Der Restauranttester geht neue Wege

Dem Bistro im Fitnesscenter Input in Steffisburg fehlen die Gäste. Daniel Bumann, der Restauranttester solls richten. Es ist sein vorläufig letzter Auftrag – zum Abschied hat er erstmals eine öffentliche Kochshow inszeniert.

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Nina Kobelt@Tamedia

Das Ende ist der Anfang. Fast. Daniel Bumann, der Sternekoch aus dem Wallis, der im Bündnerland kocht und als Restauranttester durchs Land zieht, hat als ebensolcher in Steffisburg angefangen. 2009 versuchte er dem Restaurant Ziegelei zu helfen. Es war das erste Lokal überhaupt, in dem er die Hände verwarf, tröstete und – das muss auch erwähnt sein – Kundschaft anzog.

Die damalige Chefin der Ziegelei, Daniela Liebi, wird im Laufe des Nachmittags auch hier auftauchen, im Input-Bistro in Steffisburg. Hier wird die letzte Folge der 7. Staffel von «Bumann, der Restauranttester» gedreht. Daniel Bumann ist noch nicht zu sehen. Seine Frau Ingrid Bumann strickt einen Schal. Das tut sie immer während Drehpausen.

Es ist noch eine Stunde hin zu den Aufnahmen. Nicht weit vom Bistro strampeln sich ein paar Sportliche auf den Velos ab. Sven Görhardt macht sich ein paar Notizen und schwirrt von hier nach dort – er ist Regisseur von «Bumann, der Restauranttester». Hanspeter Grossen schliesslich, der Input-Chef, der die prominente Hilfe anforderte, sitzt an einem Tischchen im zu rettenden Bistro.

Erst heute ist Grossen aufgetaucht, er war auf Kreuzfahrt, dabei ist Bumann schon seit Tagen hier. Der Restauranttester testete trotzdem, ohne Grossen, weil: «Ich will ja helfen. Da nützt es nix, wenn ein Betrieb nur die Schokoladenseite zeigt.» Und dieser Betrieb ohne Chef zeigte «Angst und Schwachstellen». Heute aber sind alle hier.

Klar kann er helfen

Daniel Bumann hat für diese Folge eine spezielle Werbeaktion organisiert. Vier Jungköche aus Steffisburg (Corinne Roth und Philipp Maurer vom Panorama und die Brüder Marco und Sandro Zurflüh vom Bahnhöfli) und einer aus Bumanns Chesa Pirani sollen öffentlich fitte Menüs fürs Input kochen, das jedenfalls ist Bumanns Idee. Weil das Bistro nicht so fit ist wie der Rest des Fitnesscenters. «Im Trainingsbereich läuft alles gut», sagt auch Input-Chef Hanspeter Grossen. «Aber mit der Gastronomie hinkts. Es sind nur zwanzig Meter Weg von den Geräten zum Restaurant. Aber das bleibt leer.»

Grossen lächelt nervös. Zwar schwärmt Bumann von einer «tollen Ambiance» im Fitnesstempel – natürlich trainierte er gleich selbst. Doch nun sollen Kochtalente Inspiration liefern für die Input-Küche. Bei Grossen hält sich die Begeisterung im Rahmen. «Wir können Fitnessprogramme zusammenstellen, ja. Aber nicht sternekochen.» Gastronomie, so sinniert er weiter, werde unterschätzt, auch ihm sei es so ergangen.

Kameraleute gehen geschäftig umher, die Köche, denen Bumann eine Plattform bieten will, treffen ein. Ingrid Bumann legt das Strickzeug weg. Wird Bumann dem Bistro zum Erfolg verhelfen? «Das weiss ich noch nicht», sagt Hanspeter Grossen. Er scheint nicht überzeugt. Aber Bumann ist schon eine Hilfe? «Klar», flüstert Grossen, «klar.»

Es gibt auch für diese spezielle Sendung kein Drehbuch, Daniel Bumann und seine Crew agieren meistens spontan. Am Morgen gab es schon Aufnahmen mit Grossen und dem Personal, seit da macht Regisseur Sven Görhardt sich immer wieder Notizen. Wenn ihm etwas besonders gut gefällt, eine Einstellung oder eine Bemerkung von Bumann, malt er ein Smiley aufs Blatt – vielleicht kann man das nachher wieder aufnehmen. Er sagt: «In der Sendung soll man sehen, dass wir hier kurzfristig einen Event organisiert haben.»

Inspiration Lanz

Die Unermüdlichen treten in die Pedale und stemmen Gewichte. Daniel Bumann, vor ein paar Tagen noch total heiser, jetzt genesen, steht an der Bar und sagt: «Ich weiss nicht, ob ich das kann.» Er meint das Moderieren einer Kochshow. Seine Inspiration: «Lanz kocht», er fand die Sendung immer genial, weil sie «so viel Handwerk präsentiert».

Mittlerweile sind Zuschauer eingetroffen, ehemalige Bumann-«Kunden», viele Rentner und auch Köche, etwa der vom Schwert in Thun. Man setzt sich auf die Treppe, die in den ersten Stock des Fitnesscenters hinaufführt, oder auf die Festbänke. Die Köche rüsten Gemüse, der Moderator springt auf, der Regisseur sucht sich einen guten Platz, die Sportler trainieren, und losgehts.

Ein Tag, zehn Minuten

Daniel Bumann befragt die Köche, macht Sprüche. «Sieht aus wie Caminada», kündet er etwa seinen ehemaligen Schützling Rolf Fuchs an (der sitzt auch im Publikum), redet über «YB-Pasta» und seinen FC Sion, muss husten und Wasser trinken und redet dann weiter. Am Ende gibts Essen für die Zuschauer, alle strahlen in die Kamera, Ehefrau Ingrid muss als Filmerin einspringen, und es ist tatsächlich ein bisschen wie bei «Lanz kocht». Bumann kocht.

«Er macht das gut», sagt der Regisseur. Er wird seine Notizen noch ins Reine schreiben. Er schätzt, dass aus einem Drehtag wie heute zehn Minuten Filmmaterial herausschauen. Zehn Minuten aus einem ganzen Tag «Bumann, der Restauranttester». Aber es war wohl sowieso die letzte Folge überhaupt.

Der Kreis schliesst sich hier in Steffisburg, aber nicht nur deshalb liegt die Vermutung nahe, dass Daniel Bumann langsam genug von der Testerei hat. Er hat auch Blut geleckt: Moderieren findet er super, um Worte ist er nie verlegen, und Kameras stören ihn nicht. «Schreibt doch, dass das jetzt mein neues Standbein wird», ruft er uns am Schluss nach. Wer weiss. Was sagte der Regisseur? «Er macht das gut».

Berner Zeitung

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