Giacobbos Sprücheklopfer

Nicht alle Pointen in ihrer Sendung sind Victor Giacobbo und Mike Müller selbst eingefallen, einige stammen aus der Feder des 27-jährigen Marc Perler aus Ueberstorf.

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«Da ist wahrscheinlich kein Gott. Also sorg dich nicht, geniess das Leben!» Plakate mit diesem Spruch sorgten Ende 2009 in der Schweiz für Schlagzeilen – und waren ein gefundenes Fressen für das Komikerduo Victor Giacobbo und Mike Müller. In ihrem Magazin zogen sie die «Atheisten-Werbekampagne» weiter: «Im ‹Blick› steht wahrscheinlich nichts Neues. Sorg dich nicht und kauf ihn trotzdem.» Die Boulevardzeitung feierte damals gerade ihr 50-Jahr-Jubiläum.

Versammelt vor der Mattscheibe

Allerdings kam der Spruch nicht vom Duo selbst: Es war dies der erste Beitrag von Marc Perler, der in die Sendung «Giacobbo/Müller» des Schweizer Fernsehens aufgenommen wurde. «Ich sass mit meiner Familie zuhause vor dem Fernseher», erinnert sich der heute 27-Jährige. Und grinst: «Das war vielleicht ein Fest!» Erst kurze Zeit zuvor war er über einen Zeitungsartikel gestolpert – das Porträt eines jungen Ostschweizers, der für «Giacobbo/Müller» Sprüche schreibt. Daraufhin habe auch er einfach einmal sein Glück versucht und einige Kolumnen zu aktuellen Themen eingeschickt.

«Ich durfte danach bei zwei, drei Sendungen probehalber mitwirken», erzählt der in Flamatt aufgewachsene Marc Perler. Seine «Blick»-Premiere blieb nicht die letzte Pointe, die Anklang fand – bis heute schreibt Perler regelmässig für die Sendung. Bezahlt wird er nach verwendeten Inputs, etwa 70 Franken gibt's pro Stück, wie Victor Giacobbo unlängst in einem Interview verriet.«Im Schnitt sind es etwa drei bis vier Pointen pro Sendung. Selten sind es auch mal zehn, oder aber gar keine.» Wohlgemerkt: Es geht in erster Linie um den Wochenrückblick. «Es ist nicht etwa so, dass Victor und Mike gar nichts machen würden», betont er.

Süchtig nach Aktualität

Während Marc Perler von seinem nicht alltäglichen Job berichtet, schaut er, fast wie in Trance, aus dem Zugfenster. Das mache er viel, einfach nur dasitzen und schauen. Nicht einmal Musik höre er. «Manchmal lese ich eine Zeitung. Ich gehöre zu einer altmodischen Generation, die das noch macht», sagt er mit einem Augenzwinkern. Er bezeichnet sich als News-Junkie. Das muss er auch sein, wenn er aktuelle Sachverhalte parodieren will, darum dreht sich schliesslich «Giacobbo/Müller». Allerdings sagt er: «Ein News-Junkie war ich schon vorher.»

So hat er als frischgebackener Maturand ein paar Mal für die «Freiburger Nachrichten» (FN) geschrieben. «Es begann damit», setzt Marc Perler seine Erzählung fort, «dass ich im Rahmen meiner Maturaarbeit einen Roman verfasst habe.» Die FN veröffentlichten einen Artikel darüber. «Und die Redaktorin fragte mich, ob ich nicht ab und zu für sie schreiben wolle.» Später tauchte sein Name auch im «Sensetaler» und der «Könizer Zeitung» auf. Nach einem Jahr an einer Schauspielschule in Zürich – «mir fehlt der letzte Biss, um zu schauspielern» – entschied er sich für ein Studium der Medienwissenschaften in Fribourg.

Rentner-AKWs und singende Skifahrer

Kaum im zweiten Jahr, konnte er den Posten eines Freien Mitarbeiters bei «Giacobbo/Müller» ergattern. Gearbeitet hat er seither von zuhause aus, in Ueberstorf, wohin seine Familie gezogen ist, als er 14 Jahre alt war. «Immer am Donnerstag vor einer Sendung erhalten die Autoren eine Liste mit sechs, sieben Themen.» Für die Sendung aus Davos vom 7. Dezember 2014 war dies zum Beispiel der Atomausstieg und dessen Finanzierung. Perler liess dann Mike Müller darüber spotten, dass alte Atomkraftwerke wohl Anspruch hätten auf Ergänzungsleistungen.

Der AKW-Gag im Video:

Quelle: SRF.ch

Die Lacher im Davoser Eishockeystadion waren verhalten. «So ist das halt, man erhält eine unmittelbare Reaktion vom anwesenden Publikum», zuckt Marc Perler mit den Schultern. Erfolgreicher war sein Spruch, ob denn Skilegende Vreni Schneider bis 65 singen müsse, als in den Medien über eine Heraufsetzung des Rentenalters für Frauen diskutiert wurde und die Glarnerin gleichzeitig ihre erste Schlager-CD veröffentlichte.

Eine Art Doppelleben

Neuerdings schreibt der Master-Absolvent auch für die Doku-Soap «Mini Beiz, dini Beiz», die ebenfalls im Schweizer Fernsehen läuft, allerdings von der deutschen ITV produziert wird. In der Sendung versuchen fünf Kandidaten ihre Mitstreiter davon zu überzeugen, dass ihre jeweilige Stammbeiz die beste ist. Perler kümmert sich dabei um den Kommentar des Erzählers. «Es soll nicht furztrocken sein, sondern humorvoll und ironisch, so dass der Zuschauer schmunzeln muss, wenn es angebracht ist.»

Der Zug ist mittlerweile in Biel angekommen, dem dritten Standbein von Marc Perler: Seit Herbst 2014 führt er die Zuschauer des Regionalfernsehsenders TeleBielingue als Moderator durch die Sendung. Für einmal steht also er selbst im Rampenlicht. Es sind wie zwei Welten: Wegen seiner ruhigen Art kaufen seine Arbeitskollegen ihm den Sprücheklopfer gar nicht ab. «Stimmt, manche sind überrascht, wenn sie davon erfahren», bestätigt der 27-Jährige. «Ich bin keine Rampensau. Und wenn man mich nach einem Witz fragt, fällt mir meistens nichts ein.» Zum Glück hat er für seine Pointen fürs Schweizer Fernsehen mehr Zeit. Auch wenn kaum jemand mitkriegt, dass sie von ihm stammen.

Marc Perler begrüsst die Zuschauer auf TeleBielingue:


Quelle: TeleBielingue (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.02.2015, 16:46 Uhr

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