«Jeder landet früher oder später beim SF»

Video-Interview

Vom SF-Kritiker zum SF-Mitarbeiter: Roger Schawinskis neuer Job gibt zu reden. Einschätzungen der Medienexperten Jürg Wildberger und Kurt W. Zimmermann.

Philippe Zweifel@delabass

Roger Schawinski kehrt nach 34 Jahren zum Schweizer Fernsehen zurück, wo er seine journalistische Laufbahn begonnen hat. Fernsehdirektor Rudolf Matter sprach heute an einer eigens zum Schawinski-Comeback einberufenen Medienkonferenz von der «Rückkehr des verlorenen Sohns».

Eine Rückkehr, die auch Fragen aufwirft. In den vergangenen Jahrzehnten ist Schawinski zu einem der schärfsten Kritiker der SRG avanciert, die zu seinem Unmut lange Zeit alleinige Gebührenempfängerin und Inhaberin von Sende-Konzessionen war. Verliert Schawinski durch die Annahme des Angebots an Glaubwürdigkeit, wie es ihm viele Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnetz vorwerfen? «Kaum, die neue Sendung wird über seine Glaubwürdigkeit entscheiden», sagt Jürg Wildberger. Kurt W. Zimmermann wiederum findet, dass Journalisten am Ende alles gute Freunde seien, die sich hin und wieder Scheingefechte lieferten: «Jeder Journalist will die bestmögliche Plattform für seine Botschaften, Schawinskis Verhalten ist insofern nur konsequent.»

Apropos Botschaft: Der Zeitpunkt von Schawinskis SRG-Rückkehr kommt kurz nach Amtsantritt von Roger de Weck. Beide Journalisten gelten als EU-Befürworter und SVP-Kritiker. Wurde Schawinski also von de Weck an Bord geholt? Dazu wollen sich weder Wildberger noch Zimmermann äussern. Laut «Blick» war es der neue TV-Direktor Rudolf Matter, der Schawinski an Bord geholt hat. Matter und Schawinski würden sich demnach «seit vielen Jahren bestens verstehen».

Weiterhin Kritik an der SRG

Die neue Führung bestehe aus Journalisten, nicht mehr aus Marketingleuten, sagte Schawinski mit einem Seitenhieb auf den alten SRG-Boss Armin Walpen heute an der Medienkonferenz. Trotzdem werde er weiterhin Kritik an der SRG üben. Tatsächlich? Ist der SF-Job nicht doch ein versteckter Maulkorb? Eine solche Strategie seitens der SRG kann Jürg Wildberger nicht erkennen. Zwar sei es so, dass tendenziell alle SRG-Kritiker verstummen – das sei aber strukturell bedingt: «Weil wir in der Schweiz keine starke private Konkurrenz haben, landet jeder, der gerne Fernsehen macht, früher oder später beim SF.»

Laut Wildberger werde Schawinskis Talkshow wegen des Sendeplatzes am späten Montagabend kein Massenpublikum ansprechen. Sei die Sendung aber gut gemacht, werde sie bestimmt zur Sender-Reputation beitragen – Schawinski sei einer der besten Talker im Land. Auch Zimmermann ist überzeugt, dass die Sendung gute Aussichten auf Erfolg hat. «Ein Monopolmedium muss achtgeben, dass es nicht zwanghaft ausgewogen und somit langweilig wird, was etwa bei den ARD-Sendungen der Fall ist. Schawinski polarisiert, das ist eine gute Voraussetzung, dass die Zuschauer nicht einschlafen.»

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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