Farbexplosion im Atelier

Der deutsche Künstler Martin Kasper zeigt in der Berner Galerie Bernhard Bischoff seine Bilder. Das Thema des figurativen Malers sind Räume, die es in sich haben.

<b>Schwurbelräume:</b> «Vortex» von Martin Kasper.

Schwurbelräume: «Vortex» von Martin Kasper. Bild: Bernhard Strauss (PD)

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Kann man Räume porträtieren? Ja, wenn man Martin Kasper ist. Unter dem Titel «Im Wechsel» präsentiert der Maler zurzeit ein Dutzend Ölgemälde in der Galerie Bernhard Bischoff in Bern. Das grösste und aktuellste Bild – der Künstler hat es gerade noch rechtzeitig zur Eröffnung be­endet – zieht den Betrachter unmittelbar in seinen Bann.

Bei dem 260 mal 400 Zenti­meter grossen Gemälde handelt es sich um ein Diptychon, um ein zweigeteiltes Bild. Der lateinische Titel «Vortex» bedeutet «Wirbel». Tatsächlich scheint sich bei diesem Gemälde alles in Bewegung zu befinden.

Der Blick schweift zwischen den beiden Bildhälften hin und her, versucht den Raum – ein mit Parkettboden ausgestattetes Künstleratelier – zu erfassen. Durcheinandergewirbelt werden dabei Raumempfinden und Sehgewohnheiten.

Der Spachtel

Protagonist der Komposition ist ein überdimensionaler Spachtel, ein Malutensil, das Kasper selbst oft und gern benutzt, wie er bei einem Rundgang durch die Ausstellung erklärt. Eine Fläche von ineinanderfliessenden Farben explodiert im Raum. Die an den Wänden hängenden Bilder nehmen das Motiv des Spachtels wieder auf.

Bilder im Bild kann man auch in den Fenstern oder am ­Boden erkennen. Ein mit Farbklecksen versehrter Stuhl bleibt leer: Der Künstler hat den Raum verlassen. Eine diffuse Fratze auf der Ateliermauer ist das einzig menschliche Abbild im Raum. Menschenleer sind auch alle anderen Räume, die Kasper bei Bernhard Bischoff präsentiert.

Seit mehr als zwanzig Jahren befasst sich der 1962 in Schramberg geborene Künstler, der in Freiburg in Breisgau lebt, mit Innenräumen. In der Schweiz ist der Deutsche kein Unbekannter – so hat er unter anderem in der Kunsthalle Basel oder im Haus der Kunst St. Josef in Solothurn ausgestellt. Die Schau bei Bischoff wurde vom Emmentaler Kunstvermittler und Ausstellungsmacher Maxe Sommer kuratiert.

Durch die Hintertür

Der Zugang zu Kaspers Bildern fällt auf den ersten Blick nicht schwer. Die dargestellten Garagen, Metrostationen oder Passagen sind öffentliche Orte, die ­vertraut wirken. Die Irritation kommt durch die Hintertür: Perspektiven folgen bei Kasper einer höchst subjektiven Logik. Als Grundlage benutzt er oft Fotografie. Doch während des Malprozesses entfernt der Künstler sich rasch von seiner Vorlage.

Türen, Treppen oder Elemente aus Glas ergeben oftmals eine komplexe bis klaustrophobische Struktur. Fahle Lichtverhältnisse sorgen in manchen Gemälden für eine melancholische Stimmung. Auch wenn seine Bilder das Kopfkino in Gang versetzen, versteht Kasper sich nicht als narrativer Künstler.

«Ich erzähle keine Geschichten», sagt er bestimmt. Vielmehr gehe es ihm um das Ausloten des Mediums Malerei. Inspiriert haben ihn unter anderem die Gemälde von René Magritte (1898–1967). Mit dem belgischen Surrealisten teilt Kasper die Suche nach der ewigen Frage, was Malerei eigentlich ist.

Ausstellung: bis zum 15. 9. in der Galerie Bernhard Bischoff, Bern. www. bernhardbischoff.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.08.2018, 09:07 Uhr

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