Bissige Konkurrenz für Sven Epiney

Bericht

Den Eurovision Song Contest nimmt man entweder äusserst ernst, oder man macht sich darüber lustig. SRF kommentiert ihn neu satirisch – traut sich aber nur im Zweikanalton.

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Auf Twitter und Onlineportalen hat sich in den vergangenen Jahren eine temporäre Parallelwelt zur offiziellen ESC-Berichterstattung entwickelt. Während sich Sven Epiney via SRF jeweils alle Mühe gibt, die Beiträge ernsthaft zu beurteilen und jegliche Entgleisungen diplomatisch zu kommentieren, nimmt sich im Web niemand zurück. Da wird hämisch über zu kurze Röcke oder zu goldene Outfits gelästert, über zu dünne Stimmen, übermotivierte Backgroundtänzer und die Songauswahl sowieso. Bei der Punktevergabe geht dann das Gefluche los, böses Europa! Vetternwirtschaft! Die Schweiz, voll benachteiligt!

Dieses Jahr begibt sich auch SRF in die Parallelwelt: Der ESC wird erstmals satirisch kommentiert, sowohl im Fernsehen als auch auf Radio SRF 3. Peter Schneider und Gabriel Vetter werden am Samstag, 18. Mai, live im Einsatz sein, wenn der ESC-Final in Malmö stattfindet. «Bissig, unverblümt und unkonventionell, so wie die beiden im Radio und auf der Bühne bewährt und beliebt sind», verspricht SRF.

Schneider/Vetter mit Carte blanche

Der Auftritt von 39 unterschiedlichen Künstlern am ESC biete eine ideale Plattform für einen satirischen Kommentar, der in dieser Form im Rahmen des offiziellen Kommentars nicht möglich wäre, begründet Sven Sarbach, Bereichsleiter Show und Events und Schweizer Delegationsleiter ESC, den Entscheid. So könne den Zuschauern und Zuhörern die Wahl zwischen den beiden Kommentarformen geboten werden – ernsthaft oder satirisch. Alles ist möglich, auch die Gürtellinie. «Grundsätzlich haben Schneider und Vetter für diesen Kommentar eine Carte blanche erhalten.»

Damit wagt sich SRF in das Gärtchen vor, das bislang die Onlineportale beackert haben. «Lustige und bissige Kommentare zu den einzelnen Ländern gehören seit Jahren zum ESC – dieser Kommentarform möchten wir nun mehr Raum geben», so Sarbach. Aber: Das Duo Schneider/Vetter darf nur im Zweikanalton ran. Auf dem herkömmlichen Kanal bekommen die Zuschauer wie gehabt Sven Epiney zu hören. Wer Satire will, muss umschalten.

Epiney bleibt

Warum nicht gleich auf Sven Epiney verzichten und voll auf Satire setzen? Das kommt für SRF nicht infrage. Der Grund liege in der Konvergenz von Radio und Fernsehen. «Der Kommentar von Schneider/Vetter ist ja zeitgleich auf SRF 3 im Radio zu hören, der klassische TV-Kommentar würde als Radiosendung zu wenig tragen. Schneider/Vetter haben absolute Bewegungsfreiheit und können daher der Radio-TV-Mischform gerecht werden.» Was Sven Epiney vom Vorhaben hält, ist nicht bekannt. Er konnte noch nicht für eine Stellungnahme erreicht werden.

Welche Protagonisten sich am besten eignen, hat sich SRF lange überlegt. «Peter Schneider als pointierter Haussatiriker von SRF 3 war naheliegend», sagt Sarbach. Gabriel Vetter arbeite als Autor und Satiriker regelmässig für Radio SRF, daher sei dieses Duo sicher eine attraktive Kombination. Das satirische Duo ist allerdings nur im Final zu hören. Im Halbfinal vom 16. Mai ist dafür Viola Tami beim Public Viewing vor Ort im Einsatz. Dort wird sie verschiedene Gäste begrüssen, unter anderem Beni Thurnheer. Dann wird es auch für Takasa alias Heilsarmee ernst, die für die Schweiz ins Rennen gehen wird. Mit der Startnummer 16 von 17 Halbfinalisten musizieren sie um eines der verbleibenden Tickets für den Final vom 18. Mai.

dj

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