Eine neue Super-Mafia

Die ausgewerteten Schlussresultate des Eurovision Song Contest bringen Überraschendes zutage. Fünf Punkte zur Punktvergabe.

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Philippe Zweifel@delabass

Immer wieder wird behauptet, dass der ESC «politisch» sei. Tatsächlich nutzen Künstler den Wettbewerb regelmässig, um auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen, sei es die Diskriminierung von Homosexuellen oder Behinderten. Vor allem aber kommt es zu sogenannten politischen «Block-Voting»: Länder, die einander Punkte zuschanzen. Die Auswertung des diesjährigen Abstimmungsverhaltens belegt dies:

1. Abgesehen von den altbekannten Blöcken (die nordischen Staaten etwa oder die Oststaaten), kam es heuer erstmals zu einem baltischen Block – der geschlossen gegen Russland abstimmte:

Noch vor einem Jahr hatten die baltischen Staaten für Russland gestimmt. Die politische Bedrohung, die von Moskau ausgeht, hat dies geändert. Interessanterweise stimmt das Baltikum nun für die nordischen Länder:

Für die zukünftigen Song Contests bedeutet dies wohl einen neuen Superblock; das Baltikum und die nordischen Länder übertreffen nun die Voting-Macht des Ost-Blocks.

2.Apropos Russland: Als eines der wenigen westlichen Länder hat Deutschland 12 Punkte, also die Maximalzahl, an die Russen vergeben.

Für den Sieg hat es der Russin dann bekanntlich doch nicht gereicht. Am Schluss lag der Schwede vorne. Allerdings bloss dank der Jury-Stimmen ...

3. ... wäre es nach den Zuschauern gegangen, hätte Italien den Contest gewonnen:

4.Die Punkte, die die Schweiz vergab, gingen zur Mehrheit an Albanien und Italien. Auch dies ist politisch, oder sagen wir: kulturell erklärbar. In unserem Land ist die entsprechende Diaspora besonders stark. Die grösste Ausländergruppe der Schweiz, die Deutschen, scheinen allerdings weniger patriotisch zu sein – oder verfolgen den ESC nicht: Der deutsche Beitrag landete im Schweizer Ranking nur auf dem 11. Platz (er fiel allerdings auch pan-europäisch in Ungnade; am Schluss stand er mit null Punkten da).

5. Und die Schweiz? Sie erhielt im Halbfinal, wo sie ausschied, gerade mal vier Punkte, was den letzten Rang des Semifinals bedeutet. Ob das auch mit einer politischen Situation zusammenhängt - oder schlicht am Song lag?

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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