du dem schwarzen Kind nicht zugenickt? Du musst ihm zunicken!» Andres Vater ist wütend über seinen Spross. Der Kleine scheint sich überhaupt nicht für andere Schwarze zu interessieren und spielt lieber mit weissen Nerds Unihockey. Für den stolzen afroamerikanischen Vater ein Albtraum. Nur die Mutter bewahrt einen kühlen Kopf: «Sei doch froh, dass dein Kind nicht auf die Hautfarbe achtet.»

«Black-ish» heisst die eben gestartete Sitcom aus den USA und sie thematisiert das «Schwarzsein» einer afroamerikanischen Familie. Die Serie tritt damit das Erbe der im Juni zu Ende gegangenen Animationsserie «The Boondocks» an.

Problembehaftete Rollen

Oft rücken Produktionen mit schwarzen Hauptdarstellern die Hautfarbe ins Zentrum – nicht nur im US-Fernsehen, sondern auch in Hollywood. Wenige der schwarzen Darstellerinnen und Darsteller, die für einen Oscar nominiert waren, spielten einen Part, der unabhängig von der Hautfarbe funktioniert.

Forest Whitaker und Jamie Foxx wurden für Biopics über Schwarze geehrt, Chiwetel Ejiofor spielte einen Sklaven, Octavia Spencer eine Haushälterin, Sophie Okonedo eine Hotelbesitzerin in Ruanda während des Kriegs.

Spezifisch schwarze Rollen kennt man vor allem aus dem Theater (siehe Kasten «Schwarze Rollen»). Klassischerweise spielt ein Schwarzer Othello – nicht Romeo. Immerhin schlüpfte dieses Jahr am Broadway die afroamerikanische Darstellerin Condola Rashad in die Rolle der Julia.

Romantische Rollen sind für Hollywood nach wie vor ein Tabu: Wird ein schwarzer Darsteller für eine Hauptrolle besetzt, wird ihm vornehmlich eine schwarze Frau oder eine Latina zur Seite gestellt – ein Umstand, den etwa Will Smith nach der Komödie «Hitch» öffentlich kritisierte.

«Scandal» machts vor

Das US-Fernsehen ist da etwas weiter. Schon in «Sex and the City» gabs Geschlechtsverkehr zwischen weissen Hauptdarstellerinnen und Schwarzen, und auch in der aktuellen Produktion «Mistresses» hat Alyssa Milano eine Affäre mit einem schwarzen Mitarbeiter.

Doch nur «Scandal» schafft das Unmögliche: Kerry Washington spielt eine Problemlöserin im Weissen Haus, die eine Affäre mit dem – notabene republikanischen – Präsidenten hat. Ihre Hautfarbe ist weder in Bezug auf den taffen Job noch auf die Beziehung ein Thema und wird in bisher drei abgeschlossenen Staffeln nur wenige Male erwähnt.

Washington ist erst die zweite Schwarze, die für eine dramatische Serienhauptrolle besetzt wurde (die erste war 1974 Teresa Graves in der Krimiproduktion «Get Christie Love!»). Brittney Cooper, Gender-Professorin an der Rutgers University New Jersey, zeigt sich in der «New York Times» beeindruckt von Washingtons Rollenprofil: «Wir kriegen keinen Archetypen vorgesetzt, keinen Stereotypen, sondern ein differenziertes menschliches Wesen.» Beschämend, dass dies nicht selbstverständlich ist.

Berner Zeitung

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