Könnte es Zombies wirklich geben?

In dieser Rubrik beantworten unsere Redaktorinnen und Redaktoren häufig gegoogelte Fragen.

Szene aus George Romeros Zombie-Klassiker «Dawn of the Dead» (1979). Foto: PD

Szene aus George Romeros Zombie-Klassiker «Dawn of the Dead» (1979). Foto: PD

Philippe Zweifel@delabass

Als Fan von Zombie-Filmen bin ich versucht zu sagen: Wie toll wäre das denn! Endlich Action, raus aus dem Büroalltag, zeigen, was man im Angesicht der Apokalypse und den Pizzagesichtern drauf hat. Messer raus und rein in die Hirne der Untoten, die eh zu langsam sind, einen zu erwischen.

Aber ich lasse mich mitreissen, kommen wir zum Wesentlichen. Kenner der Hit-Serie «The Walking Dead» wissen, dass Zombies das Ergebnis von Neuronen sind, die im Gehirn herumfeuern. Laut Peter Cummings, einem Neuropathologen an der Boston University und Berater der Zombie Research Society (ja, so etwas gibt es), ist das Quatsch, aber der Wissenschaftler verweist auf die europäische Schlafkrankheit, eine atypische Form von Enzephalitis. Diese befällt das Gehirn und hinterlässt die Opfer sprachlos. Abnorme Augenbewegungen und Verhaltensänderungen sowie eine gestörte Motorik können weitere Symptome sein.

Ungeheuer in Mythen oder Horrorfilmen stehen stets für bestimmte Ängste in bestimmten Zeitperioden.

Okay, das sind keine richtigen Untoten, die Menschen leben ja noch. Doch was ist mit dem Pilz aus der Gattung Ophiocordyceps? Der dringt in seine Opfer ein und übernimmt die Kontrolle über den Körper des Wirts, um sich dort zu vermehren. The Walking Dead! Zugegeben, der Wirt ist eine Ameise, kein Mensch. Na gut. Es gibt keine Zombies. Und trotzdem leben die Untoten. Wenn ich jetzt sagen würde, dass ein Zombie in den Raum geplatzt ist, in dem ich dies schreibe, und mich mit seinem Feueratem angebrutzelt hat, könnten Sie zweierlei antworten. Erstens: «Hurra, geschieht ihm recht, wieso schreibt er auch über diese blöden Zombies!» Oder zweitens: «Das ist unmöglich, Zombies können nicht Feuer speien!» Mit Letzterem haben Sie recht. Genauso wie es richtig ist, dass es keine Drachen gibt, aber diese Flügel und Feueratem haben, oder wie wir sicher sind, dass Vampire nicht existieren, aber sie sich in Fledermäuse verwandeln können.

Ungeheuer in Mythen oder Horrorfilmen stehen stets für bestimmte Ängste in bestimmten Zeitperioden. Frankensteins Kreatur für die Gefahren einer unkontrollierten Wissenschaft, Godzilla stellt die atomare Verseuchung dar, Vampire symbolisieren ungezügelte Sexualität. Beim aktuellen Zombie-Hype wiederum ist es die Angst vor Seuchen oder anderen Katastrophenszenarien beziehungsweise die Frage, wie unsere Gesellschaft dann aussehen würde. Darauf gibts übrigens ebenfalls eine wissenschaftliche Antwort. Amerikanische Mathematikstudenten haben berechnet, wie schnell sich eine filmtypische Zombie-Seuche ausbreiten würde: Nach 100 Tagen wären weltweit weniger als 300 Menschen am Leben.

Vielleicht doch lieber Büroalltag.

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